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Kölmel, Catererer, Stroh-Engel

Verantwortliche des KSC im Kreuzverhör

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„Feuer frei. Jeder, der Fragen hat, soll sie stellen können!“ So eröffnete Ingo Wellenreuther in seiner Eigenschaft als Präsident des Karlsruher SC die Abendveranstaltung im Clubhaus des Fußball-Drittligisten.

Etwa 180 Anhänger hatten die Einladung angenommen, um dem Vereinschef, seinen Vorstandskollegen Günther Pilarsky und Holger Siegmund-Schultze oder dem Sportdirektor Oliver Kreuzer auf den Zahn zu fühlen. Auch Geschäftsführer Michael Becker stellte sich auf dem Podium für Fragen zur Verfügung. Dort wurde reichlich Bekanntes und auch von den Badischen Neuesten Nachrichten längst Berichtetes wiederholt beziehungsweise erneut bestätigt. Doch auch manches, das tiefer blicken ließ. kam dabei zur Sprache. Die Badischen Neuesten Nachrichten dokumentieren eine Auswahl wesentlicher Fragestellungen und die dazu gehörigen Antworten der KSC-Verantwortlichen. „Feuer frei, also“.

Der Vertrag mit dem Rechtehändler Michael Kölmel kann in diesem Jahr abgelöst werden. Gibt es Bestrebungen, das zu tun und, wenn ja, wie könnte das finanziell aussehen?

Michael Becker (KSC-Geschäftsführer): 21 Millionen Euro müssen insgesamt bezahlt werden. Zirka 8,5 haben wir bezahlt. 12,5 sind noch übrig und wir könnten im Sommer gegen eine Zahlung von 8,5 Millionen raus. Die Ersparnis läge jetzt bei 3,8 Millionen. Die Ausstiegsklausel ist jedes Jahr da. Ob wir aussteigen oder nicht,  ist auch relevant in welcher Liga wir spielen. Wir sind seit einem Jahr mit Herrn Kölmel im stetigen Kontakt und werden den Kontakt intensivieren und schauen was für eine Lösung wir finden.

Warum wurden keine Rücklagen gebildet, obwohl das Datum doch bekannt war?

Ingo Wellenreuther (KSC-Präsident): Jetzt könnte ich badisch sagen, können vor Lachen. Wir haben die letzten Jahre in der Zweiten Liga rund 800.000 Euro an Herrn Kölmel bezahlt. Die letzten Jahre war es nicht so einfach die Lizenz zu bekommen. Um nicht zu sagen:

Wir haben Klimmzüge machen müssen, dass es gerade so gekracht hat.

Wir hätten gern jedes Jahr eine Million zur Seite gelegt, aber die musst du erstmal haben. Wir müssen aber auch eine Mannschaft haben, die aufsteigt oder nicht absteigt. Rücklagen kannst du dann bilden, wenn du Gewinne machst. Heißt aber nicht, dass ein Ausstieg unmöglich ist. Es wird geprüft. Wir müssen nicht im Sommer die 8,5 Million zahlen, aber wir dürfen jetzt jedes Jahr.

Das Stadion – wirklich Allheilmittel?

Schiebt der KSC seine Schulden nicht einfach nur vor sich her?

Günther Pilarsky (KSC-Vizepräsident und wichtiger Kreditgeber): Anfangen können wir, wenn wir ein neues Stadion haben. Wenn wir vor fünf oder zehn Jahren ein neues Stadion bekommen hätten, hätten wir jedes Jahr zwei bis drei Millionen mehr eingenommen und das fehlt uns halt jedes Jahr.

Einwand: Dass das Stadion kein Allheilmittel sei, sehe man bei anderen Vereinen…

Becker: Ja, es ist kein Allheilmittel für alles – aber wir tun uns mit dem Stadion schon schwer mit den Einnahmen. Aber es hätte sicher zur Rücklage geführt

Wie sind die Pläne des aktuellen Vorstands mit Blick auf die im Herbst 2019 anstehenden Neuwahlen. Wer tritt an, wird es ein Team geben oder würde jemand auch einzeln antreten?

Wellenreuther: Ich sag es mal von unserer Seite insgesamt: Kopfschmerztabletten nimmt man erst, wenn man Kopfschmerzen hat. Wir haben momentan zwei Riesenthemen. Das eine heißt Stadion, da haben wir nach zig Jahren den Durchbruch geschafft, ein Quantensprung. Und das zweite Riesenthema ist der 18. Mai 2019, der letzte Spieltag. Danach reden wir nochmal drüber.

Alles rund um das alte und neue Wildparkstadion im Dossier.

