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Daten der Station Mühlacker

Wetterbilanz 2020: Der Enzkreis bietet mehr Sommer und mehr Sonne

Gemessen am langjährigen Mittel war das Jahr im Enzkreis zu warm, zu sonnig und zu trocken. Einige Werte fallen als extrem auf. Das hat spürbare Auswirkungen.

Niederschlagssensor in Kurzarbeit: Das Gerät im Vordergrund mit Windschutz im Vordergrund misst an der Station des Deutschen Wetterdienstes auf dem Gelände der Kläranlage im Lienzinger Schmiebachtal die Niederschlagsmenge und -intensität. Der Sensor hatte vergleichsweise wenig zu tun. Foto: Norbert Kollros

Das Wetter-Jahr ist noch nicht ganz zu Ende. Die entscheidenden Werte stehen aber fest. Im Enzkreis war es das dritte Jahr in Folge zu trocken. Regen wie an Heiligabend ist zur Ausnahme geworden. Dafür erweist sich die Region als Sonnen-Hotspot. Gemessen wurden die Werte an der Station des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Mühlacker.

Temperaturen

  • 35,9 Grad: höchster Wert des Jahres
  • -8,6 Grad: niedrigster Wert des Jahres
  • 11,0 Grad: mittlere Temperatur des Jahres
  • 8,9 Grad: mittlere Temperatur im langjährigen Mittel
  • 22,2 Grad: höchste Temperatur am 2. November

Das Jahr wird als zu warm in die Statistik eingehen. Die Durchschnittstemperatur liegt mit genau 11 Grad um 2,1 Grad höher als im langjährigen Mittel in Mühlacker. „Das ist deutlich zu warm“, ordnet BNN-Wetterexperte Dominik Jung vom Wetterdienst Q.met ein. Mühlacker bietet laut den offiziellen Zahlen des Deutschen Wetterdienstes auch mehr Sommer als viele andere Teile des Landes. An der Station in Lienzingen wurden 77 Sommertage mit Werten über 25 Grad registriert, der erste am 10. Mai und der letzte am 22. September.

Landesweit waren es im Schnitt nur etwas mehr als 56. Hitzetage über 30 Grad waren es in Mühlacker 19 an der Zahl. Das ist weniger als in den extremeren Vorjahren, als die Hitzegrenze an gleich 27 (2018) respektive 36 Tagen (2019) überschritten wurde. Der Hitzerekord stammt von 2015 und liegt bei 39,2 Grad.

Dieses Jahr ging es nicht über 35,9 Grad hinaus. Besondere Temperatur-Extreme bot diesmal der November. Anfang des Monats wurden noch 22,2 Grad als Höchsttemperatur gemessen. Ende des Monats gab es dann mit -8,6 Grad den kältesten Wert des ganzen Jahres.

Sonnenstunden

  • 2.162: Sonnenstunden dieses Jahr
  • 33 Prozent mehr als im langjährigen Mittel
  • 2.-sonnenreichstes Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen in Mühlacker
  • 2.231: Sonnenstunden im Rekordjahr 2003
  • 316: Sonnenstunden im Juli

Das Wetter in Mühlacker war dieses Jahr statistisch gesehen nicht nur zu warm, sondern auch zu sonnig. Und zwar deutlich, nämlich mit 33 Prozent mehr Sonnenstunden als im langjährigen Mittel, wie Experte Jung verdeutlicht. Es war laut DWD das zweitsonnigste Jahr, seit dieser Wert an der Station in Lienzingen gemessen wird.

Sonnen-Hotspot Mühlacker: Hier wurden bis zum Weihnachtswochenende dieses Jahr 2.162 Sonnenstunden gemessen. Nur in einem Jahr waren es mehr. Foto: Arno Burgi (Archiv)

Der Rekord stammt aus dem Jahr 2003, und wegen der wolkigen Wetterlage zum Jahresende ist schon seit einigen Tagen klar, dass er wohl nicht mehr gebrochen wird. Laut Deutschem Wetterdienst werden die Daten hier zwar erst seit 1998 erhoben. Anhand vergleichbarer Daten von anderen Messstationen gehen Experten des DWD aber davon aus, dass der Rekord von 2003 auch in Mühlacker einer ist, der eigentlich noch deutlich weiter zurückreicht.

Im zu Ende gehenden Jahr schien die Sonne am 25. Juni am längsten. Sie nutzte die lange Spanne zwischen Auf- und Untergang und schien satte 15,4 Stunden lang. Der insgesamt sonnigste Monat war aber der Juli mit 316 Sonnenstunden. Damit ist Mühlacker ein Sonnen-Hotspot. Deutschlandweit war der Südwesten besonders begünstigt, und hier wiederum der Großraum Stuttgart abseits der Mittelgebirge – also auch Mühlacker mit großen Teilen des Enzkreises.

Niederschläge

  • 565,4 Liter pro Quadratmeter: Niederschlag dieses Jahr
  • 73,7 Prozent des langjährigen Mittels wurden erreicht
  • 20,8 Liter pro Quadratmeter: Niederschlag im November
  • 30 Prozent des langjährigen Mittels wurden erreicht
  • 4 Zentimeter Schnee fielen im ganzen Jahr - alle im Dezember

Es war im Enzkreis das dritte zu trockene Jahr in Folge. „Das ist schon beachtlich, das gab es vorher noch nicht“, sagt Diplom-Meteorologe Jung. Im Sommer waren die Auswirkungen klar zu sehen und zu spüren. Die Enz war auf ihrem langjährigen Tiefststand, die Zuflüsse aus dem Enzkreis lagen teils komplett trocken.

Im Enzkreis durfte monatelang kein Wasser mehr aus Bächen, Flüssen und Seen entnommen werden. Der Zweckverband Mannenbach-Wasserversorgung steuerte sogar auf einen Engpass beim Trinkwasser zu. Im Enzkreis wurden im November mit 20,8 Litern pro Quadratmeter gerade mal 30 Prozent des langjährigen Mittels erreicht. Erst der Dezember erfüllt nun wieder sein Soll. Besonders ausgiebig regnete es an Heiligabend.

Für die Natur ist das längst nicht genug. Der Bodenbereich nahe der Oberfläche hat nun zwar wieder Wasser. Ab 25 Zentimetern abwärts sieht es aber dürr aus. „In diesen Schichten ist es viel zu trocken“, sagt Jung. „Der Grundwasserspiegel liegt in diesem tieferen Bereich, dort kommt zu wenig an. Es muss lange Zeit ergiebig regnen.“

Die Diagnose „zu trocken“ ist längst nicht nur eine statistische Größe. Sie bedeutet: Wenn es so weitergeht, werden Quellschüttungen dauerhaft zurückgehen, und man wird sich von einigen Pflanzenarten, die es feuchter brauchen, in der Region verabschieden müssen.

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