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Zwischenbilanz in Liga zwei

Warum der KSC knapp über dem Strich strampelt und was das erwarten lässt

Vor dem Weihnachtsurlaub war Oliver Kreuzer nochmals mit Spielern verabredet, denen echte Perspektiven beim Trainer Alois Schwartz fehlen. „Es gibt aber derzeit für keinen Spieler Anfragen“, versicherte Kreuzer. Aber die Lage des KSC und die Aufgaben für die Wochen und Monaten sind vielschichtig.

Trainer Alois Schwartz (KSC) und Sportdirektor Oliver Kreuzer (KSC), (von links). Foto: GES

Vor dem Weihnachtsurlaub war Oliver Kreuzer nochmals mit Spielern verabredet, denen echte Perspektiven beim Trainer Alois Schwartz fehlen. „Wir schicken keinen weg“, ordnete der Geschäftsführer Sport beim Fußball-Zweitligisten die Gespräche ein. Die Betroffenen und deren Berater würden sich über die Feiertage Gedanken machen. „Es gibt aber derzeit für keinen Spieler Anfragen“, versicherte Kreuzer. Die Wahrscheinlichkeit, dass das im Januar anders werden wird, dürfte gering sein.

Ratlos über die Leistung beim 1:5 gegen Fürth waren der Trainer wie die Spieler. Als „ordentliche Leistung“ verkaufte man danach die 0:1-Schlappe gegen den SV Wehen Wiesbaden. Kreative Lösungen mit Ball blieben vor und nach dem Rückstand Fehlanzeige. „Hoch und weit“ lautete das Hauptstilmittel bei der Mannschaften. Nichts, was man davor nicht schon häufig gesehen hätte vom KSC, der von seinen Standards und von Hofmanns Präsenz lebt.

Auf 36, die meisten in der Liga, hatte sich nach Abpfiff die Zahl der Gegentore in der KSC-Zwischenbilanz erhöht. Dort, wo man bislang die Kernkompetenz des Fußballlehrers Schwartz erkannte, gibt es also erhebliche Probleme. Die letzten Eindrücke dämpften Wohlgefühle über das Aufstiegsjahr. 20 Punkte blieben aus 18 Zweitligaspielen hängen.

Weil das nur drei mehr sind als sie der Vorletzte aus Wiesbaden aufs Konto kleckerte, wird die am 4. Januar beginnende Vorbereitung auf des Abstiegskampfes zweiter Teil mit der Aufarbeitung von Erkenntnissen und mit Entscheidungen einhergehen. Lukas Fröde, gegen Wehen ins Team zurückgekehrter Sechser, erwartet: „Jetzt müssen wir strampeln, dass wir die Punkte in der Rückrunde holen. Das wird nicht leicht. Es ist alles drin.“

Die T-Frage

Macht Schwartz nach dem Urlaub unter dem Eindruck der letzten Spiele dieses Fass auf? Torwart Benjamin Uphoff, der mit dem KSC seit längerem in Vertragsgesprächen steht und vor Weihnachten die Konzentration nicht hochhalten konnte, hatten seine Patzer bei dem 1:5-Debakel offenbar weiter verunsichert. Die 0:1-Niederlage gegen Wehen geht in ihrem Zustandekommen auf seine Kappe.

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Schwartz wird sich mit dem Spezialcoach Markus Miller beratschlagen und während der Vorbereitung genau hinsehen. Der im Sommer von Hertha BSC geholte Marius Gersbeck hatte im DFB-Pokalspiel bei Darmstadt 98 (1:0) die Gelegenheit, sich zu empfehlen. Viele Torraumszenen, um sich auszuzeichnen, hatte der gebürtige Berliner darin nicht zu überstehen, doch seine Präsenz und sein Torwartspiel überzeugten.

Die gesetzten Vier

Die Vierer-Abwehrkette ist für Schwartz praktisch in Stein gemeißelt. Die „Twin Towers“ im Zentrum, Daniel Gordon (34) und David Pisot (32), bringen es dabei mit ihrer Erfahrung und Kopfballstärke auf eine ordentliche Zweikampfquote von über 60 Prozent. Ohne Konkurrenz im Kader ist Marco Thiede (27) auf der rechten Seite, den Schwartz als Mentalitätsspieler im Team nicht missen will und offensiven Abstriche damit in Kauf nimmt.

Im Gesamtpaket überzeugender agiert der andere Ex-Sandhäuser Damian Roßbach (26), der einzige aus der Kette, der wegen eines Außenbandrisses Spiele verpasste. Dirk Carlson (21) schaffte es in dieser Zeit nicht, dem kopfballstarken Roßbach den Rang abzulaufen. Während es fürs Zentrum, wo auch Christoph Kobald (22) oder Alexander Groiß (21) spielen könnten, Alternativen gibt, ist der KSC außen sparsam aufgestellt. Nichts, was nicht im Sommer sichtbar gewesen wäre. Eine Verstärkung für die Abwehr ist nun laut Kreuzer aber nicht geplant.

