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Streetart-Leidenschaft seit 30 Jahren

Was den Karlsruher Street Art Künstler Imthor antreibt

Viele der Stencil-Werke in der Günther-Klotz-Anlage in Karlsruhe stammen aus den Spraydosen von Imthor. Aber auch auf auf Acryl entstehen Werke des Künstlers, die es beispielsweise in einer Mannheimer Galerie gibt.

Imthor bei der Arbeit an seinem neuen Werk„Excuse me while I kiss the sky”. Foto: Rake Hora

Der Karlsruher Street Art Künstler Imthor begann vor rund 30 Jahren mit Street Art. Er hat sich vor allem der Stencil-Kunst verschrieben und ließ sich von Künstlern wie Jeff AérOsol oder Banksy inspirieren. Diese Schablonenkunst verfeinerte er in den vergangenen Jahren immer mehr und ging der Faszination nach, wie etwas so realistisch aussehen kann, auch wenn nur wenig Farbe verwendet wird.

Imthor, der seinen gebürtigen Namen nicht nennen möchte, kam in Germersheim auf die Welt und lebt seit 2011 in Karlsruhe – aktuell in Karlsruhe-Neureut. Heute ist er 46 Jahre, hat drei Kinder und ist zum zweiten Mal verheiratet. Hauptberuflich arbeitet er im Bankenbereich. Das Malen ist für ihn Hobby und Leidenschaft zugleich.

Ganesha, der Elefantengott an der Alb unter der Vogesenbrücke. Foto: Rake Hora

In der Karlsruher Günther-Klotz-Anlage finden sich viele seiner Werke. Manche gibt es länger, andere kürzer. Das habe immer auch mit einem gewissen Respekt der anderen Künstler zu tun. Ganesha, der Elefantengott an der Alb, existiere beispielsweise schon recht lange. Das wohl bekannteste seiner Motive sei die Frau mit dem Smiley im Gesicht.

Das wohl bekannteste Motiv des Künstlers. Foto: Rake Hora

Künstler vermisst Streetart in der Innenstadt

Andere Arbeiten werden einfach in die Werke der anderen Künstler integriert. Was er in Karlsruhe so wie in ganz Deutschland vermisst ist, dass sie nicht mehr in die Innenstädte integriert wird.

Abends entstehen bei im Zuhause aber auch Acrylarbeiten. Mit diesen Arbeiten möchte er „die Straße in die Häuser bringen“. „Beim Malen lebe ich in meiner eigenen Welt, in der ich alle Freiheiten ausleben kann”, sagt er. Das sei ein idealer Ausgleich zu seinem strukturierten Bankenjob, ebenso wie der Kampfsport Wing Tsun, das Boxtraining oder das Joggen.

Früher habe er auch Handball gespielt und Hunde ausgebildet. Für den Karlsruher ist eines klar: Er möchte kein Mensch in einer Führungsposition sein, der sich nur über materielle Dinge definiert, sondern anderen etwas Positives mitgeben.

„Mir ist wichtig, dass es nach Handwerkskunst aussieht – so wie beim Siebdruck“, sagt der Künstler. „Kreativität unterscheidet uns von Robotern. Sie ist nicht messbar.“ Er ist überzeugt, dass der Weg das Ziel ist.

Imthor steht für den Donnergott.
Imthor, Karlsruher Street Art Künstler

Imthor verpackt in seinen Bildern oft etwas Politisches, möchte zum Nachdenken anregen und auch Dinge infrage stellen. „Die Betrachter sollen sich länger mit den Bildern beschäftigen und für ein paar Sekunden aus ihrem Hamsterrad gerissen werden“, sagt der Familienvater. Ebenso Wert legt er auf Vielfältigkeit. Gerne kombiniert er realistische Elemente mit Farbausläufen.

Bei den Motiven sind eher Menschen als Tiere zu finden. „Ich liebe es, Momente und Mimiken einzufangen“, sagt er im Gespräch mit den Badischen Neuesten Nachrichten.

Imthor malt seit etwa 30 Jahren - zuletzt vor allem Schablonenkunst. Foto: Rake Hora

Ausstellung im Alten Schlachthof geplant

Nach Ausstellungen in einer Mannheimer Galerie und in seiner Bank soll im kommenden Jahr gemeinsam mit dem Kunsthändler Atilla Kirbas im Alten Schlachthof auch eine Präsentation seiner Arbeiten in Karlsruhe folgen. Wobei das noch immer ein Spagat für ihn sei. „Street Art verpönt eigentlich Werbung und Kommerz. es ist daher immer ein Streitthema, ob diese käuflich zu erwerben sein sollte”, sagt Imthor.

Aber es gehöre dazu, etwas Geld zu verdienen, und Kirbas interessiere sich auch für die Künstler dahinter. „Ich werde oft gefragt, ob ich das mit mir vereinbaren kann“, sagt er. „Etwas Gutes haben Galerien: Dort erhält man direktes Feedback.“

Manche Werke, wie dieser Breakdancer, entstehen auch Zuhause als Stencil Foto: Rake Hora

Die Betrachter sollen sich länger mit den Bildern beschäftigen.
Imthor, Street Art Künstler

Den Künstlernamen Imthor wählte der Karlsruher übrigens, weil er aus Buchstaben besteht, die er gerne malt. „Imthor steht für den Donnergott („I am Thor“)“, erklärt er. Über die Jahre habe er seinen Namen auch schon mehrfach gewechselt. Manchmal vergesse er sogar bei Werken, diesen zu ergänzen. Das zeigt, wie er denkt.

Der Stencil-Künstler nimmt sich nicht zu wichtig, denn es geht schließlich um das Bild. „Dies würden einige Menschen oft vergessen. Sie kaufen nur Kunst, um eine Geschichte zu ihr erzählen zu können“, kritisiert er. Imthor selbst hat sich erst seit diesem Jahr entschieden, mehr nach außen zu gehen.

Manchmal begleiten ihn seine Kinder, deren Namen er in seinen Tattoos verewigt hat, zum Malen. Ein Traum von ihm ist auch, einmal ein Projekt mit anderen Kindern umzusetzen. So könne er zeigen, dass man einfach mit etwas beginnen müsse. Er habe sich immer viel selbst beigebracht. Doch auch der Austausch sei wichtig.

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