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Interessenten kommen aus ganz Deutschland

Mit dem Pferd ins offene Gelände: Neue Kursreihe auf dem Kappelrodecker Simmehof

Mit dem Pferd weg vom Reitplatz und ins offene Gelände, das ist nicht so leicht wie es klingt. Darum geht es in einer neuen Kursreihe auf dem Kappelrodecker Simmehof, der künftige Wanderreitführer ausbildet und lange Wartelisten hat.

Bei Fuß: Mit dem „Pferdeführerschein” geht es in einer neuen Ausbildungsreihe auf dem Simmehof in Kappelrodeck los, sie endet mit einer Prüfung als Wanderreitführer - hier die Hofbesitzer Kerstin und Joesf Lamm (rechts) und Teilnehmer Wolfgang Herling. Foto: Stefanie Prinz

Es gibt weder eine Probezeit noch Punkte in Flensburg für Besitzer des Pferdeführerscheins. Wofür aber braucht man ihn? Der Schein ist Teil einer Ausbildungsreihe, die erstmals auf dem Simmehof in Kappelrodeck begonnen hat und für die es Interessenten aus ganz Deutschland gibt.

Wer die Reihe komplett durcharbeitet, kann am Ende dann 2022 eine Prüfung als „Wanderreitführer“ ablegen. Statt in einer Halle oder auf einem Reitplatz einfach ins freie Gelände zu reiten - ähnlich wie Fernwanderer auch mal mehrere Tage am Stück - ist nämlich längst nicht so leicht wie es sich anhört und klappt nicht immer einfach so, sagt Pferdewirtschaftsmeisterin Irene Hägele, die die Kursteilnehmer auf dem Hof von Kerstin und Josef Lamm trainiert.

Trainerin Irene Hägele sieht eine steigende Nachfrage bei Pferdefreunden, die im freien Gelände reiten möchten - aber so leicht wie es klingt ist das nicht. Foto: Stefanie Prinz

„Wir sind als Reiter in der Natur zu Gast“, sagen die Lamms. „Man kann nicht einfach über jede Wiese reiten und nicht mal eben den Verkehr anhalten, weil man eine Straße überqueren will.“

Auch das wird gelehrt. Bis es so weit ist, sind mehrere Lern-Etappen nötig. Start ist besagter „Führerschein“, bei dem es zum Einstieg darum geht, wie ein Reiter mit dem Pferd umgeht, wie es gehalten, gefüttert, geputzt und gesattelt wird.

Darauf aufbauend folgen weitere Kurse, zum Beispiel eine „Gelassenheitsprüfung“ mit dem Pferd sowie die Ausbildung zum sogenannten Berittführer, der Reitergruppen anleitet, sich auch mit versicherungsrechtlichen Fragen auskennt und schließlich weiß, wie man sich mit Pferd im Gelände verhält – auch gegenüber Menschen, die man unterwegs trifft.

Man kann nicht einfach über jede Wiese reiten.
Kerstin und Josef Lamm, Simmehof

„Wir sind als Reiter Nischensportler, deshalb ist es umso wichtiger, dass wir positiv auftreten – verschrien ist man schnell“, sagt Wolfgang Herling, der eigentlich vom Bodensee kommt, als Schüler von Irene Hägele aber immer wieder in Kappelrodeck zu Gast ist.

„Wir sind uns bewusst, dass ein Pferd nicht 100-prozentig berechenbar ist, zudem gibt es Menschen, die Angst vor den Tieren haben.“ An Fußgängern also nicht einfach im flotten Trab vorbeizupreschen, sondern den „Gegenverkehr“ anzusprechen, langsam zu machen und Abstand zu halten oder auch einmal abzusteigen, um sicher aneinander vorbei zu kommen, das sind weitere Dinge, die die Reiter lernen, damit es zu keinen Konflikten kommt.

Für angehende Wanderreitführer geht es zudem darum, die verschiedenen Charaktere der Zwei- und Vierbeiner innerhalb einer solchen „Wandergruppe“ zusammenzubringen. Das Hauptaugenmerk bei der Kundschaft liegt auf Erwachsenen; manche bringen ihre eigenen Tiere mit, manche nutzen eines der Leihpferde des Hofs. „Nicht jedes Pferd ist zum Beispiel für die Berge geeignet“, sagt Kerstin Lamm, „man kein ein Tier im Gelände auch kaputtreiten“.

Nachfrage steigt immens

„80 Prozent der Reiter und Pferdebesitzer wollen ins Gelände, die Nachfrage steigt immens“, sagt Irene Hägele, die im Hauptberuf als Pädagogin arbeitet und seit 30 Jahren Reitprüfungen abnimmt. Auch für den Berittführer-Kurs der Reihe, der im März ansteht, gibt es zum Beispiel längst eine Warteliste.

Auf dem Simmehof betreibt die Familie auch eine Station für Wanderreiter (der ABB berichtete), hier hätten immer wieder Besucher nach Reitstunden und Kursen gefragt, die die Lamms zeitlich gar nicht leisten konnten. Zusammen mit Irene Hägele habe man deshalb ein ganzes „Paket“ geschnürt und nach viel Vorarbeit die Kursreihe begonnen, die auch vom Pferdesportverband Baden-Württemberg und der Deutschen Reiterlichen Vereinigung unterstützt wird – die Abzeichen könne man an vielen verschiedenen Orten ablegen, so zentriert an einem Ort sei das aber selten.

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