Die Neuen

Das Durchschnittsalter der KSC-Startelf gegen Wehen betrug 27,8 Jahre. Auch Fakt: Nur zwei der sechs Sommerzugänge kamen darin vor, Fröde (24) und Philipp Hofmann (26) nämlich. Alle anderen auf den Rasen hatten mit dem KSC schon die Dritte Liga durchgemacht, wobei Marvin Wanitzek die markantesten Fortschritte gemacht hat. Auch ihm liegt ein neues Vertragsangebot von Kreuzer vor, doch gibt es Mitbewerber und bislang noch keine Entscheidung.

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Schwartz und Kreuzer verteidigen ihre Einkaufspolitik nach dem Aufstieg, verweisen darauf, dass die Neuen das Trainingsniveau angehoben hätten. Der aus Braunschweig gekommene Hofmann war ein Volltreffer. Zehn Saisontore, darunter zuletzt das „Tor des Monats“ (Fallrückzieher beim 4:1 gegen Regensburg), unterstreichen das. Der Mann, der den Aufstiegsknipser Marvin Pourié verdrängte, kaschierte mit seinen Toren, was sonst im Argen lag beim mit Ball oft einfallslosen KSC.

Großes Gefälle im Kader

Wie schon in der Dritten Liga, leitet Schwartz einen branchenüblich großen Kader mit 28 Mann an. Seit der mit wirtschaftlichen Argumenten begründeten Abmeldung der U23 zur Saison 2018/2019 gibt es für die Abgehängten beim KSC keine Chance auf regelmäßige Spielpraxis. So ergeht es Martin Röser (29), Justin Möbius (22) und Saliou Sané (27) nicht besser als in der Dritten Liga. Fänden sich Interessenten für diese Profis, würde sie der KSC ziehen lassen. Auch Janis Hanek (20) und Malik Batmaz (19) bräuchten Einsatzzeiten, um sich fortzuentwickeln.

Um im Januar beide verleihen zu können, müsste der KSC Nachwuchsleute aus der U19 vorzeitig mit Profiverträgen ausstatten. Andernfalls könnte nur einer weg, da Kreuzer durch die „Local Player“-Regelung geknebelt wäre. Zur Erinnerung: Den Rechtsverteidiger Tim Kircher (20) hatte der KSC vor der Runde an Carl Zeiss Jena verliehen, womit Batmaz, Torwart Mario Schragl (20), Hanek und Dominik Kother (19) derzeit das von der DFL vorgeschriebene Quorum von vier im Verein ausgebildeten Spielern unter 21 Jahren absichern.

Die Österreicher Marco Djuricin (27) und Lukas Grozurek (27), die Schwartz vor der Saison als offensive Optionen dazu holte, fanden in dessen Systemen (4-4-2, 4-1-4-1, 4-2-3-1, 4-3-2-1) selten Berücksichtigung. Djuricin kam nur auf sieben Einsätze. Kyoung-Rok Choi, der in seinem dritten Halbjahr beim KSC angekommen schien, fällt für den Rest der Saison wegen eines Kreuzbandrisses aus.

Die Einsparung von dessen demnächst von der Berufsgenossenschaft übernommenen Gehalt trägt dazu bei, dass der KSC nach einem Spieler von Chois Profil (Zentrum und Flügel) die Augen offen halten will. Burak Camoglu (23), mit acht Einsätzen am rechten Flügel, wartet derweil weiter auf den Durchbruch.

Unzufriedene Aufstieggaranten

Während sich also Profis, die das aus der Dritten Liga schon kannten, auch eine Spielklasse höher zu Zweitligakonditionen mit Rollen im zweiten und im dritten Glied arrangieren müssen, sind die Aufstieggaranten Pourié und Anton Fink Sonderfälle.

Beider Situationen sind für Schwartz viel schwerer zu moderieren, da die Ansprüche der Spieler anders gelagert sind. In der 80. oder 86. Minute eingewechselt zu werden, stellt sie nicht zufrieden. Auf der anderen Seite ist Hofmann aus der Spitze kaum wegzudenken gewesen.

Pourié mit Fink funktionierte in der Dritten Liga im 4-4-2. Das Spiel mit einer Spitze spricht für Hofmann, eine Variante mit ihm und Pourié überzeugt Schwartz nicht. Fink wiederum hat seiner Mannschaft in Aue (1:1) und in Bochum (3:3) als Joker mit späten Toren noch Punkte gerettet. Die Personalien bleiben sensibel.

KSC
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