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Außerdem Social-Media-Lösungen

Coronavirus: Nach nur 15 Euro Online-Umsatz kommt Wiederöffnung für Acherner Einzelhändler wie gerufen

Insbesondere inhabergeführte Einzelhandelsgeschäfte leiden nach Angaben der Acherner Wirtschaftsförderung unter der Corona-Krise. Die Stadtverwaltung rechnet im schlimmsten Fall, dass jedes zweite Geschäft in der Innenstadt langfristig schließen könnte. Derweil setzt der Handel auf kreative Lösungen über Social Media.

Schaufenster-Shopping: Mit einem Smartphone fotografieren Kundinnen eines Acherner Juweliergeschäfts den gewünschten Schmuck, um ihn anschließend beim Ladeninhaber zu bestellen. Foto: Benedikt Spether

Nach Normalität sehnen sich Acherns Einzelhändler. Angesichts massiver Umsatzeinbußen stehen sie unter Druck . Jetzt setzen sie auf kreative Lösungen über Social Media.

Insbesondere inhabergeführte Einzelhandelsgeschäfte leiden nach Angaben der Acherner Wirtschaftsförderung unter der Corona-Krise – vor allem Bekleidungsgeschäfte wegen nicht verkaufter Frühjahrskollektion. Die Stadtverwaltung rechnet im schlimmsten Fall, dass jedes zweite Geschäft in der Innenstadt langfristig schließen könnte.

Droht den Innenstädten der Leerstand?

„Die lange Hauptstraße würde an Vielfalt verlieren und das Schlendern würde sich, wenn überhaupt, auf nur wenige Geschäfte konzentrieren“, so Christian Zorn, Fachbereichsleiter für Wirtschaftsförderung und Liegenschaften,  gegenüber bnn.de. Es werde schwierig sein, den bisher geringen Leerstand in der Innenstadt zu halten. Die Stadt könne diesem Verlust nur entgegen steuern, indem die Bürger motiviert werden, nach der Corona-Krise wieder in Achern einzukaufen und die Geschäfte, welche online erreichbar sind, bereits jetzt aktiv mit Einkäufen zu unterstützen.

Händler auf Wiedereröffnung am 20. April vorbereitet

Immerhin: von Montag, 20. April, an dürfen zumindest kleinere Läden wieder öffnen. „Die Händler sind gut auf eine Wiedereröffnung mit den entsprechenden Hygienemaßnahmen vorbereitet“, so Philipp Schäfer, Vorsitzender der Werbegemeinschaft „Achern aktiv“ und Inhaber eines Schuhgeschäfts, gegenüber dieser Zeitung. Konkret: Mundschutz für Kunden und Verkäufer, Abstandsmarkierungen auf Böden, Spuckschutz im Kassenbereich sowie Händedesinfektionsmittel.

Bestellung statt Shopping-Tour

Seit vier Wochen erlebt die Acherner Geschäftswelt eine zu Friedenszeiten noch nie da gewesene Situation. In der Not setzten Händler auf kreative Lösungen, Online-Shops und Social Media. So dürfen Bestellungen über E-Mail und Telefon bislang weiterhin angenommen werden. Der Kunde holt die bestellte Ware vor der Ladentür ab. Zum Beispiel in der Buchhandlung Osiander.

Die Abholstation ist werktags von 10 bis 13 Uhr verfügbar.

Der Tisch befindet sich auf der Türschwelle, sodass der Kunde von außen die Bestellung erhält. Eine Verkäuferin stellt von innen die Ware auf den Tisch. Inhaberin Christine Kleber stellt klar, dass sie keine Postkarten verkaufen darf. „Nur vorab bestellte Ware, um Warteschlangen zu vermeiden.“

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Kunden fotografieren Waren

Schaufenster-Shopping bietet Juwelier Patrick Schell. Kunden fotografieren Schmuck und kontaktieren den Juwelier über WhatsApp oder telefonisch. Neben zwei Online-Shops spielt Schell Bildergalerien seiner Waren über Messenger- und WhatsApp-Storys aus, ebenso via Instagram.

Im Umkreis von 30 Kilometern fährt Schell die Bestellungen auch aus. Einen virtuellen Rundgang durch die Verkaufsräume ermöglicht das Modehaus Zeller mit einem Videochat, daneben eine Lieferung der Kleidung bis an die Haustüre zum Anprobieren.

Humorvolle Internet-Clips

Mehr Spielraum haben bislang Geschäfte mit Werkstätten. Letztere dürfen im Gegensatz zu den Verkaufsräumen geöffnet sein. Davon profitiert der Acherner Elektronik-Fachhändler expert MediaElektra. In kurzen Internet-Clips gibt Inhaber Markus Schneider humorvolle Einblicke in seine Arbeit. Das Kalkül geht offenbar auf: „Es wird viel abgeholt, viel versendet“, so Schneider. Der „kleine Stoffladen“ von Karin Bürck konzentriert auf das Nähen und den Verkauf von Mundschutzmasken.

Online-Shop: Hoher Aufwand, wenig Ertrag

Trotz #kauftlokalinachern und #achernaktiv – die massiven Umsatzverluste lassen sich mit diesem zusätzlichen Service und virtuellem Marketing nicht abfedern. „Vor der Krise ist das Online-Geschäft bei einigen Einzelhändlern nur nebenher gelaufen“, so Philipp Schäfer, und ergänzt: „Natürlich bieten viele Einzelhändler in Achern diesen Service zusätzlich an, doch ein Online-Shop kann eine persönliche Beratung nicht ersetzen.“ Im Vergleich zum Aufwand, einen Online-Shop zu betreiben und Social-Media-Kanäle zu bespielen, sei die Rentabilität nicht gegeben.

Nebenjob statt Verkaufserlöse

So ergeht es Andreas Kleber, Inhaber des auf Kunst und Destillate spezialisierten „Schwarzwald Dealer“. In den vergangenen drei Wochen habe er trotz Online-Shop und Social Media nur 15 Euro Umsatz generiert. Kleber jobbt deshalb nebenher in einem Supermarkt, um über die Runden zu kommen. Die Krise, prophezeit der Händler, werde auch den Acherner Einzelhandel verändern.

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