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EU unterstützt soziale Arbeit mit 440.000 Euro

Karlsruhe fürchtet wegen Corona-Krise um Jugendliche

Die Ausbildung gestoppt, der Traum vom Hauptschulabschluss in Gefahr: Jugendliche, die schon vor Corona mit massiven Problemen kämpften, haben es momentan besonders schwer. Die Stadt Karlsruhe will sie unterstützen.

Herausforderung Homeschooling: Mancher Heranwachsende ist mit dem Lernen daheim überfordert. Es drohen Lücken mit schwerwiegenden Folgen. Foto: Ulrich Perrey/dpa

Es sind Jugendliche wie Nicola, die den Karlsruher Sozialexperten derzeit richtig Sorgen machen: Der 19-Jährige mit geistigem Handicap hat bei einem gemeinnützigen Verein eine Ausbildung als Beikoch begonnen. Corona hat diesen Weg in die Arbeitswelt gestoppt.

Der Teenager sitzt daheim, Online-Angebote überfordern ihn. Dann eskaliert die Situation mit seinem Vater, nach einer Schlägerei zwischen den beiden zieht der junge Mann in ein Wohnheim. Es ist kein Selbstläufer, dass Nicola nach dem Lockdown an den Herd zurückkehrt, ist Peter Dressler von der Arbeitsförderung Karlsruhe sicher.

Er sagt: „Es besteht die Gefahr, dass wir einige Jugendliche verlieren.“ Und genau das darf nicht passieren, erklärt Sozialbürgermeister Martin Lenz. So schnell wie möglich brauche es deshalb zusätzliche Hilfen – die die Europäische Union bereit ist zu finanzieren.

Karlsruher Sozialbürgermeister möchte Lerndefizite auffangen

Um die Folgen der Pandemie abzufedern, stellt der Europäische Sozialfonds (ESF) zusätzliche Mittel bereit. Allein 440.000 Euro fließen nach Karlsruhe, wo man aktuell offen ist für neue Angebote. Bis Ende März können Träger, Vereine, aber auch Private Anträge einreichen. „Wir konzentrieren uns bei diesem Programm voll auf Jugendliche“, erklärt Dressler, der bei der Arbeitsförderung die ESF-Geschäftsstelle leitet.

Viele Jugendliche haben Tablets und Smartphones, wissen aber nicht, wie man sie zum Lernen nutzt.
Peter Dressler, Arbeitsförderung Karlsruhe

Es gehe darum, der Pandemie geschuldete Lerndefizite aufzufangen, kleinräumige Lerninseln zu schaffen oder digitale Kompetenzen zu vermitteln. „Viele Jugendliche haben Tablets und Smartphones, wissen aber nicht, wie man sie zum Lernen nutzt“, berichtet Dressler. Der 16 Jahre alte Umut zum Beispiel tut sich auch wegen Verständnisschwierigkeiten schwer, online dem Unterricht zu folgen. Der Traum vom Hauptschulabschluss droht zu platzen.

„Wir müssen jetzt reagieren“, sagt Lenz. Möglichst schon ab Juni sollen die mit den ESF-Zusatzmitteln finanzierten Programme starten, die bis Ende 2022 laufen sollen. Bis zu 100 Prozent der Kosten können übernommen werden – während bei den bisherigen, ebenfalls mit 440.000 Euro dotierten Leistungen die Träger eine Kofinanzierung in Höhe von mindestens 50 Prozent organisieren müssen. Beim regulären ESF-Zuschuss bleibt das so, die andere Regel gilt nur für die 440.000 Euro, die wegen Corona zusätzlich fließen.

An zehn von zwölf Berufsschulen gibt es Sozialarbeit

Wie vielen Jugendlichen die neuen Programme zugutekommen, kann heute noch niemand sagen. Dressler geht davon aus, dass es allein an den drei berufsvorbereitenden Schularten in der Stadt jeweils 50 bis 60 Heranwachsende sein werden. Doch auch in mancher Berufsschule knirsche es. An zehn von zwölf gibt es Schulsozialarbeit. „Die haben wir schon 1997 gestartet“, so Lenz. Dressler berichtet von Berufsschülern, die nicht regelmäßig zum Unterricht kommen, die Drogenprobleme haben.

Bewerbung für ESF-Mittel

Noch bis 31. März nimmt die Stadt Bewerbungen für die zusätzlichen ESF-Mittel entgegen. Anträge können im Internet gestellt werden.

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