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KOLUMNE "ZUSAMMEN ZUHAUSE"

E-Mail für Dich: Elternvertreter vor neuen Herausforderungen

Abrupt und ohne große Erfahrungen mit den technischen Möglichkeiten begann vielerorts das Homeschooling. Die Aufgaben landeten in den ersten Tagen meist im E-Mail-Verteiler der Elternvertreter. Bei der Fülle an Material und Möglichkeiten durchaus deine Herausforderung.

In der Kolumne "Zusammen zuhause" berichten die BNN-Redakteure über ihren Alltag in Zeiten des Coronavirus. Foto: peterschreiber.media/Adobe Stock, imago (Montage)

Schule war gestern – dachte ich. Mein Sohn ist 22, meine Tochter 15 und glücklicherweise raus aus dem Alter, in dem Mama bei Hausaufgaben um Rat gefragt wird. Analog ging im Laufe der Jahre auch mein Pensum als Elternvertreterin zurück. Die Teenager regeln das meiste selbst. Doch dann kam Corona – und vieles zurück auf Anfang.

Mannigfache Arbeitsanweisungen trudeln ein - alles für alle

Es ist Montagmorgen, als Baden-Württembergs Schüler zum vorerst letzten Mal in der Schule einlaufen müssen. Und mich die ersten Aufgaben erreichen. Sie gehen per E-Mail an die Elternvertreter mit der Bitte um Weiterleitung. Die Lehrer geben sich viel Mühe: Bis kurz vor 23 Uhr trudeln weitere Arbeitsanweisungen ein, die ich zwischen Homeoffice und Essenszubereitung auf den Weg bringe – prompt und überwiegend in die gewünschte Richtung.

Alltag im Ausnahmezustand: Schulen und Kitas sind geschlossen, die Eltern arbeiten von zu Hause, soziale Kontakte sind tabu und manche Menschen kaufen Supermarktregale leer. Das Leben folgt ganz neuen Regeln. Wie verändern sich dadurch unser Zusammensein und unser Alltag? BNN-Redakteure in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen und mit verschiedenen Familienkonstellationen teilen hier ihre ganz persönlichen Beobachtungen aus ihrem Alltag in Zeiten von Corona.

Eine Lehrerin fügt eine Liste der Schüler an, die sie unterrichtet: Die Klasse teilt sich in Französisch oder Latein, in mono- oder bilingual, in NwT, IMP oder Italienisch sowie verschiedene Formen von Religions- und Ethikunterricht. Ich ignoriere die Liste. Mein Pendant der Parallelklasse stellt klar, dass auch er das Programm weiter an alle verteilen wird. Die Gefahr, dass ein Schüler Aufgaben erledigt, die nicht für ihn gedacht sind, sei schließlich gering.

Ich bin wieder da, wo ich nie mehr sein wollte

Üppig ist das Pensum: Täglich erreichen uns weitere E-Mails. Von Biologie bis WBS, Kunst und Sport ist alles dabei. Meine Tochter verbringt die ersten Tage brav am Schreibtisch zwischen Laptop und hunderten Arbeitsblättern. Ich werde zur deutsch-französischen Freundschaft befragt, zum Potenzrechnen, zur politischen Entwicklung der Nachkriegszeit...und bin plötzlich wieder da, wo ich nie mehr sein wollte.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

Vor allem, als das, was Spaß macht, erledigt ist, die ersten Lehrer Ergebnisse anmahnen, der Berg an Aufgaben weiter wächst und sich bei meiner 15-Jährigen der Frust seinen Weg bahnt. Lernvideos, die nicht laufen. Texte, die mühsam getippt werden müssen. Lehrer, die übers Ziel hinaus geschossen sind. Fehlende Kommunikation und überhaupt die missliche Situation, die Teenagern vieles nimmt, was ihr Leben bislang ausmachte – das ergibt eine hochexplosive Mischung

Fazit: Nach jeweils 60 ein- und ausgegangenen E-Mails zum Thema Schule knapp drei Wochen, vielen Diskussionen und neuen Herausforderungen freue ich mich auf die Osterferien. Und darüber, dass unser Gymnasium danach über eine elektronische Lernplattform kommunizieren möchte.

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