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Ein seltener Ausbildungsberuf

Für die Seelbacherin Johanna Frey macht der Ton die Musik

Johanna Frey weiß nicht nur, was ein Adagio oder eine Symphonie ist, sondern kennt sich auch mit Hammerköpfen, Tasten oder Pedalen aus. Ihr Spezialgebiet: Das Klavier.

Die frisch ausgelernte Klavierbauerin Johanna Frey arbeitet in der Werkstatt des Klavierhauses Labianca beim Feilen der Hammerköpfe. Foto: Christine Storck

Von unserer Mitarbeiterin Christine Storck

Bei Johanna Frey im Job macht der Ton die Musik. Sie weiß nicht nur, was ein Adagio oder eine Symphonie ist, sondern kennt sich auch mit Hammerköpfen, Tasten oder Pedalen aus. Ihr Spezialgebiet: Das Klavier. Die 24-Jährige aus Seelbach hat im Offenburger Klavierhaus Labianca einen seltenen Ausbildungsberuf gelernt, der pro Jahr deutschlandweit nur rund 40 Absolventen hervorbringt.

In der Werkstatt riecht es nach Politur und Holz. Dicht aneinander gedrängt stehen Klaviere, Flügel, teils unter Plastik verborgen, teils mit offener Haube. An den Wänden hängen Maschinen und Arbeitsgeräte, von irgendwoher ertönen leise Pianoklänge. Hier, zwischen Musik und Schleifpapier, befindet sich der Arbeitsplatz von Johanna Frey.

Die 24-Jährige aus Seelbach hält seit wenigen Wochen den lang ersehnten Gesellenbrief als Klavier- und Cembalobauerin Fachrichtung Klavierbau in den Händen. Dreieinhalb Jahre hat sie auf diesen Moment hingearbeitet. Jetzt darf sie ihre Tage als ausgelernte Fachkraft mit dem verbringen, was ihr besonders am Herzen liegt: der Verbindung von Tönen, Holz und Kreativität.

Das Gehör wird erst durch Erfahrung geschult
Johanna Frey, Klavierbauerin

Eine Arbeit, die einiges abverlangt. „Beim Stimmen ist neben Musikalität auch viel Geduld nötig. Das Gehör wird nämlich erst durch Erfahrung geschult. Das kann man nicht vom ersten Tag wie ein Profi“, erklärt sie. Genauso sei es beim Einstellen der Mechanik an einem Instrument, die besondere Präzision erfordert, wenn die Töne später stimmen sollen. Beim Bearbeiten von Holzgehäusen müssen hingegen auch mal schwere Maschinen gehoben und bedient werden.

„Ohne Liebe zum Detail funktioniert das nicht. Aber das finde ich prima, denn so kann man seinen Hang zur Perfektion ausleben“, sagt sie und lacht. Im KIavier sei jedes noch so kleine Teil wichtig, um dem Instrument beim Spielen die schönste Musik zu entlocken und die Wünsche des Kunden zu erfüllen, der sich oft einen ganz bestimmten Klang wünscht. Jedes Instrument sei zudem anders, auch wenn es vom selben Hersteller kommt. „Mit Handgriffen von der Stange kommt man da nicht weit. Es sind ständig andere Lösungsansätze nötig“, sagt sie.

Gestimmt werde entweder zu Hause beim Kunden oder in der Werkstatt nach einer Reparatur. Dort kümmern sich Frey und ihre Klavierbau-Kollegen auch um alles andere rund um Reparatur und Restaurierung. Es werden Hämmer abgezogen, Stimmstöcke gewechselt, Dämpferfilze erneuert, Tastenbeläge geschliffen oder Oberflächen poliert.

Mir gefallen vor allem alte Klaviere mit besonderen Oberflächen .
Johanna Frey, Klavierbauerin

„Mir gefallen vor allem alte Klaviere mit besonderen Oberflächen und schönem Gehäuse. Wenn man sieht, wie aus einem alten Instrument etwas Neues entsteht, ist das ein toller Moment“, sagt Johanna Frey.

Der Klavierbau von Grund auf, wie es der Name des Berufs vermuten lässt, steht in ihrem ehemaligen Ausbildungsbetrieb Labianca, der sie jetzt übernommen hat, allerdings nicht im Fokus. „Die Klavierbauer lernen das natürlich, aber wir sind keine Manufaktur“, sagt Chefin Katrin Labianca. Das seit 1998 bestehende Offenburger Klavierhaus ist stattdessen auf Verkauf und Beratung, Restaurierung oder Reparatur spezialisiert.

Johanna Frey fühlte sich schon als Kind gleichermaßen zu Holz und Musik hingezogen. Sie genoss es, ihrem Vater in der heimischen Werkstatt über die Schulter zu schauen, zu Weihnachten Sterne auszusägen oder bei Reparaturarbeiten zu helfen. Ab ihrem sechsten Lebensjahr lernte sie Geige und besuchte später das Musikprofil am Clara-Schumann-Gymnasium in Lahr, wo sie Abitur machte. Seit der siebten Klasse nahm sie auch Klavierunterricht.

An den Beruf Musikerin dachte sie dabei jedoch nicht. „Ich hatte große Lust auf das Handwerk“, erinnert sie sich. Es dauerte allerdings noch etwa ein Jahr, bis sie bei einem Praktikum im Hause Labianca feststellte, dass der Klavierbau genau ihr Ding war. „Ich durfte viel machen und habe Einblick bekommen“, sagt sie.

Für ihre berufliche Zukunft hat Frey noch keine konkreten Pläne. Vielleicht eines Tages die Meisterprüfung ablegen, mal ins Ausland gehen oder auch andere Betriebe von innen kennenlernen - die Möglichkeiten seien vielfältig. „Jetzt arbeite ich erstmal und lerne weiter dazu. Nur, weil ich jetzt Gesellin bin, heißt das ja nicht, dass ich alles weiß“, gibt sich die junge Frau bescheiden.

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