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Corona in Karlsruhe

Impfen schützt: Karlsruher Klinikum sieht vierter Welle entspannt entgegen

Für OB Frank Mentrup und Klinikchef Michael Geißler ist eine steigende Impfquote der Schlüssel für die Rückkehr ins normale Leben. Ungeimpfte durch kostenpflichtige Tests zum Piks zu drängen, ist für beide allerdings der falsche Weg.

Entspannung in Sicht. Das Städtische Klinikum rechnet nicht mehr mit einer Überlastung der Covid-Station Foto: Jens Büttner/dpa

Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) hat den neuen Corona-Kurs von Bund und Landesregierung kritisiert. Die Rechte vom Geimpften zu stärken und Ungeimpfte am dem 11. Oktober für Schnelltests zur Kasse zu bitten, sei „pädagogisch getriggert und nicht genug infektiologisch gedacht“, sagte Mentrup bei seinem wöchentlichen Corona-Update.

Auch doppelt Geimpfte könnten sich schließlich mit dem Coronavirus anstecken und eine Infektion weitergeben. Deshalb sollten sich auch geimpfte Personen zum Schutz der Allgemeinheit regelmäßig testen.

Auch die von der Landesregierung beabsichtigte Unterscheidung zwischen PCR- und Antigen-Schnelltests als Einlass-Berechtigung in Clubs oder Innenräume von Gaststätten sei eine „Verkomplizierung“ der Vorgaben. Möglichst viele Angebote für die Allgemeinheit zu öffnen, sei aber prinzipiell ein Schritt in die richtige Richtung, so Mentrup weiter.

Auch Michael Geißler sieht ein Ende von kostenfreien Tests für ungeimpfte gesunde Erwachsene kritisch. „Das mag kurzfristig ein Anreiz zum Impfen sein“, sagt der medizinische Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Karlsruhe. Auf lange Sicht könnten fehlende Tests aber zu einer hohen Dunkelziffer bei den Infektionen führen.

Ziel ist eine hohe Impfquote

Eine hohe Impfquote ist für Geißler jedoch der Schlüssel für eine Rückkehr in die Normalität. „Ungeimpfte haben ein sechsmal höheres Ansteckungsrisiko als Geimpfte“, beruft sich Geißler auf die Ergebnisse mehrerer internationaler Studien.

Von einer kompletten Auslastung der Covid-Station im Klinikum, wo derzeit zwei doppelt geimpfte Personen intensivmedizinisch behandelt werden, geht Geißler in den kommenden Monaten nicht aus. Die Belegungszahlen würden nach dem Auslaufen der strengen Kontaktbeschränkungen vermutlich steigen, das zeige sich derzeit in Großbritannien. Allerdings seien geimpfte Menschen deutlich besser vor schweren Verläufen geschützt und die Impfquote liege mittlerweile auch in Deutschland deutlich über 50 Prozent.

Weil ältere Menschen erwiesenermaßen ein höheres Risiko für einen Impfdurchbruch hätten und die Wirksamkeit einer Impfung im Laufe der Monate nachlassen, wird in Medizinerkreisen laut Geißler derzeit intensiv über eine dritte Booster-Impfung für Kranke, Pflegeheimbewohner und über 70-Jährige diskutiert. Beginn dieser Kampagne könnte Anfang September sein. Für Geißler und Mentrup stellt sich deshalb die Frage, ob der Betrieb der Kreisimpfzentren nicht über das angekündigte Ende am 30. September hinaus verlängert werden müsse.

Karlsruher Abwasserorakel prognostiziert Anstieg der Inzidenz

Im Stadtkreis Karlsruhe rechnet Mentrup in den kommenden Tagen mit einem stetigen Anstieg der 7-Tage-Inzidenz, die seit einigen Tagen zwischen 20 und 30 liegt. Laut den Daten des sogenannten Abwasserorakels dürfte der Wert mittlerweile aber schon deutlich höher liegen, so Mentrup, der bis Ende des Monats eine Inzidenz von über 40 erwartet.

„Ob sich diese Prognose bewahrheitet, hängt allerdings davon ab, wie viele Infektionen durch Tests auch erkannt werden“, betont der Rathauschef. Mit Sicherheit würden in den kommenden Wochen positiv getestete Reiserückkehrer ihren Teil zum Anstieg der Inzidenz beitragen. Mentrup: „Das Ansteckungsrisiko im Urlaub ist deutlich höher als zuhause.“

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