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Geheime Abstimmung

Gegen Rechts: Gemeinderat Kuppenheim stimmt für die Errichtung eines Mahnmals

129 Stolpersteine sollen bis Ende 2024 in Kuppenheim liegen. Verlegt werden sollen sie auch gegen den Willen eines Hauseigentümers.

Im Jahre 1999 wurde der Platz, auf dem einst die Synagoge stand, umgestaltet und in Synagogenplatz umbenannt. Foto: Anne-Rose Gangl

Klar und deutlich waren die Botschaften, die der Kuppenheimer Gemeinderates in seiner öffentlichen Sitzung am Montagabend verkündete. Jegliche Form von Rassismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung wird verurteilt.

Hass, Beleidigungen und Diffamierungen sollen in der Stadt Kuppenheim keinen Platz haben. Einvernehmlich ausgesprochen hat sich das Gremium für die Verlegung weiterer Stolpersteine sowie die Errichtung eines Mahnmals zum Gedenken an alle Bürger, die unter Unterdrückung und Verfolgung des NS-Regimes gelitten haben.

Seit Jahrzehnten engagieren sich die Stadt Kuppenheim, aber auch Vereine und Vereinigungen wie der Historische Verein, die KJG und der Arbeitskreis Stolpersteine dafür, an Verbrechen des nationalsozialistischen Unrechtsstaates und das Schicksal der jüdischen Bürgerinnen und Bürger zu erinnern.

Ausstellungen, die Gestaltung des Synagogenplatzes, Führungen auf dem jüdischen Friedhof und nicht zuletzt die Verlegung von Stolpersteinen tragen dazu bei, diese Taten und das Leid ihrer Opfer nicht zu vergessen. Am 16. November 2009 hatte der Gemeinderat einstimmig der Verlegung von acht Stolpersteinen zugestimmt, weitere 60 wurden in den Folgejahren verlegt.

Bürgermeister, Gemeinderäte und Vereine werden beleidigt

Wie Bürgermeister Karsten Mußler am Montagabend betonte, seien diese Verlegungen weit über den einstigen Gemeinderatsbeschluss hinaus und stets mit der Zustimmung der Grundstückeigentümer erfolgt.

Dicke Steinbrocken wurden in den vergangenen Jahren von einem Mitglied des AK Stolpersteine in das Getriebe der aktiven und beherzten Erinnerungsarbeit geworfen. Beleidigungen und Diffamierungen gegenüber Gemeinderäten, Bürgermeister und Vereinsvertretern machten die Runde, für die sich Heinz Wolf, Vorsitzender des AK Stolpersteine, noch vor Eintritt in den Tagesordnungspunkt auf entgegenkommende Genehmigung des Bürgermeisters zu entschuldigen versuchte.

Gemeinderat verzichtet auf die Einwilligung eines Hauseigentümers

Man habe stets den Eindruck gehabt, dass die persönlichen Interessen mehr im Vordergrund gestanden hätten, als das eigentliche Thema, sagte Bürgermeister Karsten Mußler, der sich schon viel früher eine klare Distanzierung gewünscht hätte. „Ich wünsche mir, dass nach dem heutigen Abend die eigene Interessen zurückgestellt und sich mehr der Sache angenommen wird“, so Mußler, der die öffentliche Aussprache im Rahmen der Gemeinderatssitzung als wichtig und richtig bezeichnete.

Einvernehmlich sprach sich das Ratsgremium dafür aus, weitere Stolpersteine zu verlegen, die auch die Familien im Gedenken wieder zusammenführen. Es lägen somit bis Ende 2024 insgesamt 129 Stolpersteine in Kuppenheim.

In geheimer Abstimmung sprach sich der Gemeinderat mehrheitlich mit sieben Gegenstimmen dafür aus, auf die Einwilligung eines Hauseigentümers zu verzichten. Alle anderen hatten ihr Einverständnis bereits erteilt. Weiterhin wurde beschlossen, das Schicksal der beiden Opfer Arnold Roos und Heinrich Ridinger von einem anerkannten Historiker aufarbeiten zu lassen.

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