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Gehalt nicht konkurrenzfähig

Kommunen rund um Achern haben Probleme bei der Suche nach Mitarbeitern

Warum wird es für Kommunen immer schwieriger, Fachpersonal zu finden? In der Region rund um Achern sind es gleich mehrere Städte und Gemeinden, die auch jenseits des bekannten Mangels an Kindergartenmitarbeitern auf der Suche sind – und das durchaus länger. Lauf schließt vorerst sogar an einem Tag in der Woche die Verwaltung, eine telefonische Erreichbarkeit ist aber gesichert.

rupRathaus Foto: None

Kommunen finden immer schwieriger Fachpersonal; so manche Stelle bleibt längere Zeit unbesetzt.

In der Analyse sind sich Bürgermeister der Region rund um Achern in einem Punkt absolut einig: Der Arbeitsmarkt ist gesättigt.

In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit gibt es bei Kommunen mehr Bewerbungen. Und das Einkommen im Vergleich zur freien Wirtschaft ist mit dem im Öffentlichen Dienst bei ähnlichen Stellen nicht konkurrenzfähig.

Rastetter redet Klartext

Klartext redet dazu Oliver Rastetter, Bürgermeister in Lauf: 2.800 Brutto für einen Bauhofmitarbeiter, dabei kaum Aufstiegsmöglichkeiten – „eigentlich muss man sich da fast einen Nebenjob suchen“. Jenseits von Vollbeschäftigung sieht Rastetter weitere Gründe: Da gebe es zum einen ein Imageproblem, der Öffentliche Dienst gelte als langweilig. „Das Gegenteil ist der Fall, die Arbeit ist extrem abwechslungsreich mit einem großen Themenspektrum.“

In den Blickpunkt gestellt werden sollte zudem die Wertschätzung. Seit Jahrzehnten stehe in Deutschland die Industrialisierung im Vordergrund, andere Länder hätten aber bereits erkannt, dass es die Dienstleistung am Menschen ist, die besondere Wertschätzung – auch finanzieller Art – verdient habe. Es sei Zeit, sich dem postindustriellen Zeitalter zu stellen.

Rathaus ist ein Tag geschlossen

Rastetter ist „auch aus Gründen der Fürsorgepflicht“ den Weg gegangen, dass seine Rathausmitarbeiter einen Tag in der Woche ohne Publikumsverkehr liegen gebliebene Dinge aufarbeiten können. Es sind Krankheitsfälle, auch eine anstehende Reha, die in Lauf die Personaldecke schrumpfen lassen. „Vor Jahren konnte man dafür Mitarbeiter finden, die zeitlich befristet arbeiten. Das ist jetzt nicht mehr möglich.“

Um Stellen generell schnell besetzen zu können, setzt Lauf auf mehrere Aktionen: Gerne würden Praktikanten der Hochschule Kehl genommen, die sich hier Einblicke verschaffen können; zudem wurde vergangenen Oktober am Tag der offenen Rathaustür die Arbeit erläutert – insbesondere für Einwohner. Um sich als attraktiver Arbeitgeber zu zeigen, gebe es im Rathaus Yoga, Wasser und Tee kostenfrei, rückenschonende Arbeitsplätze, Mitarbeiter erhalten einen Kindergartenzuschuss sowie eine betriebliche Altersvorsorge.

Auch in Achern wird Personal gesucht

Vier offene Stellen gibt es derzeit bei der Stadt Achern, heißt es von der Pressestelle – perspektivisch gesucht wird ein Hausmeister, zudem ein Mitarbeiter für die Wasserversorgung, ein Auszubildender für Bäderbetriebe und Ersatz für Brigitte Wick, in Achern Leiterin des Rechnungsprüfungsamts, die bekanntlich als Kämmerin zur Gemeindeverwaltung Durbach wechselt.

