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Trend geht zu günstigeren Marken

Einzelhändler im Raum Karlsruhe beobachten in Krisenzeiten leichte Kaufzurückhaltung

Angesichts der steigenden Energiekosten überlegen sich die Kunden immer öfter, ob sie eine Anschaffung wirklich brauchen oder ob es nicht etwas Günstigeres gibt. Einzelhändler aus der Region haben einen Trend zu preiswerteren Marken beobachtet.

zwei Frauen mit Brillen stehen in einem Geschäft
Foto: Volker Knopf

Sparen in Zeiten der Inflation und der explodierenden Gaspreise – so lautet die Devise für weite Teile der Bevölkerung. Was bedeutet dies für Einzelhandel und Service-Dienstleister im nördlichen Karlsruher Landkreis?

„Es gibt schon Kunden, die ihre Termine nach hinten ziehen“, sagt Ivonne Burck vom gleichnamigen Friseur- und Beauty-Salon in Pfinztal-Berghausen.

Ihrer Mitarbeiterin Bianca Hatzner fällt vor allem auf, dass sich die Gespräche mit den Kundinnen oft ums Sparen und die galoppierenden Preise drehen. „Aber mir geht das ja auch so. Wenn möglich lasse ich das Auto öfter stehen und fahre mit dem Rad“, sagt die Friseurin.

Gespräche beim Friseur kreisen um Preise

Die Kundin im Frisierstuhl stimmt ihr zu: „Man schaut schon mehr auf den Preis. Obst verdirbt bei mir nicht mehr. Außerdem prüfe ich, wenn ich was beim Online-Kauf in den Warenkorb lege, genauer, ob ich das wirklich brauche.“ Die beiden Frauen berichten von Bekannten, die nach langer Zeit endlich eine Wohnung gefunden haben, sie aber letztlich doch nicht genommen haben, weil sie eine Gastherme hat.

Die Chocolaterie „La Casetta del Caffe“ in Weingarten bietet erlesene Schokolade, Pralinen, Kaffee oder Tee an. Inhaberin Susi Zacharias nimmt eine leichte Kaufzurückhaltung der Kunden wahr.

„Statt zum hochwertigen Kaffee wird jetzt eher mal zu einer günstigeren Sorte gegriffen. Auch der Schokoladenabsatz nimmt etwas ab“, berichtet sie – natürlich eingedenk des Umstands, dass aktuell Ferien sind und ohnehin alles etwas ruht.

Zurückhaltung in der Schoko-Branche

Aber: In der Schokoladen-Branche beginnen jetzt schon die Bestellungen für Winter- und Weihnachtszeit. „Und das ist schon etwas verhalten. Man bestellt nicht mehr so in großen Mengen“, sagt Zacharias. Aber Geschenke gingen nach wie vor sehr gut und kurz mal einen Kaffee im Außenbereich des Cafés zu trinken, das ließen sich die wenigsten nehmen.

Das Geschäft „Benz Lifestyle“ einige Schritte weiter hat sich auf Uhren, Schmuck, Taschen, stylische Wohnaccessoires und hochwertige Deko fokussiert. Viele hübsche Dinge in einem ansprechenden Ambiente. Alles eher in der Kategorie „nice to have“.

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Aber ob man das in Zeiten der Krise auch haben muss? „Bisher haben wir glücklicherweise noch nichts von Kaufzurückhaltung gespürt. Die Situation ist recht stabil. Aber natürlich kreisen die Gespräche oft um dieses Thema“, berichtet Inhaberin Tanja Benz.

Starke Nerven darf man bei ihr ohnehin voraussetzen. Sie hat das Geschäft vor gut einem Jahr mitten in der Corona-Krise eröffnet. Es sei schwierig einzuordnen, wie sich die Situation entwickle. „Möglicherweise ändert sich das Kaufverhalten, wenn die Rechnungen für Energiekosten im Herbst und Winter ins Haus flattern“, merkt ihre Mitarbeiterin Margit Völker an. Aber dennoch bleiben die beiden Frauen optimistisch.

Ausweichen auf den Discounter

Gegenüber hat gerade Katharina Dickgießer eingekauft. Sie hat ihr Einkaufsverhalten schon weit vor der Krise umgestellt. „Ich bin Rentnerin, habe mein ganzes Leben gearbeitet und bekomme eine beschissene Rente. Schreiben Sie das bitte genauso.“

Sie kauft schon lange in Second-Hand-Läden oder Sozialläden ein. Meist ist sie mit dem Rad unterwegs. So auch jetzt. Die sportliche Frau ist von Bruchsal hergeradelt. Natürlich schaue sie bei Lebensmitteln nach Angeboten, aber generell lege sie Wert auf gute Qualität. Und wenn das ein wenig mehr koste, dann sei das auch okay für sie.

Eine ältere Frau, die beim Edeka-Markt in Stutensee-Büchig einkauft, vergleicht regelmäßig die Preise und weicht auch schon mal auf den Discounter aus, wie sie erzählt. „Die Preise sind sehr gestiegen. Das geht schon an den Geldbeutel. Statt Markenprodukte kaufe ich mittlerweile die günstigeren Eigenmarken, die sind genauso gut.“

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