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Studienergebnis

Baden-Württemberg ist in der Wasserstoff-Industrie vorne mit dabei

In der Wasserstoff- und Brennstoffzellenindustrie ist Baden-Württemberg bereits vorne mit dabei. Mehr als 90 Unternehmen und 18 Forschungseinrichtungen sind im Land damit beschäftigt. Doch um das volle Potenzial dieser kommenden „Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts“ auszuschöpfen, müsste noch mehr investiert werden.

Eine Wasserstofftankstelle in Mainz. Umweltministerin Schulze will den Ersatz fossiler Kraft- und Brennstoffe durch klimafreundliche Stoffe in Gang bringen. Foto: Andreas Arnold/dpa

Zu diesem Ergebnis kommt die Unternehmensberatung Roland Berger, die im Auftrag des Landesumweltministeriums systematisch zusammengetragen hat, welche wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Akteure sich in Baden-Württemberg auf diesem Feld tummeln. Im Jahr 2030 ist der Studie zufolge eine Bruttowertschöpfung von bis zu zwei Milliarden Euro in der Wasserstoff- und Brennstoffzellenindustrie möglich.

13.000 Menschen könnten in der Branche beschäftigt werden. Langfristig bestünden noch weitaus größere Potenziale. Aber: „Nur, wenn bereits heute weiter in Forschung und Entwicklung, Ausbau des Produktportfolios der lokalen Unternehmen sowie in den Ausbau von Produktionskapazitäten investiert wird, kann die weltweit steigende Nachfrage an Wasserstoff und Brennstoffzellen auch aus Baden-Württemberg befriedigt werden“, schreiben die Unternehmensberater.

Daimler ist einer der Pioniere der Brennstoffzellen-Technik

Mit Daimler sitzt einer der Pioniere der Brennstoffzellen-Technik im Land. Der Autohersteller will diese alternative Antriebstechnik künftig vor allem in Nutzfahrzeugen einsetzen. Solche Elektro-Lastwagen, die mit Wasserstoff betankt werden, hätten eine deutlich höhere Reichweite als solche mit Batterie-Antrieb. Von der Serienreife ist man allerdings noch einige Jahre entfernt.

Die Einsatzmöglichkeiten von Brennstoffzellen gehen weit über Fahrzeuge hinaus. „Wir diskutieren die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie bisher vor allem unter dem Gesichtspunkt einer künftigen emissionsfreien Mobilität. Aber sie ist viel mehr und kann in allen Energieverbrauchssektoren und in der industriellen Produktion eine zentrale Rolle einnehmen“, sagte Helmfried Meinel, Ministerialdirektor im Umweltministerium, bei der Vorstellung der Studie. Entscheidend für den Erfolg der Technologie ist auch die Herstellung des Wasserstoffs. Dies geschieht per Elektrolyse, bei der elektrische Energie umgewandelt wird.

Unternehmen aus Karlsruhe ist mit dabei

Kommt der Strom aus Windkraft- oder Solaranlagen, ist der Wasserstoff ein „grüner“ Energiespeicher. Im Bau von sogenannten „Power-to-Gas“-Anlagen und Elektrolyseuren sind laut Roland Berger derzeit nur wenige Unternehmen aus Baden-Württemberg direkt aktiv. „Eines davon ist das Karlsruher Unternehmen Wasserelektrolyse Hydrotechnik, das in den Bereichen Projektierung, Fertigung und Vertrieb von Elektrolyseuren aktiv ist und schlüsselfertige und individuell erstellte Gesamtanlagen konzipiert und liefert“, heißt es in der Studie.

Der internationale Markt für Elektrolyseuranlagen werde derzeit von Marktführer Siemens sowie weiteren großen Herstellern wie NEL (Norwegen), Hydrogenics (Kanada) oder ITM Power (Großbritannien) dominiert. Großaufträge gingen daher nicht nach Baden-Württemberg. Allerdings werde für die Herstellung von Elektrolyseuranlagen wiederum eine Vielzahl von Komponenten benötigt, die von der baden-württembergischen Zulieferindustrie produziert werden.

Forschung ist international vernetzt

Die Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Industrie in Baden-Württemberg profitiere heute von einer im Bundesvergleich stark aufgestellten und international vernetzten Forschungslandschaft, die zur hohen Innovationskraft des Standorts beiträgt, loben die Autoren. Zu den 18 relevanten Institutionen zählen sie auch das Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Die Kooperation von Forschung und Industrie biete Baden-Württemberg die Chance, seine „starke Position im Brennstoffzellen-Bereich zu festigen und eine technologische Vorreiterrolle in der seriellen Brennstoffzellen-Produktion in Europa zu erwerben“, schreiben sie. Doch um die wirtschaftlichen Potenziale der Branche für Baden-Württemberg zu realisieren, dürfe mit weiteren Investitionen nicht gewartet werden. „Die nächsten zwei bis fünf Jahre werden entscheidend dafür sein, welche Rolle der Standort Baden-Württemberg im zukünftig entstehenden Weltmarkt für Wasserstoff und Brennstoffzellen spielen wird.“

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