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Glaube und Kirche

Corona hat die Kirchen rund um Karlsruhe ein Drittel der Besucher gekostet

Die Gottesdienste in Weingarten, Graben-Neudorf und Dettenheim verzeichnen seit dem Beginn der Pandemie eine deutliche Abnahme bei den Teilnehmerzahlen.

Spärlich besucht: Die Besucherzahlen in den Gottesdiensten haben im Vergleich zu vor der Pandemie deutlich abgenommen. Obwohl wieder gesungen werden darf. Foto: Foto: Marianne Lother

Gottesdienst ist nicht gleich Gottesdienst. Es kam schon immer darauf an, wann er stattfindet, was geboten wird und nicht zuletzt, wer ihn hält. Aber die Corona-Pandemie hat die Statistik durchgehend deutlich nach unten gezogen.

Eine Werktagsmesse am Dienstagabend in der katholischen Kirche St. Michael in Weingarten war sehr spärlich besucht. Rund 20 Besucher waren gekommen, 90 hätten Platz gehabt.

„An einem gewöhnlichen Sonntag kommen zwischen 50 und 70 Personen“, berichtet Anne Beha vom Pfarrsekretariat St. Michael. In der Kirche in Weingarten brauchen sich die Besucher nicht anzumelden, aber sie müssen sich registrieren und Abstand halten. Eine Maske zu tragen ist Pflicht, aber sie dürfen wieder gemeinsam singen – mit Maske.

Kirchen haben dasselbe Konzept

Das Konzept ist in allen Kirchen dasselbe. In der Gesamtpfarrei Linkenheim-Hochstetten, Dettenheim und Graben-Neudorf wurde 2019 aus zwei Stichproben noch ein sonntäglicher Durchschnittswert von 378 Besuchern ermittelt, berichtet Pastoralreferent Marc Rahmann.

Im Jahr 2020 waren es noch 279, verteilt auf fünf Ortschaften. „Der Besuch seit Beginn der Pandemie hat einen ordentlichen Dämpfer bekommen“, fasst Rahmann zusammen. „Es sind wesentlich weniger als vorher.“ Dass mittlerweile wieder gesungen werden dürfe, ändere nichts daran.

Aus der evangelischen Michaelisgemeinde in Blankenloch berichtet Pfarrsekretärin Susanne Petillon. Sie hat anhand von Online-Anmeldungen und Formularen den Überblick über die Besucherzahlen und stellt fest, dass die Gottesdienste „nicht so gut besucht sind wie vor Corona“. Zuletzt habe sie 26 Besucher gezählt.

Predigt am Telefon verfolgen

Bei den Älteren vermutet sie hinter ihrem Fernbleiben gesundheitliche Bedenken. Oder dass die Blankenlocher Kirchenbesucher das Wechselangebot mit der Büchiger Heilig-Geist-Gemeinde nutzen. Andererseits bietet die Michaelisgemeinde an, die Predigt von Pfarrer Jörg Seiter am Telefon anzuhören.

Das werde sehr gut angenommen, berichtet Susanne Petillon. Sie erhalte öfters Anrufe von Menschen, die das dankbar zu schätzen wüssten. Die Altersstruktur, präsent oder am Telefon, sei relativ einheitlich der älteren Generation zuzuordnen.

Auch der Leiter der katholischen Kirchengemeinde Stutensee-Weingarten, Pfarrer Jens Maierhof, macht sich Gedanken über die schwindende Zahl seiner Kirchgänger. Dass an einem Werktag nicht viele Gläubige da waren, hält er fast für normal. Auch die Samstagabendgottesdienste seien weniger gut besucht als die am Sonntag.

Rückgang im Vergleich zu vor der Pandemie

Aber selbst unter Berücksichtigung von Urlaubszeit und einer allgemeinen sommerlichen „Hängepartie“ registriert Maierhof doch einen Rückgang im Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie. „Corona hat uns mindestens ein Drittel bis die Hälfte der Besucher gekostet, die vorher da waren“, sagt er unumwunden.

Die Ursache dafür sieht er vielfältig: Manche seien noch ängstlich, unter Menschen zu gehen oder schauen sich Gottesdienste im Fernsehen an. Er sieht durchaus eine Diskrepanz zu dem Ruf nach Präsenz, als während des Lockdowns nur Online-Gottesdienste möglich waren, und dem jetzigen Abstinenzverhalten, aber erklären kann er das nicht. Selbst dass wieder gesungen werden dürfe, wenn auch nur mit Maske, locke die Menschen nicht in die Kirche. Maierhof selbst sieht das Singen im Gottesdienst als eine große Bereicherung für den Menschen selbst.

„Singen tut der Seele gut, es ist eine Möglichkeit, sich aktiv zu beteiligen und man erreicht viel tiefere Schichten des Gemüts als nur mit Beten oder Zuhören.“ Augustinus habe einmal gesagt: Wer singt, der betet doppelt.

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