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Gesperrt bis Samstag

So sehen die Anwohner die Vollsperrung der Ortsdurchfahrt in Engelsbrand-Salmbach

Drei Tage lang ist der kleine Ort Salmbach im Enzkreis wegen Straßenbauarbeiten gesperrt. Anwohner können ihre Autos deswegen nicht vor den Häusern parken. Die Betroffenen gehen mit der Situation unterschiedlich um.

Endspurt: Am Freitag wird auf der Ortsdurchfahrt in Salmbach der restliche Asphalt-Endbelag aufgetragen. Am Samstag sollen die Bewohner die Straße wieder befahren können. Foto: Heinz Richter

Es riecht nach Asphalt in Salmbach. Und der Straßenfertiger, mit dem der Asphalt auf die Ortsdurchfahrt aufgetragen wird, schnaubt im Schneckentempo heran. Wenn der 160 Grad heiße Asphalt auf die Straße trifft, dampft es wie bei der Dampflok Emma in Lummerland.

Zwei Straßenfertiger fahren versetzt auf der Langenbrander Straße, der Durchgangsstraße im Engelsbrander Teilort Salmbach in Richtung Kreisverkehr. Beim Rathaus wird aus der Langenbrander die Pforzheimer Straße.

Drei Tage lang gab es keinen Autoverkehr auf der Landesstraße durch Salmbach. Wer in der Zeit wegmusste, der parkte sein Auto entweder entlang der Kapfenhardter Straße, der einzigen Straße, die von der Hauptstraße in Salmbach aus dem Ort führt. Dort stand allerdings Auto an Auto bis zum Waldanfang weit außerhalb des Ortes.

Andere parkten ihr Auto an Feld- und Wiesenwegen. Am besten waren die dran, die ihr Auto einfach in der Garage stehen ließen und es drei Tage lang nicht benötigten.

Für Donnerstag waren 700 Tonnen Asphalt bestellt

Die beiden Vögele-Straßenfertiger fuhren vom Wald aus Richtung Langenbrand versetzt entlang. Am Mittwoch wurde die Durchgangsstraße gereinigt und mit einem Bitumenhaftgrund von einem Tankwagen aus besprüht.

Am Donnerstag um 6.30 Uhr setzten sich dann die beiden Fertiger in Bewegung. Bis zehn Uhr waren die ersten acht Ladungen Asphalt aus dem Werk in Pforzheim angefahren worden.

Noch 19 weitere Lastwagenladungen waren bis Donnerstagabend notwendig für den Endauftrag des ersten Abschnitts auf der 1,6 Kilometer langen Ortsdurchfahrt. Allein für Donnerstag waren beim Pforzheimer Asphaltwerk 700 Tonnen Asphalt bestellt worden.

Eine der Fahrerinnen der großen Trucks ist Mandy Huruglica aus Ölbronn-Dürrn, die seit 2009 den Truckerführerschein hat. Erst fuhr sie bei DHL Pakete aus, jetzt steuert sie Asphalttrucks.

Oben auf dem ersten Fertiger sitzt Harald Geppert. Er hat den ganzen Arbeitstag Asphaltgeruch in der Nase. „Macht mir nichts mehr aus“, sagt er, seit 40 Jahren bedient er die Asphaltfertiger.

Seit Mittwoch durfte die Straße nicht mehr befahren werden

Seit Mittwoch durfte die Langenbrander- und Pforzheimer Straße in Salmbach nicht mehr befahren werden. Mit dem Sprühauftrag war dann eine Straßenquerung nur noch bei den eigens aus Holz gelegten Übergängen möglich.

Die sogenannten Fertiger schaffen bis zu 18 Meter pro Minute und sind maximal 20 Kilometer in der Stunde schnell. 13 Tonnen können die Lkws in die Bevorratung der Fertiger ablasen. Der Fertiger hat ein Eigengewicht von 19 Tonnen und fördert den etwa 160 Grad heißen Asphalt über eine Verteilerschnecke.

Wir haben alles besorgt, was wir bis Freitag brauchen.
Thomas Baier, Anwohner der Pforzheimer Straße

Die meisten Anwohner nehmen die drei Tage locker hin und freuen sich, dass dann endlich die Bauarbeiten direkt vor ihren Häusern zu Ende gehen. Thomas Baier aus der Pforzheimer Straße hat sein Auto für die drei Tage außerhalb am Herdweg geparkt. „Wir haben alles besorgt, was wir bis Freitag brauchen“, sagt er.

Eine Anwohnerin, ebenfalls aus der Pforzheimer Straße, fuhr am Donnerstag in Urlaub. „Wir haben den Polier gefragt, ob wir am Donnerstagmorgen um sieben Uhr noch abgeholt werden können. Das hat er bejaht“, erzählt sie. 14 Tage Urlaub verbringt sie nun mit ihrer Tochter in Ungarn am Balaton.

