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Eigenes Flair in Karlsruhe

Auf dem Durlacher Weihnachtsmarkt können die Besucher ins Mittelalter abtauchen

Seit Dienstag hat der Weihnachtsmarkt in Karlsruhes größtem Stadtteil Durlach wieder geöffnet. Prasselndes Lagerfeuer und Kerzenlicht machen das Flair besonders. Und der mittelalterliche Markt lockt nicht nur Besucher aus Durlach.

Der Mittelalterliche Weihnachtsmarkt lockt nicht nur Besucher aus Durlach. Bis zum 22. Dezember gibt es neben der Karlsburg ein buntes Treiben mit Gauklern, Schwertspielern, Handwerkern und Musikern. Foto: Donecker

Seit Dienstag hat der Weihnachtsmarkt in Karlsruhes größtem Stadtteil Durlach wieder geöffnet. Prasselndes Lagerfeuer und Kerzenlicht machen das Flair besonders. Und der mittelalterliche Markt lockt nicht nur Besucher aus Durlach.

Noch sind die Badezuber leer. Lange dauert es aber nicht mehr, bis Gäste in den Holzbadewannen Platz nehmen. „Die ersten habe sich schon angemeldet“, sagt Peter Paffen. Der sehr große, sehr kräftige Mann mit den langen Haaren, den einige Kollegen liebevoll Obelix nennen, ist der Bader der mittelalterlichen Weihnachtsstadt. Diese ist seit Dienstag neben der Karlsburg in Durlach geöffnet.

Es ist es noch zu warm für heiße Getränke.
Zwei bis drei Grad Außentemperatur fände Marktbeschicker Peter Paffen ideal

Paffen wird seine Gäste aber nicht wie das mittelalterliche Vorbild einseifen und abschrubben, sondern ihnen Met und andere süffige Spezialitäten servieren. Die gibt es auch in Paffens Taverne neben dem Badehaus. „Es ist es noch zu warm für heiße Getränke“, sagt er. Temperaturen von zwei, drei Grad wären ideal. Auch über Schneeflocken würde er sich freuen. Nur bitte kein Wind und kein Regen.

Bühnenprogramm bis 22. Dezember

Nicht nur bei Peter Paffen können Besucher seit Dienstag in eine Traumwelt abtauchen. Bis kurz vor Weihnachten beherrscht der Mittelalterliche Weihnachtsmarkt die Szenerie im Herzen von Durlach. Prasselndes Lagerfeuer, Kerzenlicht, Gaukler, Ritter der Badischen Schwertspieler, Bogenbauer Gigi, Armbrustschütze Baldassare und viele andere versüßen den Menschen die Adventszeit.

Dazu lockt bis Sonntag, 22. Dezember, ein Bühnenprogramm, das von Vereinen, Künstlern und Bands gestaltet wird. „Wir haben neue Mittelalterbands dabei“, sagt Benjamin Lindig vom Organisationsteam.

Die Besucher erleben bei uns etwas anderes und können entschleunigen. Das schätzen nicht nur die vielen Stammgäste.
Benjamin Lindig vom Organisationsteam

Dass die Durlacher etwas Besonderes auf die Beine stellen, hat sich längst herumgesprochen. „Das macht sich Jahr für Jahr mehr bemerkbar. Wir haben diesmal noch mehr Anmeldungen von Busunternehmen, die nachfragen, wo sie ihre Gäste aussteigen lassen können“, berichtet Lindig.

In seiner Werkstatt zeigt Manfred Jenz wie man mittelalterliche Bogen baut. Jeder Bogen ist ein Unikat. Foto: Donecker

Das Thema Mittelalter locke nach wie vor Menschen, gerade in der Weihnachtszeit sei es für viele attraktiv, findet er. „Die Besucher erleben bei uns etwas anderes und können entschleunigen. Das schätzen nicht nur die vielen Stammgäste.“

Mittagspause auf dem Weihnachtsmarkt

Im „Gaumenschmaus“ von Harald Welker dampft es bereits eine halbe Stunde nach Öffnung. Bereits seit 9 Uhr wirbelt Welker am Stand: „Putzen, vorbereiten, brutzeln – zur Mittagszeit muss alles fertig sein.“ Wenn die Hungrigen kommen, muss es schnell gehen. Viele Durlacher verlagern ihre Mittagspause in der Adventszeit auf den Weihnachtsmarkt.

Gemüseschupfnudeln, Specksauerkraut und Welkers Spezialität, die „Wilden Kartoffeln“ – der Mann aus Ravensburg setzt seit gut zwölf Jahren auf diese Speisen: „Die Leute suchen das Altbewährte. Sie wissen genau, was sie am Stand erwartet. Außerdem kann man das Rad nicht immer neu erfinden.“ Warum der Markt so beliebt ist, liegt für Welker und seine Kollegen auf der Hand: „Das Feuer ist angenehm, es ist gemütlich, heimelig und urig.“

Die Leute suchen das Altbewährte. Sie wissen genau, was sie am Stand erwartet.
Harald Welker vom Stand "Gaumenschmaus"

Am Stand gegenüber von Welker holt Karl-Heinz Jünger die erste Ladung duftender Fladenbrote aus dem Ofen, eine Kundin wartet schon auf den herzhaften Snack. „Wir nehmen ausschließlich Dinkelmehl und natürliche Zutaten – nur der Speck ist geräuchert“, berichtet der Beschicker aus Metzingen. Verarbeitete Lebensmittel kommen ihm nicht auf die Fladen.

Besser als je zuvor

Später wird er noch Dinkelbrote, die ebenfalls viele Fans haben, in den Ofen schieben. Hier werden keine kleinen Brötchen gebacken: Es sind ordentliche ein Kilo schwere Brotlaibe. „Wir spielen nicht, wir backen“, scherzt Jünger und kann sich ein tiefes Lachen nicht verkneifen. Gut gelaunt war er auch nach dem Auftakt des Weihnachtsmarktes: „Der erste Tag war besser als je zuvor, ich war verwundert.“

Harald Welker serviert seit gut zwölf Jahren seine Spezialitäten in Durlach. Foto: Donecker

Auch in den Kesseln von Henni Speck dampft es. Es ist allerdings nichts zum Essen. Die Schweizerin aus St. Gallen färbt Stoffe, aus denen sie mittelalterliche Gewänder näht. Im einen Topf köchelt Reseda, die Pflanze gibt die Farbe Gelb. Im zweiten Topf wird Stoff mit Indigo gefärbt.

Den haben wir neu auf der Karte, und der haut ganz schön rein, wie wir gestern festgestellt haben.
Erzählerin Uta Christ über ihren Glühgin

Erzählerin Uta Christ hat noch Zeit bis zur ersten Märchenstunde. Diese nutzt sie, um in der Schänke „Zur Mär“ alles vorzubereiten und den Glühgin mit Orangen, Apfelsaft und Gewürzen in ihrem Zauberkessel anzusetzen. „Den haben wir neu auf der Karte, und der haut ganz schön rein, wie wir gestern festgestellt haben“, sagt Christ und schmunzelt.

Neu in der mittelalterlichen Weihnachtsfamilie ist Benjamin Wilpert aus Neuenbürg im Enzkreis. Er hat Naturseifen aus seiner Manufaktur Decoris Sapor dabei. „Wir haben uns im Juli gegründet, und der Dienstag war unser erster Verkaufstag überhaupt“, erzählt er. Über die Zusage aus Durlach hat er sich gefreut. „Jetzt habe ich vier Wochen Zeit mir das Ganze anzuschauen.“

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