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„Wir müssen mehr tun“

Der Landkreis Karlsruhe beschleunigt seine Klimaziele

Die Fraktionen im Kreistag ziehen fast alle an einem Strang: Der Klimaschutz gilt dort als großes Gemeinschaftsprojekt. Die Hebel sollen noch stärker angezogen werden.

Aus der Sonne soll die Energie kommen: Von Photovoltaik verspricht sich der Landkreis Karlsruhe im Gegensatz zu Windrädern einiges an Potenzial, um seine Klimaziele 15 Jahre früher zu erreichen. Foto: Gabbert/dpa

Der Landkreis Karlsruhe meint es ernst. Seine Klimaziele sollen schon 15 Jahre früher als geplant umgesetzt werden. Das Ziel lautet „zeozweifrei 2035“. Dieses Vorhaben beschloss der Kreistag bei seiner jüngsten Sitzung in Bruchsal.

Das Restbudget an CO2 von 22 Millionen Tonnen reicht Berechnungen der Umwelt- und Energieagentur Kreis Karlsruhe zufolge nur noch fünf Jahre aus. „Wir müssen mehr tun“, betonte Landrat Christoph Schnaudigel.

Schon 2014 legte sich der Landkreis darauf fest, den Energiebedarf nachhaltig zu senken und den Rest aus regionalen erneuerbaren Energien zu schöpfen. 15 Prozent CO2 wurden seither eingespart - etwa durch konkretes Vorgehen beim European Energy Award. Ein klimaneutraler Gebäudebestand sei bis 2035 kaum machbar, ergänzte Schnaudigel. Daher müsse man sich um die erneuerbaren Energien kümmern.

Landkreis sieht Potenzial in den Kommunen

Die Grundlage für das neue Ziel ist das Klimaschutzpapier der Umwelt- und Energieagentur. Darin werden die bereits bestehenden sowie weitere erforderliche Aktivitäten aufgeführt. Diese sollen gemeinsam vom Landkreis, seinen Kommunen und den Stadtwerken Bruchsal, Bretten und Ettlingen angegangen werden. So gebe es genug Potenzial, um eine klimaneutrale Energieversorgung aufzubauen, sagte Landrat Christoph Schnaudigel.

Vier Handlungsfelder stehen dabei im Vordergrund: der Ausbau regionaler Wärme und Fotovoltaik, eine Strategie für nachhaltiges Bauen und Sanieren sowie für nachhaltige Mobilität. In der Story Map, die seit Donnerstag auf der Website des Landkreises zu finden ist, können sich Bürger über Möglichkeiten vor Ort informieren.

Breite Mehrheit unterstützt Klimaziele

Der Großteil des Gremiums stimmte der Einschätzung zu, bis auf vier Stimmen, die allesamt aus der AfD-Fraktion stammen. Für Sebastian Schrempp von der CDU-Fraktion steht fest, „dass es schneller gehen muss“. Gemeinsam habe man bereits größere Fortschritte gemacht, als es eine Kommune alleine geschafft hätte.

Glaubwürdig wird das Ganze aber nur, wenn die, die das Vorgehen entscheiden, auch mit gutem Beispiel vorangehen.
Sebastian Schrempp, CDU-Fraktion und Oberbürgermeister der Stadt Rheinstetten

„Glaubwürdig wird das Ganze aber nur, wenn die, die das Vorgehen entscheiden, auch mit gutem Beispiel vorangehen“, so Schrempp - etwa dann, wenn die Verantwortlichen selbst Fotovoltaik auf dem Dach hätten oder mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Die Energiewende habe mit Veränderung zu tun.

„Es ist der richtige Zeitpunkt, das Ziel auf 2035 zu legen“, sagte Cornelia Petzold-Schick, Freie Wähler. Das sei eine ambitionierte Aussage, für Kommunen bedeute das einen konkreten Handlungsauftrag. Man müsse nicht nur die Unternehmen einbinden, sondern auch die Bürger auffordern, ihren Teil zu leisten. „Da wird es unbequem“, so Petzold-Schick.

Der Klimaschutz ist nicht nur moralisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich.
Christian Eheim, SPD-Fraktion und Bürgermeister von Graben-Neudorf

„Der Klimaschutz ist nicht nur moralisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich“, betonte Christian Eheim für die SPD-Fraktion. Die Beteiligung der Bürger sei gerade bei Themen wie der Tiefengeothermie als alternative Energiequelle wichtig. „Wir müssen die Ängste der Menschen aufnehmen. Aber wir dürfen Technologien nicht automatisch ablehnen“, so Eheim.

Unterstützung für die Beschleunigung der Klimaziele kam auch von den Grünen und der FDP. Für die AfD wiederum seien einige Vorhaben nicht machbar, wenn man den Lebensstandard in der Region halten wolle.

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