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Ruku hat Platzmangel

Rheinauer Firma zieht nach Achern-Wagshurst

Die Rheinauer Firma Ruku verlagert ihren Produktionsstandort. Der Spezialist für Anhänger aller Art und mit den verschiedensten Funktionen und Aufbauten hat in Achern eine Standort gefunden, der der Expansion des Betriebs gerecht wird.

ruku eins Foto: None

„Bereits beim Großauftrag für das Militär im Jahr 2012 mangelte es an Platz auf dem Firmengelände der Ruku Anhänger GmbH in Rheinau-Freistett, erinnert Thomas Beik, einer der beiden Geschäftsführer. „Leider ist man sich mit Rheinau nicht einig geworden, fand jedoch bald das Grundstück im Acherner Stadtteil Wagshurst“. Hier wird nun durch die Unterstützung des Entwicklungsprogramms Ländlicher Raum eine moderne, ökologische und innovative Produktionsstätte entstehen.

Ruku ist eine kleine mittelständische Firma – deren Produkte weltweit vertrieben werden. Neben dem neuesten Bereich der Produktion von Promotion- Fahrzeugen für große Firmen produziert der Betrieb jegliche Art von Anhänger für Handwerksfirmen sowie Privatleute, zudem jegliche Fahrzeugaufbauten, beispielsweise für Feuerwehr und Rettungsdienste. Selbst eine Lösung für den Bienenbeuten-Transport hat Beik, selbst leidenschaftlicher Imker, gefunden. In der gesamten Produktpalette wird alles maßgeschneidert, eigentlich ist Ruku eine Anhängermanufaktur.

Umsetzung individueller Kundenwünsche

Geschäftsführer Benoît Sauselen erinnert an die Anfänge der Firma, die 1978 in Lauf gegründet wurde. Seit 1980 wird in Rheinau produziert. Auch er sieht die Stärke des Betriebs in der Umsetzung individueller Kundenwünsche. Das hat sich offensichtlich herumgesprochen. 2009 baute man den ersten LED-Display-Anhänger, ein Kofferanhänger aus dem ein neun Quadratmeter großes LED Display zum Dach heraus fährt; davon entstanden in den folgenden Jahren einige, bis zu den größten mit 16 Quadratmeter Bildfläche, die in Europa aber auch in Afrika in Betrieb sind. 2013 wurde für Mercedes in Zusammenarbeit mit dessen Designern ein außergewöhnlicher Promotion-Anhänger entwickelt: Ausgestattet mit einem Hubdach mit Werbeplanen und einem großen Marken Emblem, einem modernen Verkaufs- oder Werberaum mit neuester Technik, absenkbar und mit wegschwenkbarer Deichsel, lässt sich der Anhänger als solches nicht mehr erkennen.

Mittlerweile sind mehr als 50 Mercedes Promotion-Anhänger weltweit unterwegs. Aber auch das sorgt für neue Herausforderungen. „In Amerika beispielsweise hat das elektrische Netz 110 Volt bei 60 Hertz; damit haben alle Antriebsmotoren praktisch die halbe Leistung“, erklärt Beik, der seit 2008 im Unternehmen ist. Ob die technische Lösung, die sich Ruku hier hat einfallen lassen, wirklich funktioniert, kann man eigentlich erst vor Ort testen – oder man baut wie Ruku für die Endkontrolle vor der Auslieferung einfach das Stromnetz in der eigenen Halle nach.

ruku zwei Foto: None

„Durch Mercedes ist unser Unternehmen national aber auch international bekannter geworden“, freuen sich die Geschäftsführer. Zum 100-jährigen Bestehen von Bauhaus durfte Ruku zusammen mit Architekten des Bauhauses für die Klassik Stiftung in Weimar einen hochkomplexen Infostand konstruieren, dessen Hubdach mit Lamellenoptik an das Bauhaus erinnern soll. Komplex auch in der Steuerung: Ruku hat Fernzugriff, kann erkennen, ob der Wind in Weimar so stark ist, dass man den Aufbau herunterfahren muss. Notfalls gibt es den Befehl von Rheinau aus.

In den vergangenen zehn Jahre wurde der Maschinenpark dermaßen komplettiert, dass man alles im Hause selbst machen kann – von der 3-D-CAD-Konstruktion im Büro bis hin zum zuschneiden, biegen und schweißen. Aber vor allem da ist Platz auch ein Problem. Es ist eng, sehr eng; zwischenzeitlich hat der Betrieb sogar eine Zelthalle als Notbehelf aufgestellt. „Wir haben oft gefragt und die Situation geschildert, doch es war der Rheinauer Stadtverwaltung offensichtlich nicht möglich, uns ein adäquates Grundstück anzubieten“, zeigt sich Beik verärgert.

Seit 2017 mit Achern im Gespräch

Ab 2017 habe man sich dann bei der Stadt Achern umgeschaut: „Hier sind wir bestens beraten und unterstützt worden; wir haben es sicherlich Oberbürgermeister Muttach und Christian Zorn, dem Leiter der Wirtschaftsförderung, zu verdanken, dass alles so reibungslos gelaufen ist“, sind sich beide Geschäftsführer einig, auch mit Blick auf die Tatsache, dass Ruku beim Entwicklungsprogramm ländlicher Raum berücksichtigt worden ist. Das Grundstück ist gekauft, jetzt wird geplant, angedacht ist, eine 25 auf 60 Meter große Halle zu bauen. „Ich denke, der Umzug wird 2021 laufen“. Die gesamte Anlage in Rheinau wird verkauft.

Rheinaus Bürgermeister Michael Welsche bedauert den Wegzug von Ruku. Allerdings betont er, dass die Stadt Rheinau sehr wohl ein attraktives Gewerbegrundstück im neuen Gewerbegebiet Groß Bahnwörtel angeboten hat, welches leider nicht angenommen wurde.

Militärauftrag sprengte fast die Kapazität

Und was war das nochmal mit dem Militärauftrag? „Genau 351 Militäranhänger sollten wir in fünf Monaten bauen. Da hat der Platz bei weitem nicht gereicht. Zusammen mit zwei weiteren Firmen aus Rheinau wurde die Arbeit erledigt. Wäre der Auftrag im Winter eingegangen, hätte man sogar ablehnen müssen. „In der Vergangenheit mussten wir immer mal wieder größere Aufträge absagen, da es unsere Produktionskapazität gesprengt hätte“, betont Beik.

Sauselen nimmt diese außergewöhnlichen Produktionswochen aber auch als ein Beispiel für den immensen Einsatz aller Mitarbeiter. „Wir haben eine Handvoll besonderer Spezialisten, die nach guter Tradition nicht sagen ‚Chef, hier ist ein Problem‘, sondern die selbst denken und erst locker lassen, wenn das Problem gelöst ist. Das sind Handwerker im besten Sinne alter Gepflogenheiten“.

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