„Vision Wildpark“

Laut dem Bauunternehmen BAM Sports soll das neue Wildparkstadion aussehen wie in dieser Grafik.
Laut dem Bauunternehmen BAM Sports soll das neue Wildparkstadion aussehen wie in dieser Grafik. | Foto: BAM Sports

Wie ist der Sachstand bei der geplanten Geländeübernahme von Germania Karlsruhe?

Becker: Das mit der Germania zieht sich mehrere Jahre. Es sieht sehr gut aus. Wir sind unmittelbar vor dem Abschluss. Ich denke, dass wir da in der nächsten Woche Vollzug melden können. Natürlich haben wir uns Gedanken gemacht, was mit dem Gelände passiert. Stichwort ist „Vision Wildpark“. Kurzfristig werden eventuell die Plätze ertüchtigt, damit man darauf trainieren kann. In dem Konzept „Vision Wildpark“ ist ein neues Funktionsgebäude vorgesehen für das Nachwuchsleistungszentrum und da soll idealerweise das Internat integriert werden.

Wellenreuther: Das Gelände Germania und der Streifen, wo das Parkhaus hinkommen soll, war elementare Bedingung dafür, dass wir hier überhaupt ein neues Stadion hinkriegen.

Wie sieht man in der Clubspitze die sportliche Vision des Vereins?

Wellenreuther: Wir wollen in fünf Jahren ein stabiler Zweitligist sein und bereit sein im Verein, dass wir auch aufsteigen können.

Oliver Kreuzer (Sportdirektor): Wenn man sieht, wo wir stehen, ist es ganz normal, dass die Mannschaft vom Aufstieg träumt, und dass es in gewisser Weise ein ganz klares Ziel von uns ist. Nur wir warnen gerne davor, zu euphorisch zu sein – weil wir genau wissen, was in der Liga passieren kann. Du musst jedes Spiel hochkonzentriert angehen.

Wellenreuther: Oliver Kreuzer sagte, wir würden uns gerne um einen Platz verbessern. Wir sind bescheidener und sagen, den zweiten wollen wir verteidigen. Ich weiß nicht, wer im Saal wieder eine Relegation braucht. Ich brauche sie nicht.

Visionen und Erinnerungen: Das BNN-Dossier zu 25 Jahre Valencia.

Stroh-Engel soll gehen

Die Stürmer Dominik Stroh-Engel und Anton Fink (von links). | Foto: Hora

Wie sehen bei Aufstieg die Planungen hinsichtlich der Spieler aus und gibt es einen Plan B?

Kreuzer: Es ist richtig, dass einige Spielerverträge bei Nichtaufstieg auslaufen. Wir befinden uns seit längerer Zeit in Gesprächen mit diesen Spielern. Ich glaube, dass da vordergründig keine größeren Probleme entstehen. Jeder einzelne Spieler hat das Ziel Aufstieg. Ich glaube nicht, dass wir einen Spieler in der Mannschaft haben, der im Kopf hat: „Hoppla, was passiert, wenn wir nicht aufsteigen und der Vertrag läuft aus.“ Die Planungen laufen zweigleisig. Wir sind momentan dabei, mit dem Präsidium und mit Michael Becker ein Budget auf die Beine zu stellen, dass uns wieder die Möglichkeit gibt, eine schlagkräftige Truppe auf die Beine zu stellen.

Wenn wir es nicht schaffen, muss man sehen, wohin die Reise geht bei dem ein oder anderen.

  • Marvin Pourié verlängert sich bei Aufstieg. Ihm traue ich zu, dass er den einen oder anderen Treffer erzielt. Natürlich weckt er Begehrlichkeiten bei anderen Vereinen. Dann muss man schauen, wie realistisch ist es, solch einen Spieler halten zu können.
  • David Pisot, der sich extremst identifiziert mit dem Verein: auch sein Vertrag verlängert sich nur bei Aufstieg. Auch da glaube ich haben wir gute Möglichkeiten ihn an uns zu binden.

Mit allen Spielern, deren Verträge bei Nichtaufstieg auslaufen, sind wir mit den Spielern und Beratern im regelmäßigen Austausch. Aber dass ich irgendwo in Panik verfalle, weil die Situation ist, wie sie ist, das ist nicht der Fall, ich glaube an die Mannschaft. Ziel ist es, auch bei Nichtaufstieg mit dem Gros der Mannschaft weiter zusammenzuarbeiten.

Was ist mit dem Stürmer Dominik Stroh-Engel, der den Anschluss weiter nicht gepackt hat?

