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Prorektorin Ingela Tietze

Hochschule Pforzheim wird klimaneutral: Kommt eine Seilbahn zum Bahnhof?

Die Hochschule Pforzheim macht Klimaneutralität zu einem Spitzenthema. Die neue Prorektorin entwickelt Pläne zum Landesziel, alle Landeseinrichtungen bis 2040 klimaneutral zu stellen.

Energetisch müssen die Gebäude der Hochschule Pforzheim noch gründlich überarbeitet werden. Foto: Axel Grehl

Zum Fenster raus heizen ist etwa so gut wie Wasser in den Bach tragen. Es bringt nichts, kostet aber – und diese Rechnung bezieht Ingela Tietze nicht nur auf den Gaspreis. Die Prorektorin der Hochschule Pforzheim denkt vor allem an den Kohlendioxidausstoß, „an die Carbonspur“, wie sie sagt.

Ingela Tietze ist für Energiemanagement und Klimaschutz verantwortlich. Dass die Hochschule diese Aufgabe im Dezember direkt im Rektorat verankert, macht sie einzigartig im Land. Höher als in Pforzheim ist das Ziel, bis 2040 klimaneutral zu werden, wohl an keiner Landeseinrichtung angesiedelt.

Das Signal, das Führungsspitze und Lehrende der Hochschule mit dieser Positionierung setzen, zielt ins Zentrum der Grundlagenarbeit, die sich Tietze vorgenommen hat. Es brauche zunächst das Bewusstsein für die Bedeutung des Vorhabens, sagt die Professorin für nachhaltige Energiewirtschaft.

Hocschule plant keine Solarzellen, prüft aber viele Heiz-Optionen

Konkret heiße das, dass jede und jeder an der Hochschule persönliches Verhalten in Bezug auf das große Ziel hin überprüft. Der Klima-Verantwortung gerecht zu werden, sei aber nicht nur eine Aufgabe von Einzelnen, sagt die neue Strategin für eine umweltfreundlichere Hochschule: „Strukturen und Organisation müssen diesem Ziel gerecht werden.“

Die Basis dafür – ein Konzept mit Maßnahmenkatalog – will Tietze im Sommer 2022 vorlegen. Sie untersucht dafür, wie geheizt wird, überprüft den Stromverbrauch in all seinen Verästelungen, schaut sich an, wie das Hochschulvolk von a nach b kommt und warum die Leute dafür Auto, Bus, Bahn, Fahrrad oder Flugzeug benutzen. Alles zusammen soll sie zu den Stellschrauben führen, die zum Klimaziel und zur Hochschule passen.

Solarzellen gehören wohl eher nicht dazu, vermutet Tietze bereits jetzt. Viel warmes Wasser wird nicht verbraucht an der Hochschule, und für die Heizphase ist die Kraft der Sonne nicht hinreichend.

Naheliegender, aber nicht unstrittig sei da schon, Gas durch Biogas zu ersetzen. Auch eine Wärmepumpe käme in Betracht, damit die Hochschule klimaneutraler wird. Aber darüber will die Prorektorin eigentlich noch gar nicht sprechen, solange keine genauen Analysen vorliegen.

„Wichtig ist, dass jetzt keine Dinge installiert werden, die etwas festsetzen für die Zukunft“, gibt Tietze vor. Das heiße natürlich nicht, dass nicht sofort Fensterkontakte an die Heizleistung gekoppelt werden können oder die CO2-Konzentration in den Hörsälen gemessen wird, damit passgenau gelüftet werden kann.

Prorektorin Ingela Tietze strebt Klimaneutralität an. Dafür überprüft sie die Heizungsanlage der Hochschule ebenso wie die Verkehrsströme. Foto: Axel Grehl

Für die Kosten der Klimaneutralität ist die Landesbauverwaltung zuständig

Die wirklich dicken Brocken bei der angestrebten 80-Prozent-Einsparung allein beim Heizen bezogen auf 1990 sind das aber nicht. Hier ist die Prorektorin auf Kooperation mit dem Amt für Vermögen und Bau angewiesen, das für die Hochschulgebäude verantwortlich ist.

Das hat den Vorteil, dass auch ein Gutteil der Kosten für den Umbau in Richtung Klimaneutralität dort verbucht wird. Andererseits fehle der positive Effekt im Hochschulbudget als Stimulation, den es zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen gibt, wo Tietze in Krefeld eine Professur hatte.

Gemessen am großen Ziel bis 2040 dürfte das verschmerzbar sein. „Klimaschutz gibt es nicht zum Nulltarif“, sagt die Professorin, die seit fünf Jahren an der Fakultät für Wirtschaft und Recht lehrt, wo eine effizientere Verwendung knapper Ressourcen an einem eigens eingerichteten Institut erforscht wird.

Dort entstand ab 2018 auch die Idee, die Hochschule per Seilbahn besser an die Stadt und den öffentlichen Nahverkehr anzubinden. „Das hätte eine tolle Wirkung, wäre ein Leuchtturm für eine coole, innovative Stadt“, sagt Tietze. Sie sei ein Fan der Idee, um die es seit der Präsentation 2019 sehr ruhig geworden ist. Entscheidend sei allerdings, wie groß die Klimaeinsparung im Verhältnis zu den Kosten ist.

Tietze beschäftigt sich seit ihrer Promotion am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) mit dem Thema Energiesystemanalyse und Umwelt. An der Hochschule Pforzheim kommt das jetzt offensichtlich richtig gut an.

Die 45-Jährige sagt, sie erlebe viele positive Reaktionen auf ihre Wahl zu Prorektorin mit dem Schwerpunkt Energiemanagement und Klimaschutz: „Man merkt, dass es viele Leute gibt, die sich damit befassen und Ideen haben.“

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