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Stimmungsbild aus Pforzheim

Nicht nur wegen Allerheiligen sind einige nachdenklich

Ein Stimmungsbild aus dem Gottesdienst, von Friedhof und der Gedenkfeier in Pforzheim.

Nachdenklich: An Allerheiligen ist auf dem Hauptfriedhof von Pforzheim einiges los. Wegen Corona kommen einige Besucher ins Nachdenken. Foto: Susanne Roth

Es nieselt, der Himmel ist grau. Neben roten Grablichtern sitzt ein Bettler am Haupteingang der Pforzheimer St. Franziskus-Kirche. Er wird nach Beginn des Gottesdienstes verschwunden sein. Die vielen Gottesdienstbesucher, die an diesem besonderen katholischen Tag „Allerheiligen“ in das große Gotteshaus in der Innenstadt strömen nicht.

„Wir mischen das: Wir gehen in den Gottesdienst, nutzen aber auch Online-Angebote“, sagt Stefanie Rudert aus Eutingen. Die Atmosphäre eines Gottesdienstes vor Ort sei aber immer etwas Besonderes und natürlich etwas ganz Anderes.

So sehen es viele, die sich klaglos den Neuerungen fügen. So stehen sowohl Georg Herb (am Seiteneingang) als auch seine Frau Ursula (am Haupteingang) bereit, um wie immer als „Welcome-Team“ Dienst zu tun, ab diesem Sonntag aber auf den Desinfektionsständer und die Anmeldebogen hinzuweisen. „Das hätte man schon viel früher machen können“, ist Georg Herbs Meinung. Und so hört man eine Weile nichts anderes als das Klappern des Desinfektionsständers und teils schlurfende Schritte Richtung Kirchenbank.

Weniger Besucher möglich

140 Gottesdienstbesucher können kommen statt der 800. Und die Ränge füllen sich zusehends. Auch für Georg Herb ist die Gottesdienstzeit eine besondere, auch wenn er als „Naturwissenschaftler“ nicht an Wunder glaubt. Dafür sind die Heiligen, derer an diesem Tag gedacht wird und die an diesem Tag auch angebetet werden für ihn so etwas wie Vorbilder.

Der Regen lässt nach bis zum Nachmittag, eine Ahnung von Sonne dringt auf den Hauptfriedhof, wo sich durchs nasse Herbstlaub raschelnd viele Füße bewegen. „Es ist immer viel los an Feiertagen auf dem Friedhof“, sagt Annette H. aus Pforzheim. Allerheiligen und damit auch der Tag, an dem man der Verstorbenen gedenkt, hat „immer eine besondere Bedeutung für mich“, sagt die Pforzheimerin, die auch von Berufs wegen „mit dem Tod zu tun hat“. „Das gehört zum Leben dazu.“ Corona ändert für sie nicht viel, „aber es gibt bestimmt viele, die durch Corona noch mehr ins Nachdenken kommen“.

Waldemar Braun jedenfalls, der mit seiner Frau Svetlana das Grab Angehöriger besucht hat, kann zwar vom Feiertag her keinen Unterschied ausmachen, aber er findet schon, „dass die Laune etwas gedämpft ist“ und das steht für ihn durchaus in Zusammenhang mit der Pandemie.

Einige Wenige finden auch den Weg zur Gedenkveranstaltung in der Aussegnungshalle. Weit auseinander stehen die Stühle, maximal für 50 Personen, nicht alle sind besetzt, als Diakon Stephan Rist und Kaplan Thomas Stricker an den Altar treten. Der Kaplan wird in der nächsten halben Stunde davon sprechen, dass man sich der Vergänglichkeit zu unterwerfen hat, dass man aber auch zum Beispiel in der dunklen, feuchten Erde des Grabs ein Symbol für das Geheimnis des Lebens sehen kann. Im Anschluss werden die Gräber gesegnet.

Da ist immer noch jede Menge los auf den Wegen des weiträumigen Hauptfriedhofs. Dazwischen huschen die (fast zahmen) Eichhörnchen. Sie profitieren auf ihre Weise vom Feiertag – nicht nur eine Nuss rollt ihnen vor die Pfoten. Und dann können die Besucher beobachten, wie der Vorrat auch mal in der weichen Erde eines Grabs verbuddelt wird.

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