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Der Vorhang hebt sich im Internet

Theater Baden-Baden zeigt „Stadt Land Oos“ als virtuelle Premiere

Gemeinsam ins Theater – das geht derzeit nicht. Das Theater Baden-Baden lädt bei seinem Online-Stück „Stadt Land Oos“ zum gemeinsamen Anschauen – durch feste Streamingzeiten.

Per Video auf der Bühne dabei: Die Bürgerinnen und Bürger, aus deren Statements das Stück „Stadt Land Oos" entstand, werden in die Aufführung eingebunden. Foto: Jochen Klenk

In diesen Zeiten eine Theaterpremiere? Ja und nein. Zwar gibt es an diesem Samstag erstmals die Neuproduktion „Stadt Land Oos“ des Theaters Baden-Baden zu sehen. Aber nicht im Theater, sondern per Videostream.

Der Film hierzu wurde zwar schon aufgezeichnet, die Präsentation soll trotzdem den Charakter einer Aufführung haben.

Es geht auch darum, ein gemeinsames Erleben zu ermöglichen.
Michael Uhl, Regisseur und Autor

„Die Aufführung wird nicht in eine Mediathek gestellt, wo sie jederzeit abrufbar ist, sondern sie läuft zu genau der Zeit, zu der wir eigentlich im Theater spielen würden“, erklärt der Regisseur und Autor Michael Uhl. „Es geht nicht nur darum, die Aufführung zu zeigen, sondern auch darum, ein gemeinsames Erleben zu ermöglichen – soweit das derzeit überhaupt geht.“

Das passt zum Thema des Stücks, denn „Stadt Land Oos“ ist eine Auftragsproduktion zum Spielzeitmotto „Zusammenhalt“. Das „Wir“ steht dabei im Mittelpunkt – aber auch die Frage, wie ein „Wir“ überhaupt entsteht.

Hierzu hat Uhl wie schon bei seiner Produktion „Welterben“ am Ende der Saison 2018/19 Interviews mit Bürgerinnen und Bürgern aus Baden-Baden geführt, aus deren Aussagen dann der Stücktext entstand. „Das Spannende bei solchen Recherchestücken ist auch, dass man mit einer Eingangsfrage beginnt, im Gespräch dann aber oft auf Gott und die Welt kommt – aus den sehr unterschiedlichen Perspektiven der Beteiligten.“

Konzept wegen Corona geändert

In der ursprünglichen Konzeption hätten die 13 Befragten auf der Bühne mitgewirkt. Geplant war ein großes partizipatives Ereignis mit Schauspielensemble, Bürgern und Musik. Doch schon während des ersten Corona-Lockdowns hatte Uhl hier nachjustiert.

„Wir haben uns früh entschieden, eine künstlerische Form zu suchen, die nicht so abhängig ist vom Verlauf der Pandemie und den behördlichen Vorgaben.“

Daher werden die Bürgerinnen und Bürger jetzt per Video ins Bühnengeschehen geholt, während auf der Bühne vier Ensemblemitglieder agieren. Nebeneffekt dieser Entscheidung: „Dadurch sind die Inhalte komprimierter als wenn man alles auf der Bühne spielen würde“, sagt Uhl. „Die Aufführung dauert jetzt zwar nur 65 Minuten, ist aber ziemlich gehaltvoll.“

Wobei man darauf geachtet habe, das Ganze nicht zu schwer daherkommen zu lassen: „Wichtig war mir immer der spielerische Ansatz. Das wird man auch am Anfang sehen, wenn die Darsteller sich wie Einzeller aus einer Ursuppe herausschälen und wir gewissermaßen im Schnelldurchlauf die Geschichte zum Bewusstsein von Identität und Gemeinschaft durchspielen.“

Service

Termine: 12., 18., 19., 22. Dezember, je 20 Uhr. 13. Dezember, 19 Uhr; 20. Dezember, 15 Uhr. Zugang über die Plattform www.spectyou.com, vorab ist eine Registrierung mit Name, Wohnort und Mailadresse nötig. www.theater.baden-baden.de

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