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Symbole helfen beim Verstehen

Experten im Büro für Leichte Sprache in Stutensee übersetzen komplizierte Texte

Komplizierte Texte in eine Sprache übersetzen, die auch Menschen verstehen, die der deutschen Sprache nicht in allen Facetten mächtig sind – dieser Aufgabe widmet sich das Büro für Leichte Sprache in Stutensee. Die Nachfrage ist groß.

Leichte Sprache im Fokus: Sandra Hubbe und auf dem Bildschirm ihre Chefin Sabine Schroter übersetzen komplizierte Texte. Aufträge kommen unter anderem von Ämtern, Gemeinden und Schulen. Foto: Rüdiger Homberg

„Leichte Sprache ist alles andere als leicht“, sagt Sandra Hubbe. Die 55 Jahre alte Engländerin hat auf der Insel Germanistik studiert und auf dem Kontinent eine Zusatzausbildung in Leichter Sprache absolviert.

Bei der Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft im Landkreis Karlsruhe (kurz: Bequa) gibt es seit 2014 ein Büro für Leichte Sprache. Sandra Hubbe leitet es seit 2017. Und dieses Büro hat neuerdings auch einen Sitz am Standort Stutensee der Bequa. Auch am Standort Bruchsal ist das Büro für Leichte Sprache vertreten.

Wobei die Standorte, so Sandra Hubbe und ihre Chefin Sabine Schroter, Sozialbereichsleiterin bei der Bequa, keine besondere Rolle spielen. Viel wichtiger sind die Menschen, für die das Büro Leichte Sprache arbeitet. Es übersetzt mehr oder weniger komplizierte Texte ohne Weglassen wichtiger Informationen in eine Sprache, die auch Menschen verstehen, die der deutschen Sprache nicht in allen Facetten mächtig sind.

Büro für Leichte Sprache in Stutensee hilft Menschen beim Verstehen von Texten

Das sind etwa Migranten, Personen mit Demenz, funktionale Analphabeten oder Menschen mit Lernschwierigkeiten und Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen. Auch bei älteren Leuten oder Menschen mit Deutsch als Zweitsprache kann die Arbeit des Büros hilfreich zur Seite stehen.

Rollstuhlfahrer etwa hätten Rampen, Blinde könnten sich mit ihren Stöcken an bestimmten Fahrbahnbelägen orientieren. Aber was gibt es für Menschen mit Lernschwierigkeiten? Das fragen sich Sandra Hubbe und Sabine Schroter.

Aufträge für das Büro können neben vielen anderen etwa von Ärzten kommen, von Ämtern, von Gemeinden, Dienstleistern oder Organisationen. Aber auch von Firmen, Veranstaltern und Schulen.

Als Beispiel: Wenn ein Frauenhaus einer Bewohnerin wegen schwerwiegender Verstöße gegen die Hausbedingungen kündigen will, kann es das mit einem komplizierten Text erledigen. Dort sind alle notwendigen Punkte rechtsgültig festgehalten. Aber ohne die juristische Gültigkeit zu verlieren, kann es dort auch heißen „Die Vermieterin darf den Vertrag sofort kündigen: Wenn es einen wichtigen Grund gibt.“

Es schließt sich ein Absatz an und dann der Hinweis, dass die Mieterin beispielsweise gegen die Hausordnung verstoßen hat. Und es folgen weitere Absätze mit anderen Beispielgründen, wie etwa, wenn die Mieterin anderen Gewalt angetan hat. Und jeder Absatz wird von einem sehr gut verständlichen Symbol begleitet – einem sogenannten Piktogramm.

Texte werden mit verständlichen Symbolen angereichert

Diese Piktogramme hat der erste Beschäftigte des Bequa-Büros Leichte Sprache entwickelt. Vincent Plüschow leidet unter dem Asperger-Syndrom. Er war von der Bequa zu einer Technischen Dokumentation an eine Firma ausgeliehen. Dieser Vertrag lief aber seinerzeit aus.

Zusammen mit Sabine Schroter hat er eine Inklusionsveranstaltung besucht. Menschen, die dem Fortgang nicht immer gleich folgen konnten, hoben immer wieder eine Rote Karte mit der Aufschrift „Leichte Sprache bitte!“ in die Höhe. So war die Idee geboren, bei der Bequa ein solches Büro ins Leben zu rufen.

Vincent Plüschow übersetzt seither mit wachsendem Erfolg von den verschiedensten Auftraggebern zum Umschreiben gelieferte Text so, dass sie auch von Menschen verstanden können, die Probleme mit schwierigen Texten haben. Und diese Übersetzungen werden mit leicht verständlichen Piktogrammen unterstützt. Da hat es sich als großer Vorteil erwiesen, dass Vincent Plüschow auch noch das Talent besitzt, solche Piktogramme zu entwerfen und zu zeichnen.

Aufgrund seiner Umstände braucht Vincent Plüschow viel Ruhe, muss möglichst ungestört sein. Und arbeitet daher hauptsächlich im Homeoffice. Wie im übrigen aber auch andere Beschäftigte des Büros, etwa die Werkstudentin der Übersetzungswissenschaft, Benita Weber.

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