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Abstandsregeln

Distanzierter Ostersamstag: Karlsruher halten sich mehrheitlich an Corona-Regeln

Am Ostersamstag hält sich die große Mehrheit der Karlsruher an die Corona-Regeln. Trotz Sonne kommen weniger Menschen in Parks als normal. Die Polizeibehörde erhält Zuspruch, Straßenmusiker flüchten ins Grüne und manche Menschen sorgen für ein Schmunzeln.

Der Kommunale Ordnungsdienst kontrolliert in den Grünanlagen der Stadt. Foto: jodo

Die Titelmelodie des Kinohits „Fluch der Karibik“ schallt am Samstagnachmittag weit hörbar durch die Günther-Klotz-Anlage. Vadim spielt sie auf seiner Geige. Normal wäre er an diesem Tag in der Fußgängerzone. Doch seit die Corona-Krise die Einkaufsstadt lahmlegt, lohnt sich das nicht mehr.

„Das hier ist besser, als depressiv zuhause zu sitzen“, sagt er. Vergleichen mit dem Platz in der City lässt sich das Freiluftkonzert nicht. „Es ist deutlich weniger los als sonst an so sonnigen Wochenenden“, urteilt Gabi Simon, die für die Polizeibehörde der Stadt gemeinsam mit ihrem Kollegen Christian Kappesser ein Auge auf die Grünanlage wirft.

Polizeibehörde hat wenig zu beanstanden

Im Blick haben die beiden vor allem die Einhaltung der Corona-Regeln. Viel zu tun haben sie damit am Samstag aber nicht. „Die große Mehrheit hat sie verinnerlicht“, berichtet Kappesser.

Auf der Wiese spielen zwei junge Männer Volleyball, eine Familie sitzt auf einer Decke, ein Pärchen spielt Beachtennis. Wer es sich bei strahlendem Sonnenschein draußen bequem macht, geht trotzdem wie verlangt auf Distanz.

Drei Freunde, zwei Meter: Abstand in der Kleingruppe

Das zeigt sich auch an anderen Stellen der Stadt: Vor dem Schloss sitzt Insa auf dem Gras – zwei Meter entfernt haben ihre Freunde Benny und Freddy eine Decke ausgebreitet. „Wir achten schon auf den Abstand“, erzählt Insa. Sie ist dankbar, dass sie überhaupt in der Sonne sitzen kann. Ihre Familie lebt im französischen Nantes, dort sind die Regeln deutlich schärfer.

„Ich wohne zehn Minuten vom Schloss und komme fast jeden Tag her“, sagt sie. „Gefühlt halten sich hier alle an die Abstände.“

Ein Blick über den Platz bestätigt den Eindruck. Die meisten Bänke sind voll, einige sitzen auf dem Rasen, mehr als die erlaubten zwei Menschen kommen sich nirgends nahe. Das gilt auch für die drei älteren Herren, die sich das Boule spielen nicht verderben lassen wollen.

Fingerspitzengefühl: Nicht alle Regeln sind eindeutig

„Wir diskutieren auch manchmal“, sagt Gabi Simon. „Zum Beispiel als wir drei Männer gesehen haben, die einen Fußball hin- und hergekickt haben. Sie standen weit auseinander, wir haben sie dann gelassen.“

In vielen Situationen komme es ohnehin darauf an, menschlich zu bleiben und Fingerspitzengefühl zu zeigen, ergänzt ihr Kollege. Deshalb suchen die beiden immer erst das Gespräch. Mit Bußgeldern mussten sie zwar schon drohen, ausgesprochen haben sie aber noch keine.

„Es ist für alle schwierig und ungewohnt“, so Kappesser. In der Günther-Klotz-Anlage haben sie am Ostersamstag leichtes Spiel. Es gibt nichts zu beanstanden. Zumindest nichts, was mit den Corona-Regeln zu tun hat.

Mehrfach ermahnt das Duo Autofahrer, die zu schnell in Richtung ihrer Kleingärten unterwegs sind. Auch zwei E-Scooter halten sie an – Alltagsgeschäft als gäbe es kein Corona.

Menschen suchen Absicherung

Die Kontaktsperren spielen trotzdem eine Rolle, weil so mancher bei Simon und Kappesser nachfragt, um sich abzusichern. Ob man die Grünanlage denn noch betreten dürfe, fragt ein Vater. „Derzeit ist das gar kein Problem“, lässt ihn Simon wissen. Wie es am nächsten Tag aussieht, darauf will sie sich aber nicht festlegen. „Das ändert sich ja dauernd. Wir bekommen immer morgens ein Briefing mit den aktuellen Regeln“, erklärt sie.

Clowns an der Alb

Während Simon und Kappesser sinnbildlich für den Ernst der Lage stehen, sorgen zwei Damen mittleren Alters einige hundert Meter albaufwärts für schmunzelnde Gesichter. Mit einer roten Nase im Gesicht, einem bunten Schirm in der Hand und einem Mundschutz haben sich die beiden, die sich Socke und Rosa nennen, an den Weg gestellt.

Zaubern den Menschen ein Schmunzeln ins Gesicht: Zwei Clowns, die sonst in der Pflege arbeiten. Foto: pschuett

„Man braucht gerade in schweren Zeiten Aufmunterung“, findet Socke. Eigentlich arbeitet sie als Pflegerin in einem Heim für behinderte Menschen. „Um die manchen wir uns natürlich besonders Sorgen.“ Deshalb möchte sie am Samstag anderen helfen, negative Gedanken wenigstens kurz zu vergessen. „Das Ordnungsamt weiß Bescheid. Wir dürfen nur keine Ansammlung forcieren“, sagt Socke.

Auch Tischtennisplatten werden abgesperrt

Auf dem Basketball-Platz in der Günther-Klotz-Anlage spannt derweil Christian Kappesser das Absperrband neu. Dann räumt er eine halb volle Weinflasche weg. Beides sind Spuren der vergangenen Nacht. Um 21 Uhr war das Duo der Polizeibehörde in dem Park, „vermutlich ist das danach passiert“.

Wie hier kontrollieren die beiden regelmäßig abgesperrte Bolz- und Spielplätze. Auch Tischtennisplatten haben sie erst in dieser Woche mit Sperrhinweisen versehen. „Das war zu Beginn schon etwas surreal“, erzählt Kappesser.

„Es ist ein seltsames Gefühl, wenn man einen Vater wegschicken muss, der dort allein mit seinen beiden Kindern spielt“, ergänzt Simon. Doch Widerspruch gibt es selten, im Gegenteil. „Wenn sich mal einer beschwert, nehmen uns andere in Schutz“, berichtet Kappesser. „Der Zuspruch tut schon gut.“

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