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Duo als Alarmanlage

Hundetrainer Martin Rütter hilft Lesern bei Problemen mit dem Hund

In der zehnteiligen Serie gibt Hundeprofi Martin Rütter Tipps zu ausgewählten Problemen, die BNN-Leser und Hundehalter mit ihrer Fellnase haben. Erste Folge: Wenn es an der Haustür klingelt oder ein Hund vorbeiläuft, wird laut gebellt.

Hundeprofi Martin Rütter und seine Emma, ein Australien-Shepherd-Mix. Am Dienstag, 27. November 2018, gastiert Rütter mit seinem Programm "Freispruch" in der Schwarzwaldhalle Karlsruhe. Foto: Engels
Für die Hundeerziehung ist es nie zu spät. Oftmals müssen freilich auch Frauchen oder Herrchen in ihrem Verhalten gegenüber der Fellnase etwas ändern, um bei Bello und Co eine Verhaltensänderung herbeizuführen. Unserem Aufruf,  Probleme mit dem Hund  zu schildern, sind sehr, sehr viele Halter gefolgt. In einer zehnteiligen Serie gibt der bekannte Hundetrainer Martin Rütter Tipps zu ausgewählten Fragen. Wir veröffentlichen immer montags eine neue Folge, der bereits in den BNN erschienen Reihe. Zum Auftakt behandelt der Hundetrainer ein Problem, das viele Hundehalter kennen: Wenn es klingelt, bellt der Hund.

Eine „Alarmanlage“ sind die beiden Hunde einer Leserin aus Achern. Leider funktioniere diese nur zwischen acht Uhr morgens und 20 Uhr abends, schreibt sie: „Dafür aber sehr intensiv in diesem Zeitraum.“  Lucy, die Größere und Ältere (neun Jahre) von beiden,  ist eine Rateromischung und stammt aus einer Mülltonne in Spanien. Mila,  die Kleinere (vier Jahre),  ist eine Mischung aus Malteser und Yorkshire.   Jedenfalls stacheln sie sich mit ihrer Kläfferei gegenseitig auf, insbesondere wenn andere Hunde am Haus  vorbeilaufen oder wenn es an der Tür klingelt, so die Beschreibung.   Und: "Lässt man sie alleine, werden Mülleimer ausgeräumt, ersatzweise was Anderes zerstört."  Was tun?

Sehen süß aus: Lucy (rechts) und Mila. Mit ihrem Gebelle gehen sie freilich als Alarmanlage durch. Foto: privat

So sieht der Hundetrainer den Fall:

Martin Rütter:

Zudem müssen Lucy und Mila natürlich richtig ausgelastet sein, wenn sie allein bleiben sollen. Ein Spaziergang reicht dafür nicht aus, Hunde müssen auch geistig ausgelastet werden. Beschäftigen Sie die beiden doch vor dem Alleinbleiben zum Beispiel mit einer Suche nach Futter oder einem Apportierspiel, je nachdem, was die beiden spannend finden. Allerdings sollten Sie nach einer Aktivität immer noch eine kurze Zeit warten, bis beide Hunde sich wieder entspannt auf ihren Platz gelegt haben. Verlässt man das Haus direkt nach einer spannenden Aktivität, kann dies genau das Gegenteil bewirken: Die Hunde sind noch aufgedreht durch die tolle,gemeinsame Aktion, so dass die Abwesenheit der Menschen für die Hunde noch schwieriger zu ertragen ist.

Besucher sind für Hunde Eindringlinge

Viele Hunde bellen, wenn es an der Tür klingelt, denn Besucher sind für sie Eindringlinge ins eigene Territorium, vor denen gewarnt werden muss. Man kann Hunden allerdings beibringen, dass ein kurzes Bellen ausreicht, da nun der Mensch die Aufgabe der Territoriumssicherung übernimmt. Dazu müssen die Hunde zunächst lernen,auf ein Signal von Ihnen den Liegeplatz aufzusuchen. Legen Sie dazu eine Decke in eine ruhige Ecke des Wohnzimmers. Natürlich können Lucy und Mila auf einer Decke liegen, jedoch kann es

für den Beginn des Trainings auch einfacher sein, beiden Hunden einen eigenen Liegeplatz zuzuweisen. In diesem Fall sollten die Decken soweit auseinander liegen, dass die beiden keinen direkten Kontakt miteinander aufnehmen können.

