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Preis-Ping-Pong

Kinder werden noch lange auf Pforzheims Altes Zollamt warten

Geldstreitereien verhindern, dass sich mehr bewegt bei den Kita-Plätzen in Pforzheim. Die Stadt will dafür das seit Februar 2018 leer stehende Alte Zollhaus plus Wohnhaus in der Durlacher Straße kaufen. Bislang ohne Erfolg

Der Weg zum Kindergarten stimmt, wann das Alte Zollamt für diese Nutzung zur Verfügung steht, ist derzeit allerdings noch kaum sagbar. Stadt und Staat verhandeln seit mehr als eineinhalb Jahren über den Kaufpreis. Foto: Ehmann
Geldstreitereien verhindern, dass sich mehr bewegt bei den Kita-Plätzen in Pforzheim. Die Stadt will dafür das seit Februar 2018 leer stehende Alte Zollhaus plus Wohnhaus in der Durlacher Straße kaufen. Erfolgreich war sie mit diesem Ansinnen bislang nicht. Und das, so ist zu erfahren, liegt an den Preisvorstellungen: Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Bonn will mehr als die Stadt zahlen möchte.

Geschacher wie auf dem privaten Immobilienmarkt

Ping-Pong heißt die Methode, nach der solche Divergenzen ausgelotet werden. Da sind sich der öffentliche und der private Immobilienmarkt gleich. Es werden Preise aufgerufen und Gegenangebote gemacht bis beide Seiten das Gefühl haben, die Sache ist ausgereizt.

Argumentativ heißt das, Vorzüge und Nachteile gegeneinander aufzuwiegen. Und damit fangen die Schwierigkeiten an bei einer Immobilie, die in den 50er Jahren für den Zoll gebaut wurde.

Anlieferrampe hat eine Bedeutung für Kindertagesstätte

Dass es da zum Beispiel eine Anlieferrampe gibt, dürfte kaum von Relevanz sein für die Einrichtung einer „fünf- bis achtgruppigen Kindertagesstätte“.

Auch Nutzfläche – wiewohl immer knapper – ist noch kein Wert an sich, erläutern Immobilienfachleute, wenn sie nach einer Einschätzung zum Alten Zollamt gefragt sind. Überschlägig könnte der Wert bei 1,8 Millionen Euro liegen. Entscheidender Punkt dabei sei allerdings, wie es um die 1 093 Quadratmeter Geschossfläche bestellt ist. Verkäuferseits wird auf eine solide Bausubstanz sowie auf eine umfangreiche Sanierung vor etwa acht Jahren verwiesen.

Zoll ist seit Januar 2018 weg

Lang ist’s her, war hierzu sinngemäß schon Ende Januar 2018 zu hören. Der Zoll zog zwar hauptsächlich wegen der im Innenstadtbereich schwierigen Zufahrt für Lkw in die Freiburger Straße 11. Die Mitarbeiter freuten sich damals aber auch auf eine deutlich leistungsfähigere Elektrik für die Online-Arbeit.

Viel Freifläche zum Spielen gibt es hinter dem Alten Zollhaus an der Durlacher Straße. Bislang ist allerdings noch nicht einmal ein Kaufpreis für die Liegenschaft ausgehandelt, die seit Februar 2018 leer steht. Foto: Ehmann

Über die Relevanz dieses binnen weniger Jahre entstanden Mangels in der Durlacher Straße lässt sich streiten, wenn es um die Einrichtung einer neuen Kindertagesstätte für Pforzheim geht. Fehlende sanitäre Infrastruktur für Kinder, Wärmedämmung und damit Nebenkosten in einer denkmalgeschützten Immobilie sowie ein hoher Aufwand, auf der Freifläche des 3 100 Quadratmeter großen Grundstücks eine grüne Spieloase anzulegen, dürften da schon eher ins Gewicht fallen bei der Preisfindung.

Wir haben uns intensiv auseinandergesetzt mit dem baulichen Zustand der Gebäude und diesen in die Entscheidung zu einem Erwerb sowie den damit verbundenen Verhandlungen einfließen lassen
Stadt Pforzheim

Die städtische Bauverwaltung reagiert ausgesprochen schmallippig auf die Idee, sie könnte die Öffentlichkeit über solche Kriterien informieren. Man habe sich „intensiv auseinandergesetzt mit dem baulichen Zustand der Gebäude und diesen in die Entscheidung zu einem Erwerb sowie den damit verbundenen Verhandlungen einfließen lassen“, heißt es ganz bürgernah. „Mit Rücksicht auf die Gepflogenheiten im Grundstücksverkehr grundsätzlich keine Auskünfte zu internen Wertermittlungen und Kaufpreisvorstellung“ gibt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Bonn.

Kein Konkurrenz

Beide argumentieren, als befänden sie sich in direkter Konkurrenz mit all jenen, die tiefer in die Tasche greifen können, wenn es um ein großes Innenstadtgrundstück geht. Tatsächlich verhandelt aber nur Staat und Stadt, die überdies ein Verkaufsrecht zu einem verbilligten Preis hat, weil „der Grundstückserwerb unmittelbar zur Erfüllung einer öffentlichen Aufgabe dient, zu der die Kommune verpflichtet ist“.

Aktuell liegt der Ball in Bonn

Unterm Strich könnte dies bedeuten, dass sich der Preis deutlich in Richtung Untergrenze bewegen sollte, den Fachleute für den realen Markt spontan auf etwa eine Million Euro schätzen. Aktuell liegt der Ball wieder in Bonn. Ob das Angebot der Stadt nach deutlich mehr als eineinhalb Jahren zu einem Notartermin führt? Bei der Stadt will sich hierzu niemand aus dem Fenster lehnen.

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