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Erstmals Saisonstart als Cheftrainer

Für Eichner beginnt beim KSC die nächste Reifeprüfung

Als Trainer hat Christian Eichner bislang eine steile Karriere hingelegt. Nun geht er erstmals als Cheftrainer in eine Saison. Die Nähe zu den Spielern will er sich dennoch nicht nehmen lassen.

Neue Rolle in vertrauter Umgebung: Christian Eichner startet beim Karlsruher SC erstmals als Cheftrainer in eine Saison. Foto: Helge Prang/GES

Um eine Antwort ist Christian Eichner selten verlegen. Manchmal sprudeln die Worte geradezu aus ihm heraus, manchmal wählt er sie mit Bedacht. Dass seine Wurzeln im Badischen liegen, ist dabei kaum überhörbar.

Bei der Frage, wie ihn denn seine Spieler ansprechen, muss allerdings auch der Trainer des Karlsruher SC kurz nachdenken. „Ich glaube, manche Neuzugänge siezen mich noch“, sagt Eichner dann. Das würden die aber schnell ablegen, schätzt der 37-Jährige.

Eichner der Lehrer: ausgebildet in Ethik, Geographie und Mathematik

Du oder Sie – das sei für ihn ohnehin nicht so wichtig. „Das Auftreten vor der Mannschaft entscheidet über die Autorität“, betont Eichner, der am Samstag erstmals als Cheftrainer in eine Saison mit dem KSC startet.

Eine Gruppe anleiten, diese führen und motivieren, das gehört für Eichner zum Handwerkszeug – nicht nur auf dem Platz. Der gebürtige Sinsheimer hat Lehramt studiert: Ethik, Geographie, Mathematik. Vielleicht spricht er auch deshalb immer mal wieder von Wahrscheinlichkeiten. Die Chance auf Erfolg sei hoch, sagt er etwa, „wenn die Jungs jeden Tag gerne ins Training kommen“.

Die Nähe zur Mannschaft, die werde ich mir nie nehmen lassen.
KSC-Cheftrainer Christian Eichner

Den Gute-Laune-Onkel will „Eiche“ deshalb aber nicht geben. „Die Jungs kennen mich. Die wissen, dass ich auch mal ein anderes Gesicht zeigen kann.“ Eines ist ihm aber wichtig: „Die Nähe zur Mannschaft, die werde ich mir nie nehmen lassen.“

Seit gut sieben Monaten hat Eichner beim KSC das Sagen, seit Anfang Juli darf er sich auch ganz offiziell Cheftrainer nennen, damals unterzeichnete er das entsprechende Arbeitspapier. „Das ist schon alles verrückt gewesen, wie schnell das gegangen ist“, sagt der frühere Abwehrspieler rückblickend. Es ist der 3. Februar 2020, als Alois Schwartz von seinen Aufgaben als KSC-Coach entbunden wird. Dessen bisheriger Assistent Eichner übernimmt. Für wie lange, das weiß damals keiner.

Nach Corona-Ausnahmezustand ist die Normalität zurückgekehrt

Dann kommt Corona und der KSC hat vorerst ganz andere Sorgen. Aus dem sportlichen wird ein finanzieller Überlebenskampf. Als der Ball wieder rollt, geht auf dem Platz das große Zittern weiter. Das Happy End in Fürth liefert den KSC-Verantwortlichen schließlich wohl das entscheidende Argument für eine Weiterbeschäftigung Eichners.

Mit Normalität hatten dessen erste Wochen an der Seitenlinie wenig zu tun, im Wildpark herrschte nicht nur wegen Corona Ausnahmezustand. Und so ist der Zweitliga-Auftakt am kommenden Samstag (13 Uhr) bei Hannover 96 für Eichner auch eine Art Neuanfang. Die Zeit des Zittern, des Hoffens, des Bangens, die ist erst einmal vorbei. Geht es nach Eichner, soll das Thema Abstiegskampf am besten bis zum 23. Mai 2021 nicht akut werden. Dann wird abgerechnet. Schon die Vorbereitung sei ganz anders gewesen als die Einheiten in der wohl komischsten Rückrunde aller Zeiten. „Man musste nicht bestimmte Sachen durchpauken, konnte mal länger am gleichen Thema arbeiten“, erklärt Eichner. Dass im Pokal gegen Union Berlin manches davon sichtbar wurde, habe ihn gefreut.

Über Karlsruhe nach Hoffenheim, Köln und zurück

Mathelehrer Eichner weiß aber auch, dass ab Samstag letztlich nur die nackten Zahlen entscheidend sind. Von einer gelungenen Vorbereitung können sich er und seine Spieler nichts kaufen, schon gar keine Punkte. „Das war ja alles schön und gut, aber jetzt geht’s um Ergebnisse“, sagt Eichner, für den die nächste Reifeprüfung beginnt. Der glaubt aber auch zu spüren, dass für die Menschen rund um den Wildpark noch etwas anderes bedeutsam ist. Etwas, das sich nur bedingt am Tabellenbild ablesen lässt. „Den Leuten ist wichtig, dass die Mannschaft für etwas steht. Und mir im Übrigen auch.“

Auch Eichner stand in seiner aktiven Laufbahn für bestimmte Werte: Fleiß, Professionalität, Bodenständigkeit. Mit dem Kicken fing er einst beim FVS Sulzfeld an, wechselte noch in der Jugend zum KSC, bei dem er über die zweite Mannschaft den Sprung zu den Profis schaffte. 2007 folgte unter Trainer Edmund Becker der Aufstieg in die Bundesliga, wo Eichner später auch noch für die TSG Hoffenheim und den 1. FC Köln auflief. Becker war es dann auch, der seinen einstigen Schützling 2016 zurück in den Wildpark holte – als Co-Trainer der U17. Nicht einmal ein Jahr später war Eichner unter Marc-Patrick Meister Assistent bei den Profis. Seit Februar ist er Chef.

Irgendwann wäre es schon schön, wenn die Spiele samstags um 15.30 Uhr angepfiffen werden.
KSC-Cheftrainer Christian Eichner

Eine steile Karriere, die der Vater einer Tochter so nie geplant hatte. „Das war nie das ganz klare Ziel“, erklärt Eichner. Auch als Spieler sei das ähnlich gewesen: „Da wollte ich auch nicht mit jeder Faser meines Körpers Profifußballer werden.“ Geklappt hat es dennoch – 139 Erstliga-Einsätze inklusive. Und so ist damit zu rechnen, dass auch der Trainer Eichner seinen Weg weitergeht. Wohin? „Irgendwann wäre es schon schön, wenn die Spiele samstags um 15.30 Uhr angepfiffen werden“, hat er die Bundesliga vage im Hinterkopf, aber: „Im Fußball kann man nie vorhersagen, was morgen oder übermorgen ist.“

Und sollte Eichners Zeit im Fußballbusiness irgendwann vorüber sein, kann er sich vorstellen, ins Klassenzimmer zurückzukehren. Ein toller Job sei das, findet Eichner. Und manchmal kommt der Lehrer in ihm schon jetzt durch. „Das kriege ich dann aber schon gesagt.“

KSC
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