„Wir gehen hier von einer guten Bewerberlage aus. Insgesamt haben wir gerade im Verwaltungsbereich kaum ausscheidende Mitarbeiter; in der Regel beschränkt sich dies auf Ausscheiden wegen Altersrente oder Schwangerschaft“, so die Pressestelle. Geboten werden für alle Beschäftigte Zuschüsse für das Jobticket oder E-Bike sowie im Bereich des Gesundheitsmanagements Zuschüsse für Präventionsmaßnahmen wie beispielsweise Rückenschulungen und Mitgliedschaften in Fitnessstudios.

Stadt bietet Sonderleistungen

Rheinau sucht derzeit mehrere Mitarbeiter: Unbesetzt sind eine Stelle im Kindergarten, eine Stelle im Bauhof, zwei Stellen in der Innenverwaltung sowie seit Monaten sechs Stellen geringfügig Beschäftigter. „Für Stellen im Verwaltungsbereich bewerben sich immer öfter Quereinsteiger“, so das Personalamt.

Schwer zu besetzen sei momentan die Stelle in der Bauhofleitung. „Die Kommunen und auch die Stadt Rheinau unternehmen bereits einiges, um die Arbeitsplätze attraktiver zu gestalten. Beispielsweise wurde im Öffentlichen Dienst vor Jahren eine leistungsorientierte Bezahlung eingeführt.“ Die Stadt bietet zudem zusammen mit dem Personalrat Gesundheitsmaßnahmen.

Ausschreibungen werden wiederholt

Grundsätzlich gestaltet es sich zurzeit schwierig, fachlich geeignetes Personal zu finden, fasst Renchens Bürgermeister Bernd Siefermann zusammen. Dieser Umstand ziehe sich wie ein roter Faden durch die kommunale Landschaft. „Auf Stellenausschreibungen erhalten wir mittlerweile weniger fachlich geeignete Bewerbungen als noch vor einigen Jahren. Dies führt dazu, dass in manchen Fällen Ausschreibungen auch wiederholt werden müssen.“

Die Stadt Renchen versucht diesem Trend durch gleitende Arbeitszeiten, einem attraktiven Fort- und Weiterbildungsangebot, Leistungen der betrieblichen Gesundheitsförderung sowie einem sehr guten Arbeitsklima entgegen zu wirken. „Eine Herausforderung liegt künftig darin, das Personal nicht nur von den Vorteilen des öffentlichen Arbeitgebers zu überzeugen, sondern auch auf Dauer zu halten.“ Renchen sucht aktuell für den Bauhof einen Landschaftsgärtner, im Fachbereich Finanzen einen Sachbearbeiter für die Umsatzbesteuerung, das Controlling und Berichtswesen und für die neue Saison einen Fachangestellten für Bäderwesen.

Massiver Fachkräftemangel

„Tatsächlich haben wir es mit einem massiven Fachkräftemangel zu tun, was einige Sektoren unserer kommunalen Aufgabenbereiche betrifft“, betont der Kappelrodecker Bürgermeister Stefan Hattenbach. Zudem gebe es eine hohe Arbeitsbelastung und infrastrukturell oft suboptimale Arbeitsbedingungen durch Sparzwänge der öffentlichen Hand, verbunden mit beständig komplexer werdenden Aufgaben und einer hohen Schlagzahl an Veränderungsprozessen.

„In Teilen wird in den Gemeinden eine wachsende Anspruchsgesellschaft, wenig Wertschätzung bis hin zu Anfeindungen von den Menschen wahrgenommen, die hauptamtlich für das Gemeinwesen arbeiten. Also alles andere als eine prickelnde Stellenbeschreibung.“ Kappelrodeck halte dagegen, indem man mit verschiedenen Instrumenten versucht, als Arbeitgeber trotzdem einigermaßen attraktiv zu sein. Für 2020 sei ein neues Paket geschnürt worden, das neben Anreizen für die Mitarbeiterwerbung auch Gesundheitsvorsorge beinhaltet und zudem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf so gut wie möglich zu gewährleisten versuche.

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