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Saison gerettet

Kultur unter Corona-Bedingungen in Achern: Lieber zweimal auftreten als ein Jahr warten

Wie geplant - und doch alles anders: Im Gegensatz zu anderen Städten hat Achern den Kulturbetrieb in der neuen Saison nicht abgesagt. Es gilt ein ausgeklügeltes Corona-Konzept.

Der Mann mit dem Puschelmikrofon: Alfons kommt trotz Corona nach Achern. Möglich macht das ein ausgeklügeltes Konzept der städtischen Kulturabteilung - und die Bereitschaft des Künstlers zu ei nem zweiten Auftritt. Foto: Guido Werner

Achern. „Wir halten zusammen, aber wir halten uns an die Regeln.“ Nicole Reuther hat ein ausgeklügeltes Corona-Konzept erarbeitet, das die Kultursaison in Achern gerettet hat. Die Verlegung einzelner Veranstaltungen an andere Orte, die Bereitschaft der Künstler zu einem zweiten Auftritt sowie eine allgemeine Reduzierung der Zahl der Gäste sichert jeweils den nötigen Abstand.

Mitte März endete mit dem Corona-Stillstand die Kultursaison in Achern jäh. Während andere Städte Termine ganz ausfallen oder teilweise um ein ganzes Jahr verschoben haben, ging man in Achern einen anderen Weg. „Von sieben abgesagten „gong“-Veranstaltungen haben wir für sechs einen Ausweichtermin gefunden, so die Kulturbeauftragte Nicole Reuther. Das freue auch Künstler und Agenten, die unter dem abrupten Ende des Kulturbetriebs besonders zu leiden haben.

Und es gibt nicht nur Nachholtermine: Besonders stolz ist Nicole Reuther darauf, dass das für die neue Saison 2020/21 vorbereitete Programm wie geplant abgewickelt werden kann. „Damit bildet Achern eine Ausnahme.“

Unterscheidung zwischen Einzel- und Gruppenbesuchern

Wie geplant - und doch alles anders: Natürlich müssen die Veranstaltungen an die Pandemie-Bedingungen angepasst werden. „In Zusammenarbeit mit dem städtischen Juristen Björn Eiselt, den Mitarbeitern des Ordnungsamts und dem zuständigen Fachbereichsleiter Hans-Peter Vollet haben wir uns die geltenden Corona-Verordnungen sehr genau angesehen“, berichtet Nicole Reuther.

Heraus kam ein Konzept, das Einzelbesucher und Gruppen unterschiedlich bewertet. Im Klartext: Für Einzelbesucher gelten andere Abstandsregeln als für Gruppen, die ohnehin gemeinsam zu den Veranstaltungen kommen.

Damit steigt die Kapazität des normalerweise 220 Menschen fassenden Festsaals der Illenau von 46 auf rund 60 Personen, in der Schlossfeldhalle in Großweier können für maximal 170 Menschen die Abstandsregeln gewahrt werden.

„Die Künstler ruhen sich aus, und wir desinfizieren“

Ein zweiter Baustein ist die Verlegung von Terminen an Veranstaltungsorte mit mehr Publikumsplätzen - beispielsweise in die Schlossfeldhalle. Diese Maßnahme ermöglicht auch eine einigermaßen gesicherte Finanzierung der Saison. Hinzu kommt die Bereitschaft der Künstler zu einem zweiten Auftritt - ohne zusätzliche Honorarforderungen.

„Dazu waren die Künstler sofort bereit. Lieber zweimal auftreten als ein Jahr warten.“ So spielt auch Alfons, der sympathische französische Geschichtenerzähler und Reporter mit dem Puschelmikrofon, am 16. Oktober zweimal 110 Minuten in der Schlossfeldhalle. Zwischen den beiden Auftritten der jeweiligen Künstler tritt die Reinigungskolonne in Aktion. „Die Künstler ruhen sich aus, und wir desinfizieren“, so Nicole Reuther.

Für den 17-Uhr-Auftritt von Alfons gibt es sogar noch Karten. Keine Karten im freien Verkauf sind für die zweite Sparte des Acherner „gong“-Kulturprogramms erhältlich: Die Konzerte in der Alten Kirche Fautenbach bleiben in dieser Saison ausschließlich Abonnenten vorbehalten. Auch für sie gibt es ein Corona-Konzept mit Kleingruppenregelung, gesonderten Sitzplatzabschnitten und Mund-Nasen-Maskenpflicht außerhalb des Sitzplatzes. Und auch in der Alten Kirche heißt es, wie auch bei den anderen Kulturstätten: Lüften, Lüften, Lüften.

Die „Generalprobe“ für das Corona-Konzept des Acherner Kulturbetriebs war übrigens ein Erfolg: Zwei gelungene Kabarett-Vorstellungen mit Annette Postel war auch eine Premiere für die Künstlerin, die in Achern ihren ersten Auftritt seit sechs Monaten feierte. Das die Veranstaltung mit 50 Gästen „ausverkauft“ war, nahm Annette Postel mit Humor.

Und was den Applaus betrifft, so ist auch Nicole Reuther zufrieden: „Die Acherner haben alles gegeben.“ Das lässt die Kulturbeauftragte für den weiteren Verlauf hoffen: Wer weiß, welche Verordnungen die Pandemie noch bringt.

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