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Jetzt jeden Abend länger

Digital schaffen es die Schlosslichtspiele bis nach Australien

Wegen Corona gibt es die Schlosslichtspiele in diesem Sommer nur digital. Selbst aus Australien wählen sich Zuschauer ein.

Die Schlosslichtspiele im Blick: Attitude Indicator heißt die neue Show der Gruppe The Nightlab. Foto: TNL iXtenda GmbH

Per Mail hat Winfried Böcker die Karlsruher Schlosslichtspiele ans andere Ende der Welt geschickt. „Meine Tochter lebt mit ihrem Mann in Australien. Der Familie dort habe ich geschrieben, dass es online etwas Beeindruckendes zu sehen gibt”, erklärt der Karlsruher. Die Reaktion erfolgte prompt: Der angeheiratete Onkel Cameron freute sich am Rechner in Melbourne über eine „interessante Veranstaltung” und spricht von einer „spektakulären Show”.

Und die australische Schwiegermutter bedankt sich von Adelaide aus für die Einblicke in die Lichtshow, die fantastisch aussehe und zudem so clever gemacht sei.

Ab Freitag Shows in doppelter Schleife

„Es sind wirklich wieder interessante Sachen dabei”, sagt Böcker selbst über die coronabedingt rein digitale Ausgabe der Schlosslichtspiele. Seit einer Woche sind jeden Abend ab 20.15 Uhr im Internet zwei neue Shows und beliebte Werke der Vorjahre zu sehen. Auch wenn alle daheim am Rechner, Tablet oder Handy schauen, soll so ein Gemeinschaftserlebnis entstehen – das nun verlängert wird. „Von diesem Freitag an zeigen wir die Shows als doppelte Schleife”, erklärt Martin Wacker, Chef der Karlsruhe Marketing und Event GmbH.

War bisher schon gegen 21.30 Uhr Schluss, können die Projektionen dann bis 23.15 Uhr verfolgt werden. „Wir bekamen Rückmeldung, dass bei dem Sommerwetter viele spät heimkamen und noch einschalten wollen”, sagt Wacker.

Neu im Programm: Mit dem Wechsel hoch drei befasst sich die Gruppe ruestungsschmie.de. Foto: ruestungsschmie.de

Ihn und sein Team erreichen in diesem Jahr deutlich mehr Zuschriften als in den Vorjahren. „Bisher konnten uns die Leute am Schloss direkt ansprechen, jetzt bekommen wir Mails.” Ein Ex-Karlsruher schrieb aus Bayern, dass er sich per Mausklick in die frühere Heimat „beamt”.

Karlsruhe hofft auf den Werbeeffekt

Ein anderer Mail-Schreiber fragte nach dem Datum für 2021: Eigentlich wollte er diesen Sommer am Schloss dabei sein. Da Corona seine Reisepläne über den Haufen warf, schaute er also online und war so begeistert, dass er nächsten Sommer unbedingt anreisen will. Auf diesen Werbeeffekt hoffte Karlsruhe, als man sich in diesem Sommer gegen eine Absage und für die digitale Edition entschied. Wacker freut sich, dass über diesen Weg bundesweit zahlreiche Medien berichten. „Das ist sicher ein Push für Karlsruhe als Unesco City of Media Arts.”

Bis 13. September laufen die Schlosslichtspiele digital. Und Wacker verrät, dass es für die Zuschauer noch eine Überraschung gibt – beigesteuert von der beim Publikum besonders beliebten Gruppe „Maxin10sity” aus Ungarn. Von diesem Team ist schon jetzt das Werk „300 Fragments” im Angebot, das seit der Premiere 2015 jedes Jahr fester Bestandteil der allabendlichen Projektionen ist.

Die digitale Edition setzt nicht auf Aufnahmen aus den Vorjahren. Die beiden neuen Werke und die aus den Vorjahren wurden vielmehr neu auf den im Internet erbauten digitalen Zwilling des Schlosses projiziert. Ob Statuen oder Bäume: In einem ersten Schritt fotografierten die IT-Experten dabei die Szenerie am Schloss ab. Dann wurde die auf Basis dieser Bilder im Netz das digitale Schloss errichtet - per Software hineinmontierte Zuschauer inklusive.

Hoffnungen auf nächstes Jahr

Wie viele echte Zuschauer die Shows am Rechner verfolgen, kalkuliert das Wacker-Team mit einer Formel: Die Zahl der Zugriffe auf den Live-Stream pro Abend wird durch den Faktor 3,5 geteilt. „Wir gehen so davon aus, dass die Schlosslichtspiele im Schnitt pro Abend auf 6.000 Endgeräten laufen”, sagt der KME-Chef. Oft schauten dabei mehrere Menschen zusammen.

Rund 90 Prozent der Zugriffe erfolgen innerhalb von Deutschland. In den übrigen zehn Prozent führen die USA, die Schweiz, Großbritannien und Österreich die Liste an, gefolgt von Indien, Frankreich, Italien - und Australien. Winfried Böcker hat aber nicht nur Down Under Werbung gemacht. „Auch in den USA habe ich Familie, die ich informiert habe. Von dort habe ich aber noch nichts gehört”, so der Karlsruher. Er hofft, dass er nächstes Jahr wieder live am Schloss schauen kann. „Auch dorthin habe ich schon viele Gäste von außen gebracht - sie waren alle begeistert.”

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