Einen anderen Weg als die Konkurrenz geht Aldi Süd bei seinen Kassenzetteln. Darauf wird bei Barzahlungen weder angegeben, wie viel Geld der Kunde gegeben hat – noch findet sich eine Angabe zum Rückgeld auf dem Ausdruck.
Einen anderen Weg als die Konkurrenz geht Aldi Süd bei seinen Kassenzetteln. Darauf wird bei Barzahlungen weder angegeben, wie viel Geld der Kunde gegeben hat – noch findet sich eine Angabe zum Rückgeld auf dem Ausdruck. | Foto: Beltschak

Rechnen nach dem Einkauf

Aldi Süd verzichtet im Gegensatz zur Konkurrenz auf Angaben zum Rückgeld

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Der Kunde ist König: An dieses Credo versuchen sich Lebensmitteleinzelhändler zu halten. Beim Discounter Aldi gilt im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten jedoch auch: Der König muss rechnen – zumindest wenn es ums Wechselgeld geht.

Aldi Süd weist auf seinen Kassenzetteln nicht aus, wie viel Bargeld Kunden beim Bezahlen geben. Entsprechend fehlt auch die Angabe zum erstatten Rückgeld. Die BNN wollten wissen, warum der Discounter einen anderen Weg geht als etwa Rivale Lidl oder die großen Supermarkt-Ketten Edeka und Rewe. Die Antwort: Es geht ums Tempo.

Tempo an Kasse soll erhöht werden

„Im Rahmen einer möglichst schnellen Abwicklung an der Kasse wird bei einem Einkauf bei Aldi Süd das Rückgeld auf dem Kassenzettel nicht angegeben“, teilt eine Sprecherin des Unternehmens auf Anfrage der BNN mit. Für eine Angabe auf dem Beleg müsste die Kassenkraft warten, bis klar ist, mit welchem Betrag der Kunde zahlen möchte. Erst dann kann der Mitarbeiter mit der Eingabe in das Kassensystem beginnen.

Das dauert dem Management von Aldi Süd offenbar zu lange. Der Kassierer soll schon die Berechnung des Rückgeldes beginnen, bevor der Kunde die Scheine zückt. „Hierbei wird nicht wirklich gerechnet, sondern auf den nächsthöheren, möglichen Betrag, mit dem der Kunde bezahlen könnte, hochgezählt und dabei die Differenz an den Kunden ausgezahlt“, erklärt die Aldi-Sprecherin.

Aldi Süd ist einige Sekunden schneller als andere Supermärkte

Kostet der Einkauf beispielsweise 15,83 Euro, wird immer wieder aufgerundet. Die Kassenkraft holt zunächst sieben Cent, um auf 15,90 Euro zu kommen. Danach zehn Cent, um bei 16 Euro zu landen. Dann noch vier Euro, um auf 20 Euro zu kommen. Je nachdem, wie der Kunde letztlich bezahlt, sei das Wechselgeld schon passend zur Hand.

Im Sinne der Schnelligkeit ist Aldi Süd der Konkurrenz mit diesem System wohl wirklich einige Sekunden voraus. Auch Norma verzichtet aus diesem Grund auf die Angabe des Rückgeldes. Wie kundenfreundlich das ist, steht aber – im übertragenen Sinne – auf einem anderen Zettel. Denn viele schätzen beim Einkauf die Angabe zum Rückgeld auf dem Ausdruck an der Kasse – vor allem, weil dann ohne Rechnen geprüft werden kann, ob es richtig erstattet wurde.

Kunden kritisieren das Vorgehen

Das Vorgehen von Aldi Süd oder Norma stößt deshalb bei einigen Kunden auf Kritik. Auch weil es viele für fehleranfälliger halten. Das sieht die Unternehmenssprecherin von Aldi anders: „Durch dieses Prinzip entstehen Fehler nur sehr selten und liegen wenn überhaupt bei minimalen Cent-Beträgen.“

Schnelligkeit spielt an den Kassen im Einzelhandel eine große Rolle. So hat das Deutsche Zukunftsinstitut in einer Studie erhoben, dass die Kunden mit Verärgerung reagieren, wenn der Bezahlvorgang länger als 15 Sekunden dauert. Insofern könnte sich Aldi mit seinem System einen Vorteil verschaffen.

Hinzu kommt: Je schneller Warteschlangen abgearbeitet werden, desto weniger Kassen müssen geöffnet sein. Das senkt die Kosten.

Aldi Süd plant keine Änderung

Wie mit Abrechnungsfehlern des Personals oder Reklamationen von Kunden umgegangen wird? Diese Frage lässt Aldi Süd unbeantwortet. Eine Änderung des Systems sei aber auf jeden Fall nicht geplant. „Da dieses Prinzip seit Jahren bei Aldi Süd eine gängige und bewährte Praxis ist, planen wir aktuell nicht, dies zu ändern“, sagt die Sprecherin. Damit geht das Unternehmen übrigens einen anderen Weg als Aldi Nord, wo weder der König Kunde noch die Beschäftigten selbst die grauen Zellen anstrengen müssen.