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Führung entlang der B36?

Verlauf des Radschnellweges von Karlsruhe nach Rastatt nimmt Formen an

Der perfekte Trasse für einen Radschnellweg von Karlsruhe nach Rastatt liegt außerhalb der Ortschaften. Die Kommunen Ötigheim, Bietigheim, Durmersheim und Rheinstetten ziehen nun an einem Strang. Können Radfahrer schon bald fast kreuzungsfrei zwischen Karlsruhe und Rastatt pendeln?

Wie am Lineal gezogen: Künftig könnten unter dieser Brücke in Durmersheim Radpendler kreuzungsfrei nach Rastatt oder Karlsruhe fahren. Foto: Hans-Jürgen Collet.

Die perfekte Radschnell-Route von Karlsruhe nach Rastatt existiert bereits. Sie führt entlang der Bahn-Neubaustrecke, parallel zur Bundesstraße 36. Dieser Meinung sind zumindest die Vertreter der angrenzenden Kommunen. Damit erteilen sie der RVMO-Studie, die eine Route durch die Dörfer führt, eine klare Absage. Die Idee für diese Trassenvariante hatten die beiden Kreisverbände Baden-Baden/Rastatt und Karlsruhe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs.

Beim Ortstermin am Donnerstag mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Alexander Becker in Durmersheim und ADFC-Vertretern sprechen sich vier Bürgermeister für die sogenannte Ost-Variante entlang der Bahnstrecke aus. Im Gepäck haben sie die positiven Beschlüsse der Gemeinderäte aus Ötigheim, Bietigheim, Durmersheim und Rheinstetten. Die Entscheidungen sind in nicht-öffentlichen Sitzungen gefallen.

Kommunen ziehen über Kreisgrenze hinweg an einem Strang

„Diese Strecke ist sehr realistisch“, sagt Becker. Er bewertet es als positiv, dass die angrenzenden Kommunen über Kreisgrenzen hinweg an einem Strang ziehen und sich für diese Trassenvariante aussprechen. Becker lobte die interkommunale Zusammenarbeit.

Das Land Baden-Württemberg möchte laut Mobilitätsstudie den Anteil des Radverkehrs in den nächsten zehn Jahren auf bis zu 20 Prozent steigern. „Dafür braucht es aber die passende Infrastruktur. Die wollen wir schaffen“, sagt der Landtagsabgeordnete. Er ist davon überzeugt, dass der Radschnellweg zwischen Rastatt und Karlsruhe auf dieser Trasse viele Berufspendler vom Auto in den Sattel umsteigen lässt.

Einzelne Abschnitte könnten in drei bis vier Jahren existieren

Einzelne Abschnitte des Radschnellweges könnten schon in drei bis vier Jahren existieren. „Normalerweise dauert so ein Verfahren drei bis fünf Jahren“, sagt Becker. Da die betroffenen Akteure an einem Strang ziehen, könne das Verfahren hoffentlich zügiger vorangehen. Bei diesem Projekt federführend wäre das Regierungspräsidium Karlsruhe.

Der Radschnellweg wäre kreuzungsfrei. Das ist es, was diese Trasse so wertvoll macht.
Moritz Dekorsy, ADFC-Kreisverband Karlsruhe

„Der Radschnellweg wäre fast kreuzungsfrei. Das ist es, was diese Trasse so wertvoll macht“, erklärt Moritz Dekorsy vom ADFC-Kreisverband Karlsruhe. Die Trasse sei ein Geschenk, das alle Beteiligten annehmen sollten. Ein weiterer Vorteil dieser Route ist laut Dekorsy, dass sie abgekoppelt vom normalen Verkehr ist. Auto- und Radfahrer hätten keine Berührungspunkte. „So kann es auch zu keinen Unfällen kommen“, sagt Dekorsy.

Die Ost-Variante des möglichen Radschnellwegs zwischen Rastatt und Karlsruhe. Foto: BNN-Grafik

Auch Ralph Neininger, Vorsitzender ADFC-Kreisverband Baden-Baden/Rastatt weist auf die Vorteile dieser Route hin. Alle nötigen Brückenunterführungen würden bereits existieren. „Das würde die Vision Zero, also keine Verkehrstoten unter Radfahrern, voranbringen“, erklärt Neininger. Er weist darauf hin, dass im vergangenen Jahr drei Radfahrer außerorts in Kreuzungsbereichen zu Tode kamen.

Ich bin überzeugt, dass einige dadurch weg vom Auto und rauf aufs Rad finden.
Frank Kiefer, Bürgermeister Ötigheim

Ötigheims Bürgermeister Frank Kiefer freut sich, dass das Land vorweg geht. „Diese wachsende Region braucht einen Radschnellweg“, sagt er. Die Ost-Variante sei zukunftssicher. „Ich bin überzeugt, dass einige dadurch weg vom Auto und rauf aufs Rad finden“, meint Kiefer. Der Gemeinderat würde die Entscheidung für die Ost-Variante voll mittragen. Mit seinem Votum habe ihm das Gremium den Auftrag gegeben, diesen Trassenverlauf weiter zu verfolgen. Sein Bietigheimer Amtskollege Constantin Braun sagt: „Auch wir stehen voll hinter der Empfehlung der Ost-Variante.“

Korridor durch Dörfer nicht akzeptabel

In Durmersheim sind die Verantwortlichen davon überzeugt, dass ein Korridor durch die Dörfer nicht akzeptabel ist. Damit spielt der Bürgermeister-Stellvertreter Werner Hermann auf das Gutachten des Regionalverbandes Mittlerer Oberrhein an. Dort wird ein Radschnellweg durch die Dörfer geführt.

„Es ist wichtig, dass dieses Projekt gleich über die Kreisgrenzen hinweg angegangen wird“, sagt Sebastian Schrempp, Oberbürgermeister der Stadt Rheinstetten. Er betont, dass Berufspendler im Auto immer den direkten Weg suchen. Das gelte auch für radfahrende Pendler, die ohne Umwege an ihre Arbeitsstelle gelangen wollen.

Das Regierungspräsidium Karlsruhe (RPK) kann beim derzeitigen Planungsstand keine validen Aussagen zur genauen Streckenführung machen „Erst in der 2021 anstehenden Vorplanung werden bei der Variantenuntersuchung genauere mögliche Trassenvarianten erarbeitet und anhand verschiedener Kriterien beurteilt und abgewogen“, sagt RPK-Sprecherin Irene Feilhauer. Anschließend werde voraussichtlich Ende 2021 eine Vorzugstrasse festgelegt. Aktuell steht laut Feilhauer noch die Unterzeichnung der Planungsvereinbarung aus. Dazu sei ein Termin Ende November vorgesehen gewesen, der aber aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnte.

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