Kreuzer: Wir haben Dominik Stroh-Engel nahegelegt, den Verein zu verlassen beziehungsweise die Option, sich in der Rückserie verleihen zu lassen, einzuschlagen. Dem hat er nicht entsprochen. Das war nicht in seinem Sinne. Er hat ganz klar gesagt, dass er diese Saison hier bleibt. Die Situation bei Aufstieg: verlängert sich der Vertrag um ein Jahr. Er weiß, dass er in der Planung vom Trainer keine Rolle mehr spielt. Ich habe mit ihm und seinem Berater im Trainingslager gesprochen und glaube, dass es da eventuell Klick gemacht hat und wir im Sommer eine Lösung finden.

Appelle an die Einsicht der Stadt

Wildparkstadion
Blick auf die Haupttribüne des Karlsruher Wildparkstadions. | Foto: Uli Deck/Archiv

Eine Frage zum Stadionbau: Wo kommt wer hin, wenn die Tribünen kommen?

Becker: Kurve A1 bis A4 sind umgezogen – als nächstes ist der Gästebereich dran und die Gegentribüne. Jeder wird rechtzeitig angeschrieben, wohin er umzieht. Jeder hat immer die Möglichkeit, in alle anderen Bereiche zu wechseln. Eine adäquate Lösung in der Preiskategorie bieten wir an.

Wellenreuther: Was anderes Wichtiges: Es wird während der Umbauphase zwei provisorische Tribünen hinter den Toren geben, jeweils 5000 Zuschauer passen darauf. Jetzt ist eine Bitte von uns, da könnt ihr uns helfen.

Denn derzeit ist die Stadt der Meinung, dass diese Behelfs-Stehtribünen kein Dach bräuchten.

Wir finden, du kannst nicht 10.000 Menschen in den Regen stellen. Unser dringender Wunsch ist es deshalb – wir haben ihn auch schon vorgetragen und konnten es kaum glauben, dass die Stadt ohne Dach geplant hat – , dass wir dringend drauf drängen, dass ein Dach drüber kommt. Wenn Meinungsäußerungen von uns allen kommen in der Richtung, wird uns das glaube ich allen helfen.

Becker: In der zweiten Liga müssen sie ein Dach draufmachen. In Liga drei nicht.

„Dachte, die Auer sind ein bisschen verrückt geworden“

Lukas Kwasniok | Foto: dpa

Wie verlief die Trennung vom ehemaligen Nachwuchstrainer Lukas Kwasniok (inzwischen Cheftrainer bei Carl Zeiss Jena; Anmerkung der Redaktion). Hat er eine Abfindung bekommen und, wenn ja, warum?

Kreuzer: Ja. Lukas Kwasniok hatte bei uns noch ein Jahr Vertrag. Nachdem wir uns einvernehmlich getrennt haben, hat er einen Anspruch gehabt auf ein Jahresgehalt – und dann ist es normal, dass man sich auf eine Abfindung einigt. Lukas Kwasniok hat nach seinem Abgang noch eine Zahlung erhalten.

Eine Nachfrage dazu: Die Entlassung muss ja einen ganz schwerwiegenden Grund gehabt haben. Wie kann es dann sein, dass trotzdem eine Abfindung gezahlt wurde?

Wellenreuther: Aus verschiedenen Gründen konnten wir nicht alles offen legen – vor allem zugunsten von Lukas nicht. Wir haben ihn nicht entlassen, sondern wir haben es einvernehmlich beendet. Aufgrund des Vertrags gab es eine Abfindung. Einer der größten Fans von Lukas war ich.

Seine Art hat mir richtig gut gefallen und er ist ein richtig guter Trainer.

Dann gab es die Episode von Aue vorher. Aue wollte Lukas für rund 25.000 Euro Ablöse haben. Ich habe gedacht, die Auer sind ein bisschen verrückt geworden. Warum sollten wir ihn herschenken? Tim Walter wurde von Bayern für 200.000 Euro Gegenwert transferiert. Unsere Einstellung war: Aue muss auch 200.000 zahlen. Zum Schluss hätte Aue 125.000 Euro gezahlt. Wir konnten uns nicht vorstellen, dass Aue wegen 80.000 den Transfer nicht durchführt. 200.000 Euro sind ist ein Taschengeld für einen Cheftrainer. Dann ist das geplatzt, und drei Wochen später kam der Vorfall.

Wir hätten auch das, was wir schriftlich hatten, stadtweit plakatieren können. Das war ein Vorgang, über den wir nicht hinweggehen konnten. Es war eine Regelung zugunsten Lukas Kwasnioks.

Ist Helmut Sandrock im vergangenen Jahr als Geschäftsführer gegangen, weil er mehr Kompetenzen verlangt hat?

