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„I hätt do mol e Frog“

Wieso gibt es so viele exotische Baumarten auf dem Alten Friedhof in Ettlingen?

Wer über den Alten Friedhof in Ettlingen schlendert, sieht Bäume, die aus China, dem Iran, Nordamerika oder dem Kaukasus stammen.Was es damit auf sich hat und in welchem Jahrhundert der Alte Friedhof angelegt wurde, beleuchtet die BNN in dieser Folge von „I hätt do mol e Frog“.

Ein beliebter Park mit großen alten und exotischen Bäumen ist der Alte Friedhof hinter der Herz-Jesu-Kirche Foto: Ulrich Krawutschke

Ein Mammutbaum aus Nordamerika, ein Seiden- oder Schlafbaum aus Asien oder eine Flügelnuss aus dem Kaukasus: So viele exotische Baumarten wie auf dem Alten Friedhof in Ettlingen sind wohl auf kaum einer anderen Grabstätte zu finden. Wie es zu den botanischen Raritäten dort kam und was es überhaupt mit dem Alten Friedhof auf sich hat, will BNN-Leserin Charlotte Sanzillo aus Ettlingen wissen.

Eins vorweg: Zu den botanischen Raritäten lassen sich lediglich Vermutungen anstellen. Zur Geschichte des Alten Friedhofs hinter der Herz-Jesu-Kirche findet sich in den Archiven aber so Einiges. Sie geht zurück in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts. Der Alte Friedhof von damals befand sich innerhalb der Stadtmauern bei der Martinskirche, „wo heute noch alte Grabsteine zu sehen sind, der älteste von 1438“, schrieb die Ettlinger Zeitung am 11. November 1950.

Doch das, befand der Ettlinger Mediziner Peter Joseph Schneider schon 1818 in seiner „Topographie von Ettlingen“, brachte gesundheitliche Gefahren für die Bürger mit sich.

1527 außerhalb der Stadt angelegt

Daher gab es damals die Idee, eine neue Grabstätte weiter entfernt von den Menschen anzulegen: „Wir freuen uns hier bekennen zu müssen, daß es Ettlingen zur vorzüglichen Ehre gereicht, vielleicht eine der ersten Badischen Städte auch darin zu sein … welche einen neuen Kirchhof außerhalb der Stadt anlegte.“ Der heutige Alte Friedhof wurde 1527 „an der Straße nach Durlach ... in einer Lage, die in medizinisch-polizeilicher Hinsicht sehr zweckmäßig ist“ angelegt. Er befindet sich heute hinter der 1906 unter Pfarrer Ludwig Albert erstellten Herz-Jesu-Kirche.

Der Alte Friedhof wurde 1847 unter Bürgermeister Wilhelm Schneider nach Norden erweitert. Die neue Fläche liegt etwas höher und wird heute als Spielplatz genutzt. Aber schon wenige Jahre später, 1889, wurde der Alte Friedhof unter Bürgermeister Adolf Groß geschlossen, der neue weiter draußen bei der Alexiuskapelle angelegt.

Umgestaltung als öffentlich Anlage im 20. Jahrhundert

1914 wurde von den Städtischen Sammlungen (Denkmalpflege) eine Umgestaltung des Alten Friedhofes als öffentliche Anlage angeregt. Die Gräber und Grabdenkmale „von Personen mit existierenden Verwandten/Nachkommen sollten erhalten und auf den neuen Friedhof verlegt werden“, steht in einem Dokument des Stadtarchivs Ettlingen.

In einer Bekanntmachung wurden die Angehörigen dazu aufgefordert. Josef Fresin schrieb am 8. Januar 1923 im Mittelbadischen Kurier: „Angelegt wurde dieser Gottesacker zu einer Zeit unheilvoller Zerrissenheit des deutschen Volkes, zur Zeit der Reformation. Viele Gräber sind verschwunden, erst Ende des 17. Jahrhunderts wurden an der Ostmauer des Kirchhofs beim Löschhaus einige interessante gefunden, das älteste von 1696.“

Bürgermeister, Lehrer und Geistliche fanden hier ihre letzte Ruhe

Die Verschonungsfrist für die 51 Gräber war am 14. Oktober 1919 abgelaufen. Die Grabdenkmale von historischem Wert sollten an die östliche Umgrenzungsmauer verlegt werden. Dort stehen sie heute noch, 17 an der Zahl. Darunter die des 1848 verstorbenen Seminardirektors Raimund Hermanuz, von Lehrern und Geistlichen von Pädagogium, Bürgerschule und Jesuitenkolleg.

