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Wegen Corona-Krise

Verlieren Karlsruher am Springbrunnen die Distanz? Warum die Wasserspiele aus bleiben

In Karlsruhe bleiben die Brunnenbecken trocken. Wegen der Corona-Krise lässt das Gartenbauamt das Wasser nicht anstellen. Man will in den kommenden Sonnentagen keine Attraktionen schaffen, damit die Bürger wegen der Pandemie auf Abstand bleiben.

AM BRUNNEN IN DER STADT spiegelt sich die Sonne nicht im Wasser. In diesem Frühling mit Corona müssen die Karlsruher die erquickliche Attraktion wie auf dem Foto am Haydnplatz in der Weststadt entbehren. Foto: jodo

Am Haydnplatz zum Beispiel blinken die Wasserrohre im nackten Becken. Immerhin nutzt es ein Bürger zum Sonnenbaden. Er scheint wie die tragischen Gestalten Orpheus und Eurydike, die von Emil Sutor geschaffenen Brunnenfiguren, in diesem Frühling zur Distanz verurteilt.

STEPHANIE steht seit 1905 im Brunnen hinter der Postgalerie, In diesem Frühjahr kann sie nicht aus dem vollen schöpfen, Foto: jodo

Ähnlich geht es der übermannsgroßen Wasserschöpferin Stephanie im großen Brunnen zwischen den Marktständen auf dem Stephanplatz. Sie steht im Trockenen, nur die Fratzen der in Stein gemeißelten Honoratioren feixen im Kreis um die Schöne wie seit über 115 Jahren.

Kein Düsenbetrieb an der Pyramide

Auch aus der von vielen Kindsköpfen ersehnten Abkühlung auf dem heiß diskutierten neuen Marktplatzpflaster wird vorerst nichts. Die 31 Fontänen im Düsenfeld an der Pyramide werden zu Ostern nicht spritzen.

An allen rund 130 öffentlichen Brunnen fließt nichts. Einige Wasserspiele, etwa die um den Entenfänger von Mühlburg oder die um die Nymphen im Garten hinter dem Naturkundemuseum, wären allerdings wegen schon sehr lange nicht behobener Defekte ohnehin erneut nicht angestellt worden.

„Wir haben die Inbetriebnahme der Brunnen wegen der Corona-Krise gestoppt“, bestätigt Klaus Weindel, Vizechef des Gartenbauamts. Zwei Gründe nennt er, die zu diesem Schritt zwängen. Ausgerechnet die Beliebtheit der Brunnen bei den Bürgern gräbt ihnen im Frühling 2020 das Wasser ab. „Es ist ihre Attraktivität“, sagt Weindel.

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Die Wasserspiele zögen die Menschen in der warmen Aprilsonne magisch an. Genau dies aber versucht die Politik von Bund, Land und Stadt zu verhindern. Denn an sprudelnden Brunnen würden die Karlsruher die Distanz verlieren – und das Virus könnte überspringen.

Stadtwerker haben jetzt anderes zu tun

Als zweites Argument gegen das traditionelle Anstellen der Brunnen im April führt Weindel die Überlastung der Stadtwerke an. Deren Techniker starten und warten die Wasseranlagen im Auftrag des Gartenbauamts. „Die Fachleute der Stadtwerke stehen uns jetzt aber nur bedingt zur Verfügung“, erklärt er.

Sie seien dem „systemrelevanten Bereich“ in der Krise zugeordnet und damit für „besondere Schutzvorkehrungen“ vorgesehen, deshalb habe man ihre Tätigkeit an den Brunnen zurückgestellt, berichtet Weindel.

Den wenigen Brunnen wie der Fontänenreihe am Eingang zu Stadtgarten und Zoo beim Bahnhofplatz, die bereits Ende März liefen, hat man das Wasser wieder abgestellt.

Reparatur nicht im Griff

Die BNN berichteten mehrfach, dass die Stadtverwaltung zum Leidwesen vieler ihre Brunnen liebender Bürger das Sanierungsproblem nicht in den Griff bekommt. Seit Jahren ist eine Fachstelle nicht besetzt. Auch deshalb kommt man mit dem Reparieren der historischen Anlagen kaum hinterher.

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