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„I hätt do mol e Frog”

Was hat es mit den acht Terrakotta-Reliefs bei der Badischen Weinstube auf sich?

Woher stammen die acht runden Terrakotten, die nahe den Badischen Weinstuben, versteckt an einer Wand hin zum Schlossgarten in Karlsruhe ihr Dasein fristen? BNN-Leserin Ingrid Albicker-Omidi begleiten die Reliefs gedanklich schon seit Jahrzehnten.

Die Terrakotta-Reliefs im Botanischen Garten begleiten BNN-Leserin Ingrid Albicker-Omidi schon seit Jahrzehnten. Foto: Jörg Donecker

An diesen Ort hat Ingrid Albicker-Omidi sehr persönliche Erinnerungen. Als ihre beiden längst erwachsenen Kinder noch klein waren, schaute die Familie öfter hier vorbei. „Für uns waren das immer die Königsköpfe”, berichtet die Karlsruherin.

Die acht kreisrunden Terrakotta-Reliefs sind ein wenig versteckt platziert - von einer schmalen Steinmauer im Botanischen Garten blicken sie herab: zwei vertikale Reihen mit jeweils vier Köpfen. Die Mauer schließt westlich an das Tor an, das östlich des Kleinbahnhofs den Botanischen Garten mit dem Schlossgarten verbindet.

Ingrid Albicker-Omidi interessiert sich für die Geschichte der acht Halbreliefs und hat sich deshalb unter der Rubrik „I hätt do mol e Frog” an die BNN gewandt. Wo kommen sie her, und wen stellen sie dar?

Die Leserin aus der Südweststadt hat einst Architektur studiert und bis vor kurzem angehende Bauzeichner an der Heinrich-Hübsch-Schule unterrichtet. Heinrich Hübsch spielt auch im Zusammenhang mit den Terrakotta-Reliefs eine bedeutende Rolle. Denn laut Hartmut Troll, Kunsthistoriker und Gartenkonservator bei den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg, stammen die steinernen Bildnisse vom Hoftheater, das Baumeister Heinrich Hübsch Mitte des 19. Jahrhunderts auf dem Geviert des heutigen Bundesverfassungsgerichts errichtete.

Es folgte auf das 1810 eröffnete Großherzoglich Badische Hoftheater von Friedrich Weinbrenner, das am 28. Februar 1847 niederbrannte. 63 Menschen ließen damals ihr Leben.

Hoftheater zerstört

Auch der Nachfolge-Bau von Hübsch steht schon lange nicht mehr. Am 27. September 1944 wurde er bei einem Bombenangriff schwer demoliert und 1963 im Zuge des Neubaus des Bundesverfassungsgerichts abgerissen.

Die acht Terrakottareliefs überlebten neben vielen anderen und fanden später einen neuen Platz in der rötlichen Sandstein-Mauer. Sie stammen Gartenhistoriker Troll zufolge aus der Hand des Bildhauers Franz Xaver Reich.

Bauplastik ausgebaut

Ein sehr persönliches Verhältnis zu den einstigen Hoftheater-Terrakotten hat der Architektur-Historiker Gerhard Kabierske vom Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau am KIT. Als Schüler erlebte er 1963 mit, wie die Theater-Ruine beseitigt wurde. „Zuvor wurde eine Auflage des Landesamts für Denkmalpflege umgesetzt, wonach die Bauplastiken ausgebaut werden mussten”, berichtet Kabierske.

Während eine Vielzahl von Reliefs seither im Magazin des Badischen Landesmuseums ruht, wurden andere Stücke über die Hochbauverwaltung veräußert, wieder andere einer neuen Nutzung zugeführt. So landeten lebensgroße Ganzfiguren in den Räumen der „Badischen Weinstuben” im Botanischen Garten. Und die acht runden Bildnis-Reliefs eben in der Mauer, wo sie Ingrid Albicker-Omidi schon seit Jahrzehnten aufsucht.

Keine konkreten Persönlichkeiten

Nach Ansicht von Gerhard Kabierske handelt es sich im Fall dieser Arbeiten nicht um konkrete Persönlichkeiten. Vielmehr seien damit symbolhaft unterschiedliche Typen angesprochen, die für die Vielgestaltigkeit von Oper und Schauspiel stehen: Links oben ein gekröntes Haupt, weiter unten ein Junge mit mittelalterlich anmutendem Haarputz, schräg daneben ein Kopf von klischeehaft-türkischer Anmutung sowie der Archetyp einer Jungfrau.

Dem Experten Kabierske zufolge hat es daneben eine Vielzahl anderer Figuren und Ornamente von Franz Xaver Reich gegeben. Beim Bau des Hoftheaters produzierte der Bildhauer aus Hüfingen sie an Ort und Stelle in Karlsruhe.

Der Künstler stellte einst aber auch Konterfeis konkreter Personen her, darunter Literaten wie Goethe und Dante. Die acht kreisrunden Terrakotten in der Schlossgartenwand haben ein zweites Leben unweit des einstigen Hoftheaters gefunden.

Andere bauplastische Zeugnisse des Hübsch-Theaters blühen andernorts weiter: Vor ein paar Jahren stieß Gerhard Kabierske in einem Ferienhaus in Südfrankreich auf weitere Reliefs derselben Provenienz. Die Immobilie gehörte einem Karlsruher Architekten.

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