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Teure Reparaturen

Nach Sturmtief "Sabine": Betrügerische Dachdecker in Ettlingen unterwegs

Gelegenheit macht Diebe: Das Sturmtief „Sabine“, das vor einigen Tagen die Region heimgesucht hat, haben Betrüger als Gelegenheit gesehen, Reparaturleistungen anzubieten, die gar nicht nötig sind. Der Verbraucherzentrale sind solche "Dachhaie" bestens bekannt. Die Polizei ermittelt.

Abgedeckt und abgezockt: Sogenannte „Dachhaie“ täuschen Sturmschäden vor, um Bürgern teure Reparaturleistungen aufzuzwingen. Die Verbraucherzentrale warnt, sich bei solchen „Haustürgeschäften“ nicht unter Druck setzen zu lassen. (Symbolbild) Foto: dpa

Zwei Männer haben bei Armin Klein im Ettlinger Vogelsang geklingelt und ihn darauf aufmerksam gemacht, dass auf seinem Dach vier Firstziegel lose seien. Sie gaben sich als Dachdecker aus und boten an, den Schaden zu reparieren: „90 Euro wollten sie dafür“, erzählt Klein.

Fotos auf dem Handy sollten Schaden belegen

Er ließ die beiden aufs Dach steigen – und erlebte einen Schock, als sie wieder runterkamen. Die Männer zeigten ihm Fotos auf ihrem Handy, die belegen sollten, dass der Schaden viel größer war als vermutet. Die Reparatur sollte nun zwischen 24.000 und 26.000 Euro kosten.

Ettlinger Dachdecker stellt keine Schäden fest

Da wurden Klein und seine Ehefrau skeptisch. Mit der Bitte, ihnen einen Kostenvoranschlag zu schicken, verabschiedeten sie die Dachdecker und suchten gleich darauf im Telefonbuch nach hiesigen Handwerkern, um deren Meinung einzuholen. Beim dritten Versuch stimmte jemand zu, sich das Dach anzuschauen – und stellte fest, dass gar keine Reparatur notwendig ist. Daraufhin schickte Klein ein Widerrufsschreiben. Inzwischen hat er Anzeige erstattet.

Trügerische Google-Bewertungen

Gezahlt hat er zum Glück noch nichts. Name und Sitz des Unternehmens sind ihm bekannt, einer der Dachdecker zeigte ihm sein Auftragsbuch, wies ihn sogar auf die mit guten Google-Bewertungen geschmückte Internetseite der Firma hin. „Der war ausgerüstet“, sagt Klein. Er rief auch direkt in Korb bei Waiblingen an, wo das Unternehmen seinen Sitz hat. Dort riet man ihm, „sich von denen fern zu halten“. Ein anderer sagte ganz klar: „Das sind Betrüger.“

Innung will sich raushalten

Auch mit der Dachdeckerinnung und der Handwerkskammer telefonierte Klein. „Wir halten uns da raus“, hieß es dort. Verstehen kann der Ettlinger das nicht: „Die müssten doch ein Interesse daran haben, dass Firmen, die das Handwerk in Verruf bringen, der Garaus gemacht wird.“

Ein Betrug ist schwer nachzuweisen.
Matthias Bauer, Verbraucherzentrale Baden-Württemberg

Dass dies gar nicht so leicht ist, erklärt Matthias Bauer von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Ein Betrug ist schwer nachzuweisen“, sagt er. In einem Strafverfahren müsse etwa die Vorspiegelung falscher Tatsachen belegt werden sowie die Absicht der Firma, die „Notlage des Kunden“ auszunutzen. Zivilverfahren, in denen es um Rückzahlungen geht, seien oft langwierig. Viele Verbraucher schreckten davor zurück.

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Verbraucherschützer mahnt zur Vorsicht

Bauer rät deshalb zur Vorsicht, um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Im Ettlinger Fall – der Verbraucherschützer spricht hier von einem „klassischen Dachdeckerfall“ – habe der Betroffene genau richtig gehandelt, indem er sich ein Alternativangebot eingeholt hat. „Man sollte sich bei diesen Haustürgeschäften nie unter Druck setzen lassen“, warnt er – und am besten nicht in Vorkasse gehen.

Zwei weitere Fälle 2019 bei Pforzheim

Zumindest in Ettlingen ist auf die „Dachhaie“, wie die Innungen sie auch nennen, laut Polizei noch niemand reingefallen. Bei der landesweiten Recherche sei man auf zwei Fälle im Bereich Pforzheim gestoßen, wo 2019 die gleiche Firma Dachdeckerleistungen angeboten habe, heißt es vom Präsidium Karlsruhe.

Anzeige bei Staatsanwaltschaft

Gezahlt habe auch dort niemand. Nach Abschluss der Ermittlungen im Ettlinger Fall – derzeit würden dort Zeugen verhört und Personenbeschreibungen angefertigt – solle Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet werden.

Wer einem Betrüger aufgesessen ist, kann sich an die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg wenden. Diese kann Firmen abmahnen, außerdem besteht die Möglichkeit einer Verbandsklage. Auf der Internetseite der Verbraucherzentrale ( www.verbraucherzentrale-bawue.de ) sind auch Vorlagen für Widerrufsschreiben kostenlos verfügbar. Ein Widerruf ist in der Regel innerhalb von 14 Tagen nach Vertragsabschluss möglich. Wenn der Kunde bei Vertragsabschluss nicht ordentlich belehrt wurde (wie häufig bei sogenannten Haustürgeschäften), verlängert sich die Frist auf ein Jahr und zwei Wochen.

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