Eines der barocken Grabmale mit lateinischer Inschrift erinnert an Bürgermeister Thibaut aus der Sibylla-Zeit, einem Vorfahren des 1887 verstorbenen Revolutionärs und Bürgermeisters Philipp Thiebauth. Er wurde auf dem Alten Friedhof beerdigt, seine Gebeine auf Beschluss des Gemeinderates vom 9. September 1930 auf den neuen Friedhof verlegt. Heute steht ein Gedenkstein an ihn auf der nördlichen Anhöhe des neuen Friedhofs.

Die Umgestaltung des Alten Friedhofes in einen Park, die 1931 unter Bürgermeister Gustav Kraft vollendet wurde, sah den Erhalt der beiden Seitenwege und der mittigen Querung zur Durlacher Straße in Höhe des damaligen Brunnens vor. Der mittlere Weg sollte wegfallen. Vor allem aber sollte der damals schon vorhandene alte und teils exotische Baumbestand erhalten bleiben.

„Von lichtscheuem Gesindel als Schlupfwinkel benutzt“

Ziel der Umgestaltung zum Friedhofspark war vor allem, mehr Fußgängerverkehr in die Anlage zu bekommen, wie aus Unterlagen des Stadtarchivs hervorgeht. Denn der Alte Friedhof wurde „von lichtscheuem Gesindel als Schlupfwinkel benützt“, wie es in einer städtischen Mitteilung heißt. Die Grenze zwischen Kirchen- und Stadtbesitz war am Querweg nördlich der Pfarrgräber.

Eine Hecke wurde hinter der Kirche und der Mariengrotte als Abgrenzung zum Erholungspark gepflanzt. In die Umgestaltung investierte die Kirche 4.380 Mark, die Stadt 12.799 Mark. 1936 – schon damals also gab es Vandalen – wurde von Denkmalpfleger Springer beklagt, dass Grabsteine an der Ostmauer „von böser Buben Hand mutwillig beschädigt und der Mahner beschimpft“ wurden.

Grabstätte wurde mehrfach von Vandalen heimgesucht

Ähnliches ereignete sich 1950 und 1953. In einer Pressemeldung der Ettlinger Zeitung heißt es 1950 „Verwüstung an heiliger Stätte. Wer in diesen Tagen den Weg durch den Alten Friedhof nahm, wird unwillkürlich dieses Wort aus der Heiligen Schrift in den Sinn gekommen sein“. Und am 7. November 1953 heißt es „Die im Alten Friedhof von Frevlern umgestürzten und zum Teil zerbrochenen sieben Grabsteine liegen noch herum“.

Erhalten wurde und wird der alte Baumbestand auf dem Alten Friedhof, der teils schon aus der Zeit vor der Umgestaltung stammt. Heute finden sich dort beispielsweise noch eine Sommerlinde aus dem Kaukasus und eine Rottanne (Fichte) aus Nordeuropa, beide von 1910. Auch später wurden noch besondere Bäume gepflanzt: ein Bergahorn aus dem Kaukasus von 1965, ein Tulpenbaum aus Nordamerika, eine europäische Eibe (Taxus baccata) und eine Scheinzypresse aus Nordamerika, alle laut der Beschilderung von 1950. Die Beschriftungen der meisten alten Bäume sind nicht mehr vorhanden.

Großherzog Friedrich I. hatte wohl ein Faible für Exoten

Marco Gremmelmaier, Baumexperte beim Ettlinger Gartenbauamt, kann noch viele weitere Exoten auf dem Alten Friedhof benennen, denen allerdings die Beschilderung fehlt: Aus Nordamerika stammen Zyrgelbaum, Geweihbaum, Mammutbaum und Weymouthskiefer – sie ist offizieller Staatsbaum der US-Bundesstaaten Maine und Michigan – aber auch ein Seiden- oder Schlafbaum (Mimosengewächs), von Iran bis China verbreitet, und weiter ein Götterbaum aus China und Vietnam, eine Flügelnuss aus dem Kaukasus sowie eine Elsbeere aus Europa befinden sich dort.

Der Zustand der Bäume ist „noch in Ordnung, aber es fehlt halt der Regen“, sagt Gremmelmaier. Hinsichtlich der Beschriftung der exotischen Bäume als Information für interessierte Parkbesucher sei zwar eine Aktualisierung im Gespräch, sagt er, „aber es ist noch offen, wie“.

Warum nun aber im Park so viele exotische Bäume stehen ist nicht exakt zu klären, aber der historisch bewanderte Pfarrer i.R Engelbert Baader hat eine Vermutung: „Ende des 19. Jahrhunderts war es üblich solche Exoten zu pflanzen, weil auch Großherzog Friedrich I. ein Faible dafür hatte“. Baader verweist auch auf den Ettlinger Watthaldenpark, der ebenso mit exotischen Bäumen bepflanzt wurde.





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