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Ehrenbürger ist gestorben

Werner Wild hat die Pforzheimer Kulturlandschaft maßgeblich geprägt

Werner Wild hat sich Kunst und Kultur in seiner Heimatstadt Pforzheim viel kosten lassen. Jetzt ist er im Alter von 94 Jahren gestorben.

Auszeichnung. Pforzheims damaliger Oberbürgermeister Gert Hager (links) verlieh dem Mäzen Werner Wild den Ehrenring der Stadt. Foto: Herbert Ehmann

Sei es das Stadtwappen an der Westseite des Rathauses oder die Plastik „Victoire“ von Heinz Mack auf dem Areal des Reuchlinhauses. Auch die Reuchlin-Denkmäler im Stadtgarten und vor der Schloßkirche sind gut sichtbare Schätze, die von der Großzügigkeit eines Mannes erzählen, der ganz entscheidend die Kulturlandschaft seiner Heimatstadt mitgeprägt hat.

Nun ist Werner Wild im Alter von 94 Jahren in Oberkirch gestorben.

Der Unternehmer Werner Wild war von 1952 bis 1989 Geschäftsführer und Inhaber der von seinem Vater 1924 gegründeten Firma Otto Wild. Kunst und Kultur zu fördern, waren ihm stets Herzensangelegenheit. Und alle großen Kultureinrichtungen der Stadt durften davon profitieren. Aber auch Museen, Galerien und unzählige Projekte wurden seit Jahrzehnten mit Wilds schier grenzenloser Spendenbereitschaft bedacht.

Oberbürgermeister Boch drückt der Familie Wild seine Anteilnahme aus

1999 gründete der Pforzheimer die Werner-Wild-Stiftung, die den Zweck verfolgt, kulturelle Aktivitäten nicht nur in seiner Heimatstadt zu fördern, sondern auch im Enzkreis sowie in Lichtenau, wo die Firma Otto Wild eine Zweigstelle hatte.

Nicht zuletzt dieser großherzige Akt war es, der die Verantwortlichen in der Goldstadt dazu bewog, Werner Wilds Verdienste besonders zu würdigen. Nach der Verleihung der Bürgermedaille im Jahr 2003, folgte 2016 der Ehrenring. Im Juni 2018 wurde Wild mit dem Ehrenbürgerrecht der Stadt Pforzheim ausgezeichnet.

Die Förderung der Kultur sei Wilds Beitrag zum Allgemeinwohl der Stadt, hatte Oberbürgermeister Peter Boch in seiner Laudatio damals gesagt. „Ich bedaure, dass wir diese herausragende Persönlichkeit verloren haben“, teilt das Stadtoberhaupt zum Tod Werner Wilds mit und drückt in einem Schreiben seine Anteilnahme gegenüber der Familie aus. „Der Tod eines so vorbildlichen und engagierten Mitbürgers stimmt mich überaus traurig“, zeigt sich Kulturdezernentin Sibylle Schüssler betroffen.

Die Werner-Wild-Stiftung hat für Pforzheim wertvolle Anschaffungen finanziert

Ihrem Mäzen verdankt die Goldstadt unter anderem auch den Ankauf eines wertvollen Papageien-Anhängers aus der Renaissance fürs Schmuckmuseum. Auch die Umbauten des Technischen Museums und des Alfons Kern Turmes wurden mit Geld aus der Werner-Wild-Stiftung finanziert.

Werner Wild hatte nicht nur ein großes Herz für Kunst und Kultur, er besaß auch einen feinsinnigen Humor, der besonders dann aufblitzte, wenn er vor größerem Publikum sprach. Wann immer es um kulturelle Angelegenheiten ging, meldete sich Wild zu Wort. Er wollte anregen, aber auch mitreden und er scheute nicht davor zurück, manchmal auch anzuecken.

Vor Jahren sorgte er für Furore, als er Einsparmöglichkeiten für kulturelle Einrichtungen in einer Broschüre zusammen fasste und diese an Mitglieder des Gemeinderats, Bürgermeister und Kulturschaffende sandte. Ein Hauptanliegen war für ihn damals, kulturelle Aktivitäten im Reuchlinhaus zu konzentrieren, das er gerne als Kulturzentrum gesehen hätte.

Immerhin: Sein Wunsch, dass die Edelstahlskulptur des Künstlers Heinz Mack als eine Art Visitenkarte des „Kulturzentrums Reuchlinhaus“ prominent dort aufgestellt würde, wurde ihm vor einigen Jahren erfüllt.

Ohne Sie wäre die Stadt nicht das, was sie heute ist.
Peter Boch, Oberbürgermeister

„Ohne Sie wäre die Stadt nicht das, was sie heute ist“, hatte OB Boch den neuen Ehrenbürger bei der Feier damals gewürdigt. Und der Geehrte gab den Dank an seine Heimatstadt zurück. Die Stadt habe ihm immer viel Raum zur Verwirklichung seiner Vorhaben gelassen. Und er habe etwas zurückgeben wollen, „in guten und in schlechten Zeiten“.

Wild hinterlässt Ehefrau Erika, drei Kinder und Enkel. Die Trauerfeier fand im engsten Familienkreis statt.

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