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Im Vorjahr niedrigere Zahlen

11.000 Grippefälle in Baden-Württemberg: Ärzte erleben Panik vor Coronavirus-Ansteckung

Die Zahl der registrierten Grippefälle in Baden-Württemberg steigt. Im Vergleich zum Vorjahr hat sie sich seit Beginn der Grippesaison Ende Oktober inzwischen fast verdoppelt. Nach Angaben des Landesgesundheitsamtes (LGA) in Stuttgart sind landesweit mehr als 11.000 Fälle gemeldet.

IMAGE-264173 Foto: N/A

Die Zahl der registrierten Grippefälle in Baden-Württemberg steigt. Im Vergleich zum Vorjahr hat sie sich seit Beginn der Grippesaison Ende Oktober inzwischen fast verdoppelt.

Nach Angaben des Landesgesundheitsamtes (LGA) in Stuttgart sind landesweit mehr als 11.000 Fälle gemeldet. Das sind fast doppelt so viele wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres, in dem knapp 6.200 Fälle registriert worden waren.

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Zahlen in der Region entwickeln sich unterschiedlich

Beim Blick auf die Zahlen in unserer Region ergibt sich ein uneinheitliches Bild. Im Bereich des Gesundheitsamts Karlsruhe, das für den Stadt- und den Landkreis zuständig ist, sind bislang 487 Grippefälle gemeldet worden. Im Vergleichszeitraum 2018/19 waren es 399 Influenza-Erkrankungen gewesen.

Pforzheim und der Enzkreis liegen sogar über dem Landestrend. Dort sind die Zahlen um mehr als das Doppelte gestiegen. Bislang sind 224 Grippeerkrankungen gemeldet, im Vergleich zu 108 in der Grippesaison 2018/2019. Rückläufig sind die Zahlen im Kreis Rastatt. Bis dato sind dort 265 Grippefälle bekannt. Im Jahr davor waren es 341. Der Stadtkreis Baden-Baden zählte bislang 53 Grippefälle, im Vergleich zu 47 im Vorjahreszeitraum.

Grippe forderte 26 Tote bislang

Nach Angaben des Regierungspräsidiums Stuttgart sind bisher nachweisbar 26 Menschen im Südwesten an der Influenza gestorben – zwei mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. In Karlsruhe gab es noch keine Toten.

Influenza schlimmer als Corona

Sozialminister Manne Lucha (Grüne) hatte zuletzt aufgerufen, angesichts der Debatte über das Coronavirus die Grippe nicht aus dem Blick zu verlieren und sich impfen zu lassen: „Influenza ist wesentlich aggressiver, und die Ansteckungsgefahr ist wesentlich größer.“

Patienten verunsichert

Michael Kästel hat als Hausarzt und Koordinator des medizinischen Notdienstes der Kassenärztlichen Vereinigung in Karlsruhe gerade viel zu tun. Die Grippewelle grassiert und die Verunsicherung wegen des Coronavirus’ ist groß. „Ich habe schon einige Patienten gehabt, die mich gefragt haben, ob ihre Symptome auf eine Ansteckung mit dem chinesischen Virus hinweisen könnten“, sagt er.

Doch in der Regel kann Kästel seine Patienten schnell beruhigen. Seine Checkliste fragt nach Fieber, Husten und Kontakt mit kritischen Personen. Ist nichts davon dabei, oder ist nur eine von zwei Bedingungen erfüllt, dann ist die Wahrscheinlichkeit, mit Corona infiziert zu sein, doch relativ gering.

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Corona trifft Grippe

Die täglichen Meldungen aus China kommen gerade rechtzeitig zur Grippewelle, die in Deutschland üblicherweise im Januar beginnt und dann drei bis vier Monate andauert. Es ist innerhalb der Grippesaison (Anfang Oktober bis Mitte Mai) die Zeit, in der die Influenza-Aktivität besonders erhöht ist und die Fallzahlen – wie gerade in Baden-Württemberg zu beobachten – sprunghaft ansteigen.

Das Landesgesundheitsamt Stuttgart meldet, dass die Zahl der Grippeerkrankungen in den vergangenen zwei Wochen von 6.430 auf aktuell 11.000 gestiegen ist. Die Zahl hat sich in kurzer Zeit also fast verdoppelt.

Experten geben Entwarnung

Für die Experten ist das allerdings kein Grund zur Beunruhigung. „Wir können noch nicht von einer außergewöhnlichen Grippesaison sprechen“, sagt ein Arzt des Karlsruher Gesundheitsamtes. Dass die Zahlen regional sehr unterschiedlich sein können, beweist der Blick auf die Statistik des Robert-Koch-Instituts. Während sich die Zahl der Grippeerkrankungen in Pforzheim und dem Enzkreis in der Saison 19/20 im Vergleich zum gleichen Zeitraum der Saison 18/19 fast verdoppelt hat, sind sie im Landkreis Rastatt zurückgegangen.

Im Stadt- und Landkreis Karlsruhe gab es ebenfalls einen Zuwachs, von einer Verdoppelung der Fälle ist man hier aber weit entfernt. „Die Grippefälle können regional sehr unterschiedlich sein und weil es nur Stichproben sind, sind sie auch sehr schwer zu bewerten“, heißt es aus dem Karlsruher Gesundheitsamt.

Für eine Bilanz ist es zu früh

Noch ist es schwer zu sagen, wie sich die derzeitige Grippesaison entwickeln wird. Angella Schuster, Ärztin für Infektionsschutz am Landratsamt Rastatt, hat für den Rückgang der Zahlen in ihrem Bereich keine Erklärung: „Vielleicht kommt bei uns die Spitze noch“, sagt sie.

Es könnte jetzt wieder eine Abflachung geben.
Angella Schuster, Ärztin für Infektionsschutz am Landratsamt Rastatt

In Karlsruhe scheint die Spitze dagegen gerade erreicht. In Kalenderwoche vier wurden dem Gesundheitsamt 37 Neuerkrankungen gemeldet. In der gerade abgelaufenen Kalenderwoche sieben waren es 152. „Es könnte jetzt wieder eine Abflachung geben. Das muss es aber nicht“, heißt es dazu aus dem Gesundheitsamt.

Kein Vergleich zur Grippesaison 2017/2018, der tödlichsten Grippe in 30 Jahren. Damals lagen die Fallzahlen in Baden-Württemberg in der gerade zu Ende gegangenen Kalenderwoche sieben fast doppelt so hoch, als die derzeit gemeldeten 11.000.

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