Für einige Berufstätige ist es schwierig

„Sch…. für uns“, sagt eine Bewohnerin der oberen Langenbrander Straße. Sie ist berufstätig im Einzelhandel und hat drei Tage Urlaub genommen. Für ihren Sohn wird es problematisch. Er fährt mit dem Bus. Sein Einstieg ist in Engelsbrand. Wegen der Straßensperrung fahren die Busse, so sagt sie, unregelmäßig.

Das sei alles etwas unkoordiniert, weil eine zweite Firma Gasleitungen verlegt, erklärt Jörg Kusterer. Auch er wohnt an der Langenbrander Straße. „Ich habe Urlaub“, sagt er. Falls er das Auto braucht, will er sein Glück über Wald- und Feldwege versuchen.

„Vor mir aus kann das auch acht Tage gehen. Ich kann das überbrücken und muss nicht viel weg“, sagt Emmerich Misztl, der im Hinterhaus an der Langenbrander Straße wohnt.

„Sprudel habe ich schon vorher geholt und einkaufen gehe ich erst wieder am Samstag“, erzählt Anita Pflästerer , auch aus der Langenbrander Straße. Schlechte Erfahrungen hat sie gemacht, als sie während der Bauarbeiten ihr Auto wegstellen musste. „Es ist zerkratzt worden“, berichtet sie.

Am Donnerstag und Freitag wird auf der Ortsdurchfahrt in Salmbach der Asphalt-Endbelag aufgetragen. Die Bewohner können nur noch über den Gehweg raus Foto: Heinz Richter

Nicht so viel weg muss Claus Funk. Er ist Rentner und wohnt an der Langenbrander Straße. „Einkaufen gehe ich wieder am Montag und wenn es sein muss, hilft unsere Tochter“, sagt er.

Zweimal im Jahr, im Sommer und im Winter, gibt es in der Langenbrander Straße ein Familientreffen. Dann besuchen die Kinder die Eltern. Julian Kehrer ist der Älteste und wohnt in Leipzig. Er kam schon am Mittwoch und hatte keine Probleme bei der Anreise. Zwei Brüder kommen noch aus dem Odenwald und aus Wien.

„Die Anwohner sind froh, dass die Straße endlich saniert wurde“, sagt Julian Kehrer. Seine Mutter sei schon einkaufen gewesen. Das Auto habe sie in einer Seitenstraße geparkt. Er sagt, dass die Anwohner am liebsten hätten, dass auf der sanierten Straße eine Temporeduzierung kommt. „Die Leute rasen mit 60 bis 80 Kilometer in der Stunde hier durch“, sagt Julian Kehrer.

Eine Anwohnerin von der Langenbrander Straße arbeitete noch Schicht bis Mittwochvormittag. „Ich habe an der Kapfenhardter Straße ganz weit oben geparkt. Da ist schon alles zugeparkt“, erzählt sie. Der Gehweg der Ortsdurchfahrt habe sie schon gesehen. Der sei jetzt wesentlich breiter. Aber sie macht sich Gedanken, ob jetzt noch ein Lastwagen und ein Bus aneinander vorbeikommen.

Unfall auf der Baustelle

„Wir dürfen später vor dem Haus gar nicht mehr parken“, erzählt sie. Während der Bauarbeiten konnte sie eineinhalb Wochen nicht in ihre Garage fahren. „Ich musste das Auto irgendwo parken und die Einkäufe bis ins Haus schleppen“, sagt die Anwohnerin. Als die Randsteine gesetzt wurden, habe es keine Absperrung gegeben. Ihre Tochter sei hingefallen und habe mit dem halben Fuß im Gips gestanden. „Die Wunde musste im Krankenhaus versorgt werden“, erinnert sich die Frau.

Da hat Margit Döther aus der Pforzheimer noch was ganz anderes erlebt. Während der Bauarbeiten konnte sie fünf Monate lang nicht in ihre Garage fahren. „Ich musste mir immer wieder einen neuen Parkplatz suchen.“ In der Zeit habe sie zwei Marderschäden gehabt.

„Die Baustelle hat mich 500 Euro gekostet“, sagt sie. Sie habe ein vier Meter tiefes Loch vor ihrem Haus und auch einen Wasserrohrbruch während der Bauarbeiten erlebt. Von Mittwoch bis Freitag steht ihr Auto jetzt in der Garage. Sie hat keine Termine. Erlebt hat sie auch ein Chaos, als der Grunbacher Weg geteert wurde.

Nachbarn helfen sich gegenseitig

Auf der Straße bewegte sich die große Teermaschine, ein Makadam-Lkw und dann kam auch noch der Bus. Der konnte fast nicht vorbeifahren. „Zehn Zentimeter waren noch bis zu meinem Garagentor Platz“. Hinzu kamen dann noch die Kinder vom nahen Kindergarten. Margit Döther habe sie schnell in ihren Hauseingang in Sicherheit gebracht.

Gundula Doll aus der Pforzheimer Straße hat so nette Nachbarin, dass das Ehepaar dort ihr Auto abstellen durfte und von dort ist es möglich aus dem Ort zu kommen.

Marlies Echle aus der Pforzheimer Straße wartet gerade auf ihren Mann, der für das Auto irgendwo einen Platz sucht.

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