Wellenreuther: Bei einem e.V. kann man nicht dem Geschäftsführer die komplette Kompetenzen übertragen. Das geht bei einem eingetragenen Verein nicht. Denn da steht im Gesetz drin, dass der Vorstand den Kopf hinhalten muss – auch für das komplette operative Geschäft. Wer also fordert, der Vorstand soll sich aus dem operativen Geschäft zurückziehen bei einem e.V., der weiß nicht, wovon er spricht. Wir wollten genau das, was möglich ist, z.B. einen besonderen Vertreter einzurichten, der Kompetenzen in bestimmten Rahmen hat, umgesetzt haben – ohne zeitliche Verzögerung. Michael Becker ist das. Es gibt keinen Geschäftsvorgang, in dem Helmut Sandrock in irgendeiner Weise eingeschränkt worden wäre. Mir hat mal einer gesagt: „Die Überraschung ist nicht, dass Helmut Sandrock gegangen ist, sondern dass er gekommen ist.“

„Köpke nicht zweitligatauglich“

Entscheidungen und Kompetenzen wurden vom Präsidium doch aber auf andere öffentlich abgegeben…

Wellenreuther: Man muss manchmal erklären, wie in einem Profiverein die Aufgaben verteilt sind. Im Abstiegsfall war es so: Wenn die Mannschaft das Tor nicht getroffen hat, war immer das Präsidium schuld. Wir haben mal erklärt, wie Spielertransfers ablaufen. Wir, die im Präsidium arbeiten, haben für die sportliche Kompetenz zwei herausragende Persönlichkeiten: Sportdirektor und Trainer. Die beiden gucken nach Spielern, die kommen sollen, die bleiben oder gehen sollen.

Beispiel: Pascal Köpke. Er war bei uns hochunzufrieden, weil er bei Markus Kauczinski keine Chance bekommen hat. Dann hat Vater Köpke uns gebeten, dass er woanders spielen kann. Darauf wurde er nach Aue ausgeliehen und hat zwölf Tore geschossen. Er kam zurück und der damalige Sportdirektor Jens Todt und der damalige Trainer Kauczinski haben im Büro gesagt, dass Köpke nicht zweitligatauglich ist. Das haben Günter Pilarsky und ich auf Anhieb nicht verstanden. Wir dachten laienhaft, dass er das Zeug hätte. Jetzt kommt es zum Schwur.

Entweder das Präsidium sagt, was Trainer und Sportdirektor sagen, halten wir für falsch: „Den behalten wir.“ Dann spielt er aber keine Rolle. Also haben wir Vertrauen in die Expertise unseres Sportdirektors und unseres Trainers. Hätten wir die nicht, müssten wir beide entlassen.

Feier zum 125-Jährigen

Besonderes Abschiedsgeschenk: Erlaubte Bengalos im Wildparkstadion.
Besonderes Abschiedsgeschenk: Bengalos im Wildparkstadion. | Foto: Koch

Wird es im neuen Stadion ein Museum geben?

Becker: Am Eingang der Haupttribüne sind rund 300 Quadratmeter im Foyer mit musealer Nutzung geplant.

Kalte Würste, lange Schlangen, schlechte Disposition bei den Getränken: Der aktuelle Caterer wird von vielen Besuchern der KSC-Heimspiele als nicht gut wahrgenommen. Tut der Verein etwas und bleibt dieser Caterer?

Wellenreuther: Kaum habe ich das Mikro bei dem Thema in der Hand, werden rundum alle nervös und sagen: „Sag nicht, was du sonst immer sagst. Ich sag nur eins: Sie haben vollkommen Recht.“

Becker: Das Feedback nehmen wir ernst und arbeiten mit dem Caterer daran, das zu verbessern. Bitte eine E-Mail schreiben und an welchem Stand es war. Im Zuge des Stadionneubaus werden zum einen die Voraussetzungen verbessert. Das Thema Caterer ist aber noch nicht final geklärt.

Am 6. Juni wird der KSC 125 Jahre alt. Wird es Feierlichkeiten geben?

Becker: Natürlich haben wir ein paar Aktionen geplant. Wir werden auf jeden Fall am 6. Juni etwas machen, wollen aber noch nicht zu viel verraten.

Das der KSC feiern kann, hat er bei der Abschiedsshow vom Wildparkstadion bewiesen.

„Gespenst Dohmen“

Frage: „Das graue Gespenst Rolf Dohmen geistert umher. Was ist der Stand? Hat Herr Dohmen bisher Anträge eingereicht, um sich über eine Satzungsänderung bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Herbst als Präsidentschaftskandidat aufstellen lassen zu können?

Becker: Bisher ist nichts eingegangen.

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