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Am Galgenberg wurden Ganoven aufgehängt

Wolfartsweierer Wahrzeichen: Für was das „Zündhütle“ in Karlsruhe ursprünglich gedacht war

Das „Zündhütle“ ist das Wahrzeichen von Karlsruhe-Wolfartsweier. Der 40 Meter hohe Schrotturm wurde vor rund 70 Jahren gebaut. Jeder kennt ihn in Wolfartsweier - aber welchen Zweck erfüllte er früher eigentlich und was macht ihn so besonders?

Das Zündhütle, ein 40 Meter hoher Turm in Karlsruhe-Wolfartsweier, wurde einst als Schrotturm errichtet. Foto: Ingrid Vollmer

Wer im 18. Jahrhundert mit dem Pferdekarren auf der Landstraße an Wolfartsweier vorbeikam, der machte mitunter Bekanntschaft mit dem Tod. Denn am dortigen Galgenberg, oberhalb des Zündhütles, wurden Ganoven aufgehängt.

Das ist nicht das einzig Interessante rund um den alten Schrotturm in Wolfartsweier. Exponiert und gut sichtbar sollte der dreisäulige Galgen auf die Gerichtshoheit des damaligen Landesherren, des Markgrafen von Baden-Durlach, hinweisen und natürlich jedem Vorbeiziehenden zeigen, wo Gesetzesbrecher enden.

Die Urteile sprach damals das Amt Durlach, das den Galgen direkt an der Grenze zu Wolfartsweier hatte errichten lassen. „Die erste schriftliche Erwähnung findet sich im Durlacher Amtslagerbuch von 1532. Wie lange der Galgen dort stand, lässt sich nicht mehr genau sagen“, weiß Heinz Bölle vom Geschichtsverein Wolfartsweier.

Keine Hinrichtungen mehr ab dem 19. Jahrhundert

In einer Flurkarte von 1868 heißt der noch auf Durlacher Gemarkung gelegene Platz „Bei dem Hochgericht“, auf Wolfartsweierer Gemarkung schließen sich die „Galgenäcker“ an. Sicher sei, dass es dort im 19. Jahrhundert keine öffentlichen Hinrichtungen mehr gegeben habe und die Hinrichtungsstätte nach und nach zerfallen sei.

„Vermutlich“, meint Bölle, „sind dort auch nicht sehr viele Menschen hingerichtet worden.“ Der Galgen hat laut Bölle allerdings wenig mit Wolfartsweier zu tun: Auch wenn er oberhalb des Schrotturmes der ehemaligen Munitionsfabrik stand, gehörte er doch zu Durlach.

Blei floss aus 37 Metern zu Boden

Der Schrotturm indes, also das eigentliche Zündhütle, ist ein Teil der Wolfartsweierer Geschichte. Der 40 Meter hohe Turm wurde 1952/53 von der Munitionsfabrik Gustav Genschow & Co. AG als Fallturm errichtet. Flüssiges Blei wurde von der 37 Meter hohen Arbeitsbühne gegossen, erstarrte in einem auf der Erdsohle stehenden Wasserbecken und wurde zu Patronen verarbeitet.

1973 wurde die Munitionsproduktion auf dem Areal eingestellt, nachdem im Laufe der Jahre – 1897 siedelte sich erstmals eine „Sprengkapsel- und Zündhütchenfabrik“ an – dreimal die Besitzer und fünfmal der Firmenname wechselten. Übrig blieb einzig der fortan Zündhütle genannte Schrotturm.

Der Turm aus Stahlbeton, ein ausgewiesenes Kulturdenkmal, diente vor Jahren dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) für meteorologische und geodätische Forschungen. „Die Leute hier identifizieren sich mit ihrem Zündhütle“, meint Elga Roellecke, jahrelanges Ortschaftsratsmitglied in Wolfartsweier und 33 Jahre die Vorsitzende des Vereins für Geschichte im Karlsruher Stadtteil. „Schließlich fanden sehr viele Arbeit in der damaligen Munitionsfabrik.“

Wohngebiet ist nicht gut angebunden

Das Wohngebiet Zündhütle gehört zu Wolfartsweier und ist dennoch aufgrund der Verkehrsanbindung ein wenig abgekapselt. „Man kommt nur zu Fuß direkt aus Wolfartsweier ins Wohngebiet, mit dem Auto muss man außen herum fahren“, erläutert Wolfartsweiers Ortsvorsteher Anton Huber die Straßenführung.

„In den Köpfen meiner Generation“, so Huber (Jahrgang 1987), „ist das Zündhütle aber ein fester Ortsteil Wolfartsweiers.“ Das Wohngebiet Zündhütle ist das neueste, und nach Hubers Einschätzung wohl auch letzte Neubaugebiet des Stadtteils. „Für Wolfartsweier gibt es keine Erweiterungsmöglichkeiten mehr“, sagt der Ortsvorsteher.

Eine ab und zu diskutierte Erweiterung des Zündhütles hält er für abwegig. „Damit würde man die herrliche Waldlage dieses sehr beliebten Wohngebietes zerstören,.“ Nicht nur als Wohngebiet ist das Zündhütle für das 3.200 Einwohner zählende Wolfartsweier wichtig, sondern auch wegen der dadurch vorgenommenen verstärkten Anbindung des Stadtteils an den Öffentlichen Personennahverkehr. Seit 2004 wird das Zündhütle mit den Tramlinien 2 und 8 angefahren, zuvor mit Bussen.

„Das Zündhütle ist einer von nur zwei beschrankten Bahnübergängen im Netz der VBK“, sagt Sarah Fricke von den Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK). Und außerdem ist das Zündhütle im Streckennetz der VBK mit ihren 290 Bushalte- und 127 Tramhaltestellen neben der Haltestelle ZKM die einzige, die mit dem Buchstaben Z beginnt.

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