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Ehemalige Kirche in Kehl wird zum Unverpackt-Laden mit Café

Predigten gibt es in der ehemaligen Martin-Luther-Kirche nicht mehr, ein Ort der Begegnung soll sie aber dennoch bleiben. Der Umbau läuft bereits.

Das Lolo im Village Kehl vlnr: Gründungsmitglieder Gabrielle Zehnle und Birgit Köhl-Tömmes Foto: Karen Christeleit

Aus der entwidmeten Martin-Luther-Kirche in Kehl-Sundheim wird mit dem „Village Kehl“ wieder eine Begegnungsstätte geschaffen. Derzeit haben die Handwerker das Sagen, es wird umgebaut und renoviert - bis Oktober soll alles fertig sein.

„Wir haben hier Angebote, die Körper und Geist Gutes tun“, sagt Bauleiter und Aufsichtsrat Oliver Schäfer im BNN-Gespräch. Während im ehemaligen Gemeindehaus ein Yoga-, Kosmetik- und Fitnessstudio sowie eine Psychologische Arztpraxis einziehen, entstehen im Glockenturm zwei Appartements.

Das Kirchenschiff wird als genossenschaftlich geführter Unverpackt-Laden mit Café als ganzer Raum erlebbar bleiben. „Die alten Buntglasfenster und das Mosaik-Altarbild bleiben erhalten und auf der Empore kann man künftig Kaffee trinken“, freut sich Marketing-Chefin Birgit Köhl-Tömmes. „Oder in der Wissenschaftswerkstatt an Vorträgen und Workshops über Nachhaltigkeit und gesunde Ernährung teilnehmen.“

Einkaufen in der Kirche

Das „Lolo-lose&lokal“ soll umweltbewusstes und lokales Einkaufen ermöglichen. Auf 140 Quadratmetern wird ein Vollsortimenter entstehen, der neben Lebensmitteln auch Körperpflege- und Reinigungsmittel anbietet. „Die Produkte sollen möglichst biologisch und plastikfrei aus der Region kommen“, erklärt Köhl-Tömmes.

Betrieben wird das Lolo von Kehler Bürgern, die sich über den Corona-Winter zusammengefunden und im Februar eine Genossenschaft gegründet haben. Inzwischen hat die Genossenschaft 267 Mitglieder, die bislang 845 Anteile zu je 50 Euro gezeichnet haben. Sie alle eint der Gedanke, die Umwelt und Zukunft nachhaltiger zu gestalten. Eine umfangreiche Marktanalyse hat den Bedarf und den Wunsch vieler Kehler bestätigt.

„Das Lolo ist unser aller Herzensprojekt“, sagt Köhl-Tömmes, „die Pandemie hat gezeigt, dass wir unser Leben und unser Einkaufsverhalten verändern können, wir wollen das Umdenken weiterführen.“ Die Mitglieder haben unterschiedliche Berufe und Ansichten, doch diese Vielfalt bereichere das Projekt.

Die Pandemie hat gezeigt, dass wir unser Leben und unser Einkaufsverhalten verändern können, wir wollen das Umdenken weiterführen.
Birgit Köhl-Tömmes, Marketing-Chefin

„Jedes Mitglied hat eine Stimme“, so die Vorständin, „jeder kann seinen Senf dazugeben, dadurch diskutieren wir zwar oftmals länger, aber das Ergebnis ist ein besseres und wird von allen mitgetragen.“

Dabei kann jeder Mitglied werden, Genossenschaftsanteile erwerben und die Genossenschaft aktiv mitgestalten und damit letztlich dem Projekt mehr Handlungsspielraum geben. Während Schäfer sein BWL-Wissen und die Graphikerin Köhl-Tömmes ihr Marketingwissen einbringen, achtet Gründungsmitglied Gabriele Zehnle auf das ausgewogene Feng-Shui im Außen- und Innenbereich.

Umbau soll Brücken schlagen

„Ein rundes Konzept der Farben, aber auch der verwendeten Materialien ist wichtig“, so Zehnle, die gerade zur Stabilisierung des Geländes als Ruhebereich auf dem angelegten Parkplatz eine Steinsetzung rituell vollzog. „Wir wollen gleichzeitig die Wurzeln ehren und dennoch das Gebäude an die neue Zeit anpassen.“ Dem Vorderbereich, in dem auch der Außenbereich des Cafés entstehen soll, wird sie dagegen mit Wasserspielen Bewegung einhauchen.

„11,7 Millionen Tonnen Plastik verbraucht Deutschland jährlich, nur 15,8 Prozent werden davon recycelt, dabei braucht eine PET-Flasche 450 Jahre bis sie als Mikroplastik verfällt, 2050 wird es mehr Plastik als Lebewesen im Meer geben“, bedauern die Genossen. Sie sind sich einig: „Wir alle wollen uns vor Ort engagieren und ein Zeichen setzen für einen sozial- und umweltverträglichen Konsum, der Genuss, Freude und Gewinn bringt.“

Die Idee soll weiter wachsen, darum werben sie auf Wochenmärkten der Region für ihr Projekt. Am Sonntag, 27. Juni, laden sie Interessierte ein, die Entwicklung des „Village Kehl“ vor Ort zu besichtigen.

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