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Corona-Pandemie

Krisenfeste Kleingärtner in Karlsruhe haben Zeit für ihr Hobby

Die Kleingärtner in Karlsruhe sind von den Einschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie kaum betroffen. Gefeiert werden darf auf den Parzellen zwar nicht, dafür haben die Pächter genügend Zeit zum Gärtnern, Säen und Pflanzen.

Kleingärten werden während der Corona-Krise gut gepflegt. Foto: eki

Die Kleingärtner in Karlsruhe sind von den Einschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie kaum betroffen. Gefeiert werden darf auf den Parzellen zwar nicht, dafür haben die Pächter genügend Zeit zum Gärtnern.

Die beiden Hochbeete sind bepflanzt, und im kleinen Gewächshaus sind die ersten Salate bald erntereif. Auch sonst ist der Kleingarten von Marina Albrecht an der Auffahrt zur Wasserwerkbrücke bereits Mitte April bestens bestellt.

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Die Beete auf dem Boden sind geharkt und gedüngt, die gepflasterten Wege gefegt und gewischt und die meisten der Büsche und Bäume haben bereits einen Frühjahrsschnitt erhalten. Um ihr Bienenvolk kann sich Albrecht in diesen Tagen auch noch kümmern, denn schließlich will die Hobbygärtnerin in diesem Sommer neben Salat und Gemüse auch noch Honig ernten.

So viel Zeit wie in diesem Jahr haben wir noch nie in unserem Garten verbracht.
Silver Gieter, Kleingärtnerin

Auf der anderen Straßenseite ist Silver Gieter ebenfalls mit der Gartenarbeit beschäftigt. Frostsicheres Gemüse setzen steht am Wochenende ebenso auf dem Programm wie die letzten Aufräumarbeiten rund um das schmucke Gartenhäuschen.

„So viel Zeit wie in diesem Jahr haben wir noch nie in unserem Garten verbracht“, sagt Gieter mit einem Schmunzeln. „Aber wir können sonst ja auch nichts Anderes machen.“ Langweilig werde es ihr im Kleingarten während der Corona-Krise aber ganz bestimmt nicht. „Hier gibt es immer was zu tun“, sagt Gieter.

Außerdem könne man nach einem körperlich anstrengenden Gartentag auch ausgezeichnet die Füße und die Seele baumeln lassen.

Maximal fünf Personen pro Parzelle

Auch in anderen Karlsruher Kleingartenanlagen herrscht in diesen Tagen Hochbetrieb. Gutes Wetter und mangelnde Freizeitalternativen treiben die Hobbygärtner beinahe täglich auf ihre Parzellen. Mit Schubkarren werden die Utensilien für die Bewirtschaftung der Beete oder die Renovierung der Gartenhäuser von den Parkplätzen auf die einzelnen Grundstücke geschafft. Überall wird geschnitten, gemäht, gefegt, geharkt, gesät und gepflanzt.

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Probleme mit der Einhaltung der Hygienevorschriften gibt es trotz der großen Betriebsamkeit keine. Auf ihren Parzellen bleiben die Leute unter sich und der Bezirksverband der Gartenfreunde Karlsruhe hat auch klare Vorgaben für die Gärtnerei während der Corona-Krise gemacht: Auf einer Parzelle dürfen sich maximal fünf Personen aus einem Haushalt aufhalten.

Besuch von Freunden oder anderen Gartenpächtern ist nicht gestattet. Über den Zaun hinweg ist ein Schwatz mit den Gartennachbarn unter Einhaltung des Sicherheitsabstands vom 1,50 Meter aber auch während der Corona-Krise erlaubt.

Verstöße sind bislang nur absolute Ausnahmen.
Alfred Lüthin, Bezirksvorsitzender der Karlsruher Gartenfreunde

„Über 99 Prozent der Kleingärtner halten sich an diese Vorgaben. Verstöße sind bislang nur absolute Ausnahmen“, sagt Alfred Lüthin. Für den Bezirksvorsitzenden der Karlsruher Gartenfreunde hat die Corona-Krise positive Auswirkungen auf das Erscheinungsbild der zahlreichen Kleingärten. „So gut wie in diesem Jahr waren die Anlagen Mitte April noch nie in Schuss“, sagt Lüthin.

Als „Krisengewinnler“ möchte Lüthin die Kleingärtner zwar nicht bezeichnen, aber zumindest hätten die strikten Vorgaben zur Eindämmung der Corona-Pandemie so gut wie keine negativen Auswirkungen auf das Gärtnerleben. „Gerade für Leute mit einer Innenstadtwohnung ist es wichtig, dass sie in diesen schwierigen Zeiten einen Anlaufpunkt an der frischen Luft haben und sich körperlich betätigen kennen“, bringt Lüthin die positiven Effekte der Gartenarbeit in Krisenzeiten auf den Punkt.

In Karlsruhe gibt es 1.000 Kleingärten zu wenig

Kurzfristig einen Kleingarten zu pachten ist während der Krise allerdings so gut wie ausgeschlossen. Zum einen gibt es für den Bedarf in Karlsruhe laut Lüthin ohnehin bereits 1.000 Kleingärten zu wenig. Zum anderen könnten für die wenigen freien Parzellen in entlegeneren Anlagen wegen der Schutzvorschriften keine Besichtigungstermine angeboten werden.

Petra Kerth hat Glück gehabt. Im Herbst erhielt die den Zuschlag für eine Parzelle in der Kleingartenanlage Durlach-Süd, die sie nun gemeinsam mit ihrer Tochter bewirtschaftet.

„Wir verbringen sehr viel Zeit hier. Und Zeit haben wir momentan ja genug“, sagt Kerth. In den vergangenen Wochen hat sie den Kleingarten bereits nach ihren Plänen umgestaltet, das nächste Projekt ist das Anlegen von mehreren Kräuterbeeten. Hilfe erhalten die beiden Kleingärtnerinnen dabei vom Petra Kerths Enkel, der auf dem frisch gemähten Rasen auch nach Herzenslust herumtoben darf.

„So kommt der Junge wenigstens regelmäßig an die frische Luft“, sagt Petra Kerth. „Während der Krise ist ein Kleingarten eben ein echtes Privileg."

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