Skip to main content

„Zeozweifrei im Quartier“

Energiewende in Ettlingen: Nahwärme für bis zu 400 Wohnungen

Ein ökologisches Vorzeigeprojekt ist das Musikerviertel, wo mehr und mehr Wohnungen und öffentlichen Gebäude mit klimaneutraler Nahwärme versorgt werden. Lob und Geld dafür gab es aus Berlin.

Wärmenetz fertig: Mit CO2 freier Nahwärme versorgt wird nicht nur das Berufliche Bildungszentrum des Landkreises Karlsruhe, sondern auch das Musikerviertel. 200 Wohneinheiten sind schon angeschlossen, weitere sollen folgen. Foto: We are nerdisch Gondelsheim

Mit dem Wein aus unseren Breiten, da hatte die Staatssekretärin aus dem Bundesumweltministerium, Rita Schwarzelühr-Sutter, beim Termin im Ettlinger Musikerviertel ihre Schwierigkeiten. Denn sinngemäß erklärte sie, wenn der Klimawandel weitergehe wie bisher, werde nicht nur Südbaden, sondern auch Nordbaden einen guten Wein produzieren. Das wollten weder Stadtwerke-Geschäftsführer Eberhard Oehler noch Landrat Christoph Schnaudigel unkommentiert lassen: Erstgenannter verwies auf den Qualitäts-Riesling aus hiesigen Gefilden, letztgenannter auf die feinen Tropfen aus dem Kraichgau. Das waren aber schon die die einzigen kleinen Nickligkeiten bei der offiziellen Inbetriebnahme der Heizzentrale im Beruflichen Bildungszentrum (BBZ) des Landkreises Karlsruhe.

Vier Millionen Euro Förderung für das Projekt

Sie ist das Herzstück der Versorgung eines ganzen Viertels auf umweltfreundlicher Nahwärme-Basis. Knapp sechs Millionen Euro wurden für „zeozweifrei im Quartier“ von den Stadtwerken aufgewendet, aus dem Berliner Ministerium kamen vier Millionen Euro finanzielle Unterstützung. Entsprechend froh Eberhard Oehler, für den es das letzte große Projekt vor seinem Ruhestand in wenigen Monaten ist. Seit dem Bau des Fernwärmenetzes in der Innenstadt vor fast vier Jahrzehnten sei es das größte Wärmenetz in Ettlingen. Betrieben werde es auf Basis erneuerbarer Energien.

Bislang sind 200 Wohneinheiten angeschlossen

„Ohne die großzügige Förderung wäre diese Lösung nicht gekommen“, betonte Oehler. Rund 1.800 Tonnen CO2 könnten jetzt jährlich eingespart werden. In seinen Dank schloss er den verhinderten Aufsichtsratsvorsitzenden Johannes Arnold ein, der sich „vehement für das Projekt eingesetzt hat“, sowie die Energieagentur des Landkreises Karlsruhe als Partner der Stadtwerke. An die neue Heizzentrale angeschlossen sind bislang 200 Wohneinheiten, darunter die neuen Wohnungen , die derzeit auf dem Festplatz entstehen.

Auch Kita auf dem Festplatz wird klimafreundlich versorgt

Neben den BBZ beziehen schon die Wilhelm-Lorenz-Realschule Nahwärme sowie drei Neubauten der Alba-Wohnungsbaugenossenschaft und einige Privathäuser. Die Kita auf dem Festplatz soll im kommenden Jahr genauso folgen wie weitere Wohnungen. Insgesamt könnten rund 400 Wohneinheiten von der klimafreundlichen Versorgung profitieren. Man registriere bereits vermehrt Interesse von Wohnungseigentümern, bei denen eine Modernisierung ihrer Heizanlage anstehe.

Wir brauchen das Engagement von Allen.
Rita Schwarzelühr-Sutter, Bundesumweltministerium

Staatssekretärin Schwarzelühr-Sutter stimmte Oehler dahingehend zu, dass neben Anreizen für die Energiewende auch eine CO2-Bepreisung sinnvoll sei. „Wir brauchen das Engagement von Allen, um voranzukommen.“ Ziel sei CO2-Freiheit bis zum Jahr 2050. Ein Nahwärmenetz, wie das im Musikerviertel mit 97 Prozent Versorgung aus erneuerbaren Energien, sei „vorbildlich . Bürgermeister Moritz Heidecker sprach von einem „Paradebeispiel für die Energiewende auf kommunaler Basis“, dessen Anfänge ins Jahr 2013 zurückreichen, als die ersten Gespräche mit dem Landkreis Karlsruhe in der Sache geführt wurden.

Wir wollen als Landkreis nicht nur Energieberatung machen.
Christoph Schnaudigel, Landrat

Dessen Vertreter, Landrat Christoph Schnaudigel, ließ wissen, es gebe inzwischen 27 Quartierskonzepte im Landkreis Karlsruhe, sieben davon in eigenen Liegenschaften wie dem BBZ . „Wir wollen als Landkreis nicht nur Energieberatung machen, sondern mit konkreten Projekten zum Klimaschutz beitragen.“ Die Investition in Ettlingen rechne sich, so Schnaudigel, denn sie spare dem Landkreis jährlich Energiekosten von rund 50.000 Euro. Oehler kündigte sodann an, noch im November gemeinsam mit der Energieagentur des Kreises ein Wärmekonzept für die Stadt Ettlingen präsentieren zu wollen.

nach oben Zurück zum Seitenanfang