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Anthroposoph, Aufsichtsrat und Alpen-Fan

Götz W. Werner - anders als alle anderen

Er ist Anthroposoph, Aufsichtsrat und Alpen-Fan: Am kommenden Dienstag wird Götz W. Werner 75 Jahre alt. Der Gründer von dm drogerie-markt übersetzt Goethes und Schillers Botschaften gerne in Managerregeln und hat dm zu einem außergewöhnlichen Branchenprimus gemacht.

ERFOLGSUNTERNEHMER PAR EXCELLENCE: Götz W. Werner besucht nach wie vor häufig seine Filialen – nicht als Kontrolleur, sondern, um sich mit Mitarbeitern und Kunden auszutauschen. Am kommenden Dienstag wird der dm-Gründer 75 Jahre alt. Foto: Alex Stiebritz
Als der Autor dieser Zeilen im März 1996 das erste Portrait über Götz W. Werner schrieb, rissen sich noch keine Talkshow-Moderatoren oder Universitäten um den Gründer des Karlsruher Filialisten dm-drogerie markt. Werner selbst staunte seinerzeit über den Erfolg des Anton Schlecker, der damals mit seinem Konzern die unangefochtene Nummer eins in der deutschen Drogeriemarktbranche war. Längst haben sich die Zeiten geändert: Das Schlecker-Imperium ist perdu. dm ist mittlerweile mit einem Konzernumsatz von 10,7 Milliarden Euro, 61 700 Mitarbeitern und über 3 500 Filialen der Branchenprimus. Den Grundstein dafür hatte Werner gelegt, der am 5. Februar seinen 75. Geburtstag feiert.

Ursprünglich wollte er in den 70er-Jahren das Aldi-Prinzip auf Drogeriemärkte ummünzen. Mit seinem Vater, der in Heidelberg eine Drogeriemarktkette besaß, kam er nicht klar. Dieser schmiss seinen Filius kurzerhand raus. Auch bei einem Filialisten setzte sich Werner mit seinen Vorstellungen nicht durch. Als junger Familienvater gab er entnervt Prokura und seinen Mercedes-Dienstwagen auf, jobbte im Teppichland Holzbachtal als Verkäufer und gründete kurz danach 1973 dm – ohne Unterstützung der Banken. Das Konzept schlug ein; später finanziell begleitet von seinem Kompagnon Günther Lehmann („Pfannkuch“) expandierte dm – einst gegründet in der Karlsruher Herrenstraße – enorm.

Götz W. Werner, der Wandlungsfähige

Doch Werner war stets wandlungsfähig. Vom „Harzburger Modell“ mit seinen Hierarchien verabschiedete er sich. Beim BNN-Gespräch in den 90er-Jahren in der dm-Zentrale, optisch gestaltet nach Goethes Farbenlehre, zitierte Werner den Marquis von Posa aus Schillers „Don Karlos“: „Geben Sie Gedankenfreiheit“. Seinen Arbeitnehmern – Werner nennt sie Arbeitsgemeinschaft – Freiheiten geben, Kundeninteressen im Vordergrund sehen, Gewinnmaximierung nicht über alles stellen, das waren und sind Erfolgskomponenten des bekennenden Anthroposophen Werner. Goethes und Schillers Lehren übersetzt er in Managerregeln. Er bringt sich auch gesellschaftlich ein, beispielsweise als flammender Befürworter des Bedingungslosen Grundeinkommens.

Das Unternehmen erhält bei Kundenbefragungen regelmäßig Bestwerte und wird wegen seines gesellschaftlichen Engagements jährlich vom Bundespräsidenten zu dessen Bürgerfest nach Berlin eingeladen.

Einst in der Schule sitzengeblieben - und dennoch ehrgeizig

Der 1,90-Meter-Mann Werner, längst mit akademischen Weihen ausgezeichnet, hat es bewiesen: Ein erfolgreicher Unternehmer kann man auch ohne Abitur und Studium werden. Er blieb einst in der Schule sitzen, war dennoch ehrgeizig. Im Rudern brachte Werner es zum deutschen Jugendmeister. Und nach Schicksalsschlägen, auch familiären, stand er wieder auf.

Beruflich konnte Werner früh Verantwortung abgeben. 2008 wechselte er in den Aufsichtsrat. Zwei Jahre später übertrug er seine Unternehmensanteile in eine gemeinnützige Stiftung. Wie er es schaffte, loszulassen? „Das ist eine Frage des Zutrauens“, sagt Werner den BNN. „Als Gründer von dm konnte ich das bereits lernen, als wir mehr als einen dm-Markt hatten und ich nicht mehr an jedem Ort gleichzeitig sein konnte.“

Seit Jahren lebt der siebenfache Vater in Stuttgart, wo er häufig mit der Bahn oder auch mal mit dem Elektrofahrrad unterwegs ist. Prestigeträchtige Karossen sind eh nicht sein Ding: Als Werner in den 90er-Jahren zu einer Präsentation der Technologieregion Karlsruhe nach Berlin flog, fuhr er im Familien-Van zum Baden-Airport.

Einmal pro Woche besucht er die dm-Zentrale

Einmal pro Woche schaut er heute noch in der dm-Zentrale vorbei, regelmäßig auch in den Filialen – aber nicht als Kontrolleur, sondern als Zuhörer und Ratgeber.

Als die BNN ihn für dieses Portrait zum Geburtstag kontaktieren, ist Werner in der Schweiz im Berner Oberland, wo er gerne Ski fährt. „Das Alpenpanorama mit Eiger, Mönch und Jungfrau ist immer wieder aufs Neue beeindruckend“, schwärmt er. Werner ist ohnehin gerne viel in der Natur unterwegs oder verbringt Zeit mit seinen Enkelkindern. „Deren Neugierde für die Welt und Offenheit ist inspirierend.“

Neugierig ist auch Werner geblieben. So hat er eine zweite Karriere als Bestsellerautor hingelegt, beispielsweise mit seiner Autobiografie „Womit ich nie gerechnet habe“ oder mit Büchern zum Bedingungslosen Grundeinkommen. Dass der auch juristische ausgetragene Streit mit seinem Schwager, Alnatura-Gründer Götz Rehn, publik geworden war, dürfte ihm weniger gefallen haben. Denn der Jubilar ist eigentlich rundum positive Schlagzeilen gewohnt.

An seinem Geburtstag wird er übrigens wieder nach Karlsruhe kommen. „An dem Tag möchte ich den Neubau unserer dm-Unternehmenszentrale in der Karlsruher Untermühsiedlung besuchen. Danach bin ich zuhause in Stuttgart, im Kreis meiner Familie und enger Freunde.“

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