Das Signal "Decke"

Das Signal „Decke“ sollten Sie sowieso zu Beginn einzeln mit jedem Hund trainieren. Erst wenn sich jeder der beiden auf Ihr Signal hin auch aus einiger Distanz auf seinen Liegeplatz schicken lässt und dort für einige Zeit liegen bleibt, trainieren Sie mit beiden Hunden zusammen. Beim Training stehen Sie anfangs noch direkt neben der Decke. Nachdem Sie den Hund auf die Decke geschickt haben,wird er belohnt. Dort erhält er dann das Signal „Platz“, er soll sich also hinlegen. Erst auf Ihr Signal hin darf er wieder aufstehen und die Decke verlassen. Schritt für Schritt steigern Sie nun die Distanz sowie die Zeit.

Übung macht den Meister

Können Sie beide Hunde aus der Distanz auf die Decke schicken und für einige Zeit dort ablegen, fügen Sie Ablenkungen hinzu. Zunächst einmal soll ein Bekannter die Klingel betätigen. Bleiben Lucy und Mila liegen, werden sie belohnt. Da der Besuch nach dem Klingeln noch gar nicht hereinkommt, gibt es keinen Grund für die Hunde, zur Tür zu rennen. Springt doch noch einmal einer der beiden auf, bringen Sie ihn kommentarlos zurück. Sollte in dieser Trainingszeit „echter“ Besuch kommen, nehmen Sie die Hunde anfangs einfach angeleint mit zur Tür. Wichtig ist jedoch, dass Lucy und Mila den Besuch dabei nicht begrüßen und ihn damit abchecken, denn das ist ja ab sofort Ihre Aufgabe.

Zur Belohnung ein Leckerli

Im nächsten Schritt gehen Sie nun nach dem Klingeln zur Tür, danach gibt es wieder eine Belohnung für die Hunde. Jetzt öffnen Sie die Tür, sprechen kurz mit dem Besuch, schließen die Tür wieder und belohnen Lucy und Mila für das ruhige Liegenbleiben. Jetzt ist es soweit, Besuch darf auch mit in die Wohnung kommen. Führen Sie den Besuch ins Wohnzimmer, gehen Sie aber vor, denn Sie kontrollieren ja nun aus Sicht des Hundes „den Eindringling“. Sind die beiden ruhig liegen geblieben, dürfen diese nun auf Ihr Signal natürlich auch aufstehen und den Besucher begrüßen.

Dem Hund zeigen: Habe die Warnung verstanden

Das Bellen, wenn andere Hunde durch das Treppenhaus laufen, erfolgt aus der gleichen Motivation heraus wie das Bellen beim Klingeln: Lucy und Mila warnen vor potenziellen Eindringlingen. Auch hier können Sie also das Training mit der Decke nutzen, um Ihren Hunden zu zeigen, dass Sie die Warnung verstanden haben und nun alle weiteren, notwendigen Maßnahmen ergreifen. Schicken Sie die beiden auf ihre Decken. Danach gehen Sie in Richtung Haustür, Sie können diese auch einmal kurz öffnen und hinausschauen. Damit zeigen Sie Lucy und Mila, dass Sie aktiv die Sicherung des Territoriums übernehmen. Schließen Sie dann die Haustür wieder, setzen Sie sich aufs Sofa oder gehen Sie einfach ganz entspannt Ihren zuvor begonnenen Aufgaben nach. Sind die Hunde ruhig liegen geblieben, dürfen diese nach einiger Zeit natürlich wieder frei laufen.

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