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Auftragsrückgang

Karlsruher Handwerker spüren die Corona-Folgen mit Zeitverzögerung

Das Handwerk in Karlsruhe ist unterschiedlich stark von der Corona-Krise betroffen. Während manche sie kaum spüren, fürchten andere um ihre Existenz. Vor allem das Privatkunden-Geschäft liegt in großen Teilen flach. Einen Rückgang in der Nachfrage spüren aber die meisten Unternehmen.

Wer im Wohnungsbau beschäftigt ist, bekommt von der Corona-Krise wenig mit. In anderen Bereichen des Handwerks sind deutliche Auftragsrückgänge zu verzeichnen. Foto: jodo

Das Handwerk in Karlsruhe ist unterschiedlich stark von der Corona-Krise betroffen. Während manche sie kaum spüren, fürchten andere um ihre Existenz. Vor allem das Privatkunden-Geschäft liegt in großen Teilen flach. Wer kann, zehrt von vollen Auftragsbüchern. Einen Rückgang in der Nachfrage spüren aber die meisten Unternehmen.

Mit Wucht hat die Corona-Krise einen kleinen Karlsruher Familienbetrieb in der Sanitärbranche getroffen. 80 Prozent der Aufträge fallen weg, seit Tagen ruft kaum jemand an. Überhaupt keinen Umsatz machen gar Friseursalons wie der von Stefanie Welsch. Seine Türen bleiben wegen der behördlichen Verordnung seit einigen Tagen zu.

Privatkunden lassen aus Angst vor Corona niemanden in die Wohnung

Doch nicht alle Handwerksbranchen bekommen die Folgen der Schutzmaßnahmen so deutlich zu spüren. Firmen, die eher an der frischen Luft oder im Neubau beschäftigt sind, berichten von einer stabilen Auftragslage. Viele Betriebe rechnen aber damit, dass das Corona-Loch sie mit Zeitverzögerung treffen kann.

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Die erste Delle erwartet Thomas Lambrix im Privatkundenbereich. „Da gehen sicher einige jetzt in den Baumarkt und kaufen selbst Farbe“, mutmaßt der Obermeister der Maler- und Lackiererinnung. Das tangiere viele Kleinfirmen, die auf solche Aufträge angewiesen sind.

„Auf der anderen Seite haben viele Menschen Angst davor, jemanden in die Wohnung zu lassen“, sagt Kreishandwerksmeister Frank Zöller. Teilweise beklagten Betriebe einen Auftragsrückgang von über 50 Prozent.

Tagesgeschäft der Handwerker findet kaum noch statt

Vor allem das Tagesgeschäft ist völlig zum Erliegen gekommen, berichtet der Geschäftsführer eines Sanitär-Familienbetriebs. Zu normalen Zeiten bitten regelmäßig Menschen um Hilfe mit durchlaufenden Spülkästen. „Die lassen sie vermutlich einfach laufen“, sagt er.

Für rund zwei Wochen gibt es noch Aufträge. Neues kommt nicht rein. Deshalb hat der Betrieb Soforthilfe beantragt. „Dabei sind wir gut auf Corona vorbereitet, haben Schutzmaßnahmen für unsere Kunden ergriffen und sogar eine Schulung gemacht“, erzählt der Chef.

Baubranche profitiert von vollen Auftragsbüchern

Von vollen Auftragsbüchern erzählt hingegen Michael Strippel, der Geschäftsführer der gleichnamigen Bedachungsfirma. „Wir haben ein wenig umdisponiert, aber was angeleiert ist, läuft weiter.“ Viele Privatkunden seien froh, dass man die Termine trotz Krise einhalte.

Lange sind auch die Auftragslisten vieler Bauunternehmen wie der Schaber Baugesellschaft – vieles wurde schon im Vorjahr vereinbart. Stornierungen gibt es bislang keine, sagt Geschäftsführer Reiner Schaber. Wohnungsbaugesellschaften versorgten den Betrieb sogar noch mit zusätzlicher Arbeit. „Die denken auch an die Zeit nach der Krise.“

Lediglich in der Nachfrage schlägt sich die unsichere Corona-Situation nieder. Bei neuen Anfragen seien Kunden etwas zögerlicher als sonst. Besonders verwundert sind Schaber und einige Branchenkollegen allerdings über kommunale Auftraggeber. Städtische Ausschreibungen, die sonst in den ersten Monaten des Jahres kommen, gab es bislang laut dem Bauunternehmer überhaupt keine.

Friseurin muss Termine absagen

Trotz geschlossener Türen ist Stefanie Welsch am Montag in ihrem Friseursalon in der Karlstraße zu erreichen. Ihr Terminkalender ist bis Dezember ähnlich voll wie der vieler Kollegen in der Baubranche. „Jetzt bin ich damit beschäftigt, Kunden anzurufen und abzusagen“, berichtet sie.

Nachholen lässt sich das verlorene Geschäft nicht, ihren geplanten Mai-Urlaub hat sie schon abgeschrieben. Die Laune will sich Welsch aber nicht verderben lassen. „So halten wir wenigstens Kontakt. Und mehr als abwarten können wir ja nicht.“

Wenige neue Aufträge für kleinen Malerbetrieb

Der kleine Malerbetrieb von Osman Alihodzic profitiert derzeit noch von Aufträgen, die Anfang des Jahres eingegangen sind. „Allerdings mussten wir schon einige verschieben“, sagt er. „Vor allem im privaten Bereich ist das zur Zeit sehr sehr schwierig.“

Doch kritischer als verlegte Termine ist für den Betrieb das Minus im Auftragseingang. Normal würde Alihodzic derzeit planen, wo er von Juni bis August arbeitet. Das ist kaum möglich, denn viele Anrufe bleiben aus. „Die Tendenz geht nach unten“, sagt Innungsobermeister Thomas Lambrix. „Die Delle kommt mit Verzögerung.“

Kunden können nicht mehr bezahlen

Dabei sind es keineswegs ausschließlich Privatpersonen, die derzeit Aufträge an Handwerker scheuen. „Auch viele große Unternehmen wollen niemand Fremdes auf dem Gelände“, berichtet Kreishandwerksmeister Zöller.

Das Handwerk sei in der Mehrzahl gut aufgestellt. Dennoch könnten je nach Intensität des Umsatzeinbruchs auch solide finanzierte Betriebe gezwungen sein, ihre Rücklagen anzugreifen.

Zum Problem können sich dabei nicht nur fehlende Aufträge entwickeln. Auch die Bezahlung erledigter Projekte ist keineswegs gesichert. „Zwei Kunden haben schon mitgeteilt, dass sie aufgrund fehlender Einnahmen ihre Badsanierung nicht bezahlen können“, sagt der Geschäftsführer eines Sanitärbetriebs.

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