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Fernwärmerohr mit Schlauch geflickt

Nach Rohrbruch in Karlsruher Sophienstraße sind alle betroffenen Wohnungen wieder warm

Heißer Dampf und kalte Zimmer: Weil ein Rohr der Fernwärmeleitung in Karlsruhe brach, mussten die Menschen in 60 Häusern am Freitag einige Stunden frieren. Was kann den Schaden verursacht haben?

Ein Loch auf der Straße: Am Kreisel in der Karlsruher Sophienstraße ist in einer Grube die Stelle des Rohrbruchs freigelegt. Der Fernwärmeleitung wurde provisorisch mit einem Schlauch geflickt. Foto: Jörg Donecker

In 60 Karlsruher Häusern wurde es plötzlich kalt. Ein Leck in der Fernwärmeleitung ließ die Wohnungen um den Sophienkreisel auf der Grenze zwischen der Weststadt und Mühlburg Heizkörper abkühlen.

Ab 3 Uhr in der Nacht zum Samstag konnte es auch in den letzten 15 Wohngebäuden wieder warm werden. Die Stadtwerke haben die Leckage provisorisch bewältigt.

Der Bruch des Fernwärme-Wasserrohrs von Freitagnachmittag ist mittels eines Umleitungschlauchs notdürftig geflickt. Markus Schneider, Sprecher der Stadtwerke, bestätigt, dass die notwendigen Untersuchungen und die Reparaturarbeiten am Montag aufgenommen würden.

Ursache ist weiter ungeklärt

Bislang sei die Ursache für das Leck nicht geklärt, berichtet Schneider. „Hierzu muss die Schadensstelle genauer untersucht werden“, erläutert er. Nach erster Sichtung gebe es keine weiteren Schäden im Boden, „da das heiße Wasser, das aus der Schadensstelle ausgetreten ist, über die Kanalisation ablief“. Aber auch dazu werde es erst in den kommenden Tagen weitere Untersuchungen geben, so Schneider.

Demnach gibt es derzeit keine Hinweise darauf, dass der Rohrbruch in Zusammenhang mit Straßenbauarbeiten steht. Seit rund zwei Jahren werden nahe der Rohrbruchstelle Mühlburger Straßen im Rahmen des Subventionsprogramms „Soziale Stadt“ saniert und umgebaut.

Nach der Gellertstraße und der Klopstockstraße ist derzeit noch die Herderstraße zwischen Kaiserallee und eben dem auch erst vor rund zwei Jahren installierten Kreisverkehr auf der Sophienstraße an der Reihe. Momentan haben die Bauarbeiter auf Weststadtseite der Herderstraße einen Graben gezogen. Dort liegen aktuell Leitungen frei.

Am frühen Freitagabend wurde die Schadensstelle exakt geortet und dann dort ein Loch in den breiten Bürgersteig am Kreisel gegraben. Schneider berichtet von einer „arbeitstechnisch sehr anspruchsvollen Suche“ nach der Schadstelle, die erfahrungsmäßig auch viele Meter entfernt vom Ort des Dampfaustritts unter dem Asphalt liegen könne. Mit hochsensiblen Messgeräten werde die Quelle des Übels sicher aufgespürt.

Heiße Sache unter der Erde

Die Arbeiter schnitten das defekte Metallrohrstück heraus und schweißten eine Kupplung für den Ersatzschlauch an. Nun überbrückt der Hochdruckschlauch die Schadensstelle. Er führt aus der Grube zum fünf Meter entfernten Kanalschacht auf der Kreiselfahrbahn, wo am Freitag gegen 15 Uhr der Dampf aufstieg. Der Kreisverkehr ist an dieser Stelle für die vom Kühlen Krug kommenden Autos und Radler durch Absperrungen verengt.

Fernwärme gilt ökologisch als der Energierenner

Bis zu 120 Grad warmes Wasser wird unter Hochdruck durch die Fernwärmerohre von der Mineralölraffinerie Oberrhein (MiRO) und vom Kohlekraftwerk der EnBW am Rhein von den Stadtwerken über ihre Verteilerzentrale, das alte kommunale Heizkraftwerk beim Sonnenbad, zu Haushalten in Karlsruhe gepumpt. Besonders wegen der Nutzung der sonst verpuffenden Abwärme in der Raffinerie gilt der von den Stadtwerken enorm forcierte Ausbau dieser Heizenergie mit der besten Ökobilanz bundesweit als Karlsruher Vorzeigeprojekt.

Damit werden jährlich 100.000 Tonnen CO2 eingespart. Und mit dem Anschluss an das 217 Kilometer lange Karlsruher Fernwärmenetz spart sich auch der Verbraucher den eigenen Heizkessel und Tank. Inzwischen sind fast 40.000 Wohn- und Gewerbeeinheiten angeschlossen. In ein gigantisches Ausbauprogramm stecken die Stadtwerke gerade binnen zehn Jahren rund 100 Millionen Euro.

Ohne Heizung waren für einige Stunden Menschen in Mühlburg und in der Weststadt. Häuser in Bachstraße, Gellertstraße, Grillparzerstraße, Händelstraße, Herderstraße, Ludwig-Marum-Straße, Kaiserallee, Schubertstraße, Sophienstraße, Weltzienstraße sowie Wichernstraße waren nach Angaben der Stadtwerke betroffen. „Nur alle fünf, sechs Jahre haben wir es mit derartigen Schadensfällen bei den Fernwärmleitungen zu tun“, schätzt der Sprecher der Stadtwerke.

Sei wie am Freitag eine Transportleitung betroffen, falle dies schwerer ins Gewicht, als wenn das Rohr an einer Hauszuleitung breche. Wie bei den Trinkwasserleitungen haben die Stadtwerke und damit die Bürger Karlsruhes nur relativ selten mit gravierenden Wasserrohrbrüchen zu kämpfen. „Letzte Woche hatten wir mit drei, vier kleineren Wasserrohrbrüchen an Nebenleitungen für das Trinkwasser zu tun“, berichtet er.

Um weiteren Schäden vorzubeugen, sei jedes Mal eine genaue Ursachenanalyse fällig, versichert Schneider. Folglich werde man jetzt den Rohrbruch an der Fernwärmeleitung am Sophienkreisel genau unter die Lupe nehmen. „Wir müssen wissen, ob etwa ein Materialfehler oder etwa Erdbewegungen in der Nähe der Auslöser waren“, erklärt Schneider.

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