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Entspannung wohl erst Mitte Januar

Karlsruher Kliniken sehen sich vor Weihnachten in dramatischer Lage

Die Zahlen der Corona-Infizierten und der Covid-Toten erreichen kurz vor Weihnachten in Karlsruhe wie in ganz Deutschland Rekordwerte. Die Kliniken rechnen mit einer noch härteren Belastungsprobe über die Feiertage.

Engpass Intensivstation: Die immer höher schlagende Winterwelle der Pandemie bringt die Krankenhäuser an die Grenzen der Belastbarkeit. Foto: Fabian Strauch

Der Blick auf die Feiertage ist nicht zuversichtlich: Das Städtische Klinikum rechnet mit einem weiteren Anstieg der Covid-Patienten. Man stehe deshalb vor „einer großen Herausforderung“, um die stark angespannte Situation zu beherrschen, sagt Michael Geißler, der medizinische Geschäftsführer.

Die Intensivbetten würden knapp. „Die Entwicklung der Fallzahlen ist besorgniserregend“, da sei der jüngst durch die Krankenhäuser der Region von der Politik geforderte Lockdown „unumgänglich“ gewesen. Dessen Wirkung wird sich aber laut Geißler frühestens Mitte Januar positiv bei den Kliniken bemerkbar machen. Vorerst würde auch die tägliche Zahl der Covid-Toten nicht sinken.

Intensivstation am Anschlag

„Die Lage ist deutlich dramatischer als im Frühjahr in der ersten Welle der Pandemie“, unterstreicht er. Indes könne man durch die Organisation von Bereitschaftskräften jederzeit reagieren.

Weiter will das Klinikum vermeiden, eine zweite Covid-Intensivstation einzurichten, weil sonst die Versorgung anderer Intensivpatienten leide. Dabei waren laut Klinikdirektor Martin Bentz die zwölf Betten der Covid-Intensivstation bereits mehrfach alle belegt. Am Donnerstag waren es dort zehn Patienten, davon sieben beatmet. Insgesamt hat das Klinikum 47 Intensivbetten ohne die Mobilisierung von Reserven. Für sie gibt es dann aber kein Personal ohne weitere Abstriche an der Versorgung anderer Patienten.

Hilfe im Verbund

Gut funktioniert die Verteilung von Covid-Intensivpatienten innerhalb des Großraums Karlsruhe, einer von sechs Verbünden im Bundesland, nach Einschätzung von Franz Kehl. Der Chefarzt am Städtischen Klinikum leitet das Cluster Mittlerer Oberrhein/Nordschwarzwald.

Durch das gegenseitige Aushelfen bleiben wir in der angespannten Lage handlungsfähig.
Michael Geißler, medizinische Geschäftsführer Städtisches Klinikum Karlsruhe

„Durch das gegenseitige Aushelfen bleiben wir in der angespannten Lage handlungsfähig“, meint Geißler. Das Klinikum hat bereits drei Covid-Intensivpatienten in Krankenhäuser der Region verlegt und fünf zum Ausgleich überlasteter Kapazitäten aus Bruchsal, dem Enzkreis oder Freudenstadt übernommen. Sollten die Krankenhäuser eines Clusters zusammen überlastet sein, greift das Austauschprinzip zunächst auf Landes- und darüber hinaus auf Bundesebene. So werden derzeit schon Patienten aus Sachsen nach Hamburg gebracht.

Wann bringt das Impfen Entlastung?

Das kurz vor dem Start stehende Impfen gegen das Coronavirus in der Messe Karlsruhe werde die Krankenhäuser gar erst im Sommer nachhaltig entlasten.

Geißler geht davon aus, dass die Krankheit Covid, die „in schweren Fällen eine bislang ungekannt hohe Sterblichkeit bei Krankenhauspatienten auslöst“, die deutschen Kliniken auch noch im nächsten Winter beschäftigen wird. Schließlich sei kaum davon auszugehen, dass bis zum Herbst 60 Prozent der Bevölkerung freiwillig geimpft sei.

Das Personal des Städtischen Klinikums bekommt mit dem Dezembergehalt die vom Bund und dem Land finanzierte Corona-Prämie steuerfrei ausbezahlt, berichtet Markus Heming, kaufmännischer Geschäftsführer des Klinikums. Dies könne bei einer besonders belasteten Kraft 1.446 Euro ausmachen.

Treppeneffekt bei ViDia Kliniken

Am Städtischen Klinikum hat sich die Zahl der Covid-Patienten insgesamt von 48 auf 55 Personen gegenüber der Vorwoche erhöht. In den ViDia Kliniken Karlsruhe liegen 71 Covid-Patienten, vor einer Woche waren es 61. Dort werden 13 auf der Intensivstation behandelt, davon neun beatmet. ViDia-Klinik-Vorstand Karl-Jürgen Lehmann spricht von einem „Treppeneffekt“ durch die gestiegenen Infektionszahlen.

Wir haben nur noch schlanke Reserven bei den Intensivbetten.
Karl-Jürgen Lehmann, ViDia-Klinik-Vorstand

Auch er rechnet damit, dass sich die Zunahme der Covid-Patienten-Zahl bis Weihnachten fortsetze und erst in der zweiten Januarhälfte ein deutlicher Rückgang dank des Lockdowns eintrete. Man müsse vielleicht an den Stellschrauben drehen und damit andere Stationen und Leistungen Richtung Heiligabend reduzieren, meint er.

„Keine merkliche Entspannung“ sieht Lehmann beim Engpass durch krankes Personal, besonders auf der Intensivstation des Diakonissenkrankenhauses. „Dort fehlt weiter mehr als die Hälfte“, bestätigt er.

„Wir haben nur noch schlanke Reserven bei den Intensivbetten“, betont Lehmann. Für die nächsten zehn Tage schließt er aber trotz der „recht hohen Infektionszahlen in der Stadt und im Landkreis“ aus, dass es in Karlsruhe zu einer Überlastung der Kliniken wie in Sachsen kommt.

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