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Zahlreiche Schwachstellen

Vorfahrt für Radfahrer in Achern: Konzept vorgestellt

"Wir wollen uns stärker auf die schwächeren Verkehrsteilnehmer konzentrieren“. Dieses Motto gab Oberbürgermeister Klaus Muttach bei der Vorstellung des Radwegekonzepts der Stadt Achern vor. Eine zentrale Rolle wird in der anstehenden Debatte die Acherner Hauptstraße spielen.

Nadelöhr Hauptstraße: Der Gemeinderat wird im Zusammenhang mit dem Masterplan über ein neues Konzept entscheiden müssen. Foto: Roland Spether

„Wir möchten keinen Kampf der verschiedenen Mobilitäten. Aber wir wollen uns stärker auf die schwächeren Verkehrsteilnehmer konzentrieren“. Diese klare Ansage kam von Oberbürgermeister Klaus Muttach bei der Vorstellung des Radwegekonzepts der Stadt Achern. Eine zentrale Rolle wird in der anstehenden Debatte die Acherner Hauptstraße spielen: Der Gemeinderat muss letztlich entscheiden, ob er diese im Interesse der Radfahrer in eine Einbahnstraße „verwandelt“ oder ihnen alternative Routen anbietet.

Die Vorstellung des Konzepts stieß bei den Bürgern auf reges Interesse. Nach dem Christoph Hessel das vom Büro „gevas, humberg und Partner“ (München/Karlsruhe) im Auftrag der Stadt Achern erarbeitete Konzept vorgestellt hatte, räumte Muttach den Zuhörern ein direktes Fragerecht ein. Deren Wortmeldungen zeigten ebenso wie die Beiträge aus der Mitte des Gemeinderats, dass noch viel zu tun ist, bis die allgemein beklagten Schwachstellen des Radwegenetzes beseitigt sind.

Schwachstellen sollen beseitigt werden

Dass es innerhalb der Kernstadt, aber auch in den Stadtteilen zahlreiche Schwachstellen im Radwegenetz gibt, räumte auch Oberbürgermeister Klaus Muttach ein. Die von „gevas“ erarbeiten Verbesserungsvorschläge beinhalten unter anderem Schutzstreifen, Querungshilfen, Ampeln, Wegweiser und mehrere „Mobilitätsdrehscheiben“ im Stadtgebiet.

Diese im Detail zu diskutieren, so Muttach, werde den Gemeinderat „überfordern“. Dennoch stimmte der Oberbürgermeister am Ende dem von Freien Wählern und Acherner Bürger Liste geäußerten Wunsch nach Vertagung der von der Verwaltung erbetenen Grundsatzentscheidung zu.

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„Wir können die Autos nicht wegzaubern“

Zum Konzept selbst erklärte Muttach, dass er beispielsweise auch offen sei für Fahrradstraßen und die Reduzierung des Höchsttempos auf 30 Kilometer pro Stunde in der Hauptstraße. Außerdem wolle er den Fußgängern mehr Raum geben – beispielsweise durch die Schließung der Wilhelm-Schechter-Straße in Höhe des Rathausplatzes. Gleichzeitig kündigte er verstärkte Kontrollen an Zebrastreifen an, ebenso werde die Stadtpolizei konsequent gegen Gehwegparker vorgehen.

„Wir können die Autos nicht wegzaubern“, ergänzte Muttach. Deshalb müsse die Nordtangente an der Grenze zur Sasbacher Gemarkung kommen, um den Autofahrern aus Richtung Norden Alternativen zu bieten, wenn die Durchfahrt in der Innenstadt tatsächlich erschwert werde.

"Autofahrer sind bevorzugt"

„Das Umsteigen auf das Fahrrad ist uns wichtig“, unterstrich Karl Früh im Namen der CDU. Dazu müssten die Radwege verbessert werden. „Es besteht Handlungsbedarf“, ergänzte Gebhard Glaser (Freie Wähler), „derzeit sind die Autofahrer bevorzugt“. Glaser erinnerte daran, dass die Freie Wähler bereits bei der Debatte über den Masterplan eine erneute Prüfung der von „gevas“ nicht befürworteten Einbahnregelung in der Hauptstraße gefordert hatten.

„Auch Radfahrer wollen zu den Geschäften“, erklärte Glaser mit Blick auf die Haltung der Werbegemeinschaft „Achern aktiv“, die Vorschlägen zur Änderung der Verkehrsregelung in der Hauptstraße bislang ablehnend gegenüber steht.

Fahrradstraße gefordert

„Es wird nicht ohne Temporeduzierung gehen“, erklärte Jutta Römer (ABL). Der Gemeinderat einer Schulstadt müsse sich auch seiner Verantwortung für die Zweiradfahrer bewusst sein.

Für die Grünen empfahl Martin Siffling beim anstehenden Ausbau des Radwegenetzes ein „strategisches Vorgehen“:„Fußgänger und Radfahrer sollten Priorität haben.“ Nach Ansicht Sifflings sollte die Hauptstraße in eine Fahrradstraße verwandelt werden.

"Uns fehlt die große Vision"

Kritik kam von Patrik Schneider (SPD): „Uns fehlt die große Vision.“ In diesem Zusammenhang freute sich Schneider, der bekanntlich eine Seilbahn in Richtung des Nationalparks vorgeschlagen hatte, über Unterstützung durch die Junge Union, die kürzlich in einer Stellungnahme eine ähnliche Idee ins Spiel gebracht hatte.

Hintergrund: Fahrradstraße

Nach der Definition des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) handelt es sich bei einer Fahrradstraße um eine Straße, die für Fahrradfahrer vorgesehen ist. Andere Fahrzeuge als Fahrräder dürfen eine Fahrradstraße nicht befahren, außer es ist durch ein Zusatzzeichen erlaubt. Durch Zusatzzeichen können zum Beispiel nur Anlieger oder generell Personenwagen zugelassen sein. Fahrradfahrern ist es in Fahrradstraßen ausdrücklich erlaubt nebeneinander zu fahren. Sind in der Fahrradstraße auch andere Fahrzeuge als Fahrräder durch Zusatzzeichen zugelassen, haben Fahrradfahrer Vorrang vor dem übrigen Verkehr. Auto- und Motorradfahrer müssen sich dem Radverkehr anpassen. Als Höchstgeschwindigkeit gilt in Fahrradstraßen für alle Tempo 30. Der Radverkehr darf weder gefährdet noch behindert werden. Wenn nötig, muss der Kraftfahrzeugverkehr die Geschwindigkeit weiter verringern. Autos und Motorräder dürfen Fahrradfahrer in der Fahrradstraße überholen, wenn der Sicherheitsabstand eingehalten wird.

In der Fahrradstraße gelten die normalen Vorfahrtsregeln, also rechts vor links, wenn nichts anderes angeordnet ist. Auch in der Fahrradstraße müssen Fußgänger und fahrradfahrende Kinder unter acht Jahren den Gehweg benutzen. mm

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