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Vertrag bis 2024

Kehrtwende am Staatstheater Karlsruhe: Operndirektorin Braunger bleibt nun doch

Unerwartete Kontinuität für die Interimszeit am Staatstheater Karlsruhe: Operndirektorin Nicole Braunger hat ihren Vertrag entgegen bisheriger Pläne verlängert.

Bleibt nun bis 2024 in Karlsruhe: Nicole Braunger, Operndirektorin am Staatstheater. Foto: Felix Grünschloß

Überraschende Kehrtwende am Staatstheater Karlsruhe: Die derzeitige Operndirektorin Nicole Braunger bleibt entgegen bisheriger Meldungen doch über die laufende Saison hinweg im Amt. Dies teilte das Staatstheater am Donnerstag mit.

Am Vorabend hatte der Verwaltungsrat des Staatstheaters getagt und Details für eine dreijährige Interimszeit nach dem Ende der Intendanz von Peter Spuhler beschlossen.

Künstlerische Kontinuität

In diese Interimszeit geht das Theater nun mit Kontinuität im künstlerischen Leitungspersonal: Wie das Theater mitteilte, hat Nicole Braunger ihren Wunsch auf Nichtverlängerung des im Sommer auslaufenden Vertrags revidiert. Stattdessen wird sie nun mindestens bis Sommer 2024 im Amt bleiben. Bis zum Ende der Saison 2023/24 ist die Interims-Spielzeit angesetzt, während der eine langfristige neue Struktur des Theaters erarbeitet und eine entsprechende neue Leitung gesucht werden soll.

Die damit erreichte künstlerische Kontinuität sei „ein positives Zeichen – im Sinne der Kontinuität, der weiteren Profilbildung und künstlerischen Entwicklung der Opernsparte des Hauses“, werden der Geschäftsführende Direktor Johannes Graf-Hauber und die Künstlerische Betriebsdirektorin Uta-Christine Deppermann in der Mitteilung des Theaters zitiert.

Oper war besonders von Führungskrise betroffen

Die Wendung im Fall Braunger wirft noch einmal ein Licht auf die Führungskrise, die im vergangenen Sommer öffentlich zutage trat und letztlich zum Beschluss des Verwaltungsrats führte, die bereits bis 2026 vereinbarte Amtszeit von Generalintendant Peter Spuhler bereits zum 31. August 2021 zu beenden. Denn besonders augenfällig war die Personalflucht vor dem von Kontrollzwang und Druck geprägten Arbeitsklima unter Spuhler in der Opernsparte.

Stelle war im Herbst 2020 schon ausgeschrieben

So hatten im Herbst 2019 mehrere leitende Mitglieder erklärt, ihre Verträge nicht zu verlängern. Und es war zu hören gewesen, dass Nicole Braunger selbst bereits schon damals um vorzeitige Aufhebung ihres Vertrags gebeten hatte. Während der Führungskrise hatte sich Braunger nie öffentlich geäußert. Auch nicht, als ihre Stelle im Herbst 2020 zur baldmöglichen Neubesetzung ausgeschrieben wurde, während des eingeleitete Reformprozesses noch unter der Prämisse eines Verbleibs von Spuhler stand.

Ich freue mich sehr, dass die Theaterleitung meinem Wunsch an diesem Haus zu verbleiben, zugestimmt hat.
Nicole Braunger, Operndirektorin

Hinter den Kulissen war aber zu vernehmen gewesen, dass sich große Teile der Musiktheatersparte sich stark für ihren Verbleib im Amt einsetzten.

In der Mitteilung des Theaters wird Braunger wie folgt zitiert: „Ich freue mich sehr, dass die Theaterleitung meinem Wunsch an diesem Haus zu verbleiben, zugestimmt hat.“ Sängerinnen und Sänger seien für sie „das Herz eines Opernabends – und für mich ist es eine Herzensangelegenheit, an diesem Haus zu bleiben.“

Theaterträger begrüßen Entscheidung

Begrüßt wird ihre Entscheidung laut der Mitteilung auch von den Theaterträgern: „Ich freue mich, dass Nicole Braunger in Karlsruhe bleibt“, wird Kunstministerin Theresia Bauer zitiert. Damit behalte das Theater „eine sehr geschätzte Operndirektorin“ und könne „auf Kontinuität an der Spitze des Musiktheaters bauen.“

Braunger wird für ihre Kompetenz und ihre Persönlichkeit sehr geschätzt.
Frank Mentrup, Oberbürgermeister Karlsruhe

Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup erklärt laut der Mitteilung, Nicole Braunger werde im Staatstheater „und im Karlsruher Fachpublikum für ihre Kompetenz und ihre Persönlichkeit sehr geschätzt“. Er freue sich, „dass die Theaterleitung mit der Nachricht zum Verbleib von Frau Braunger in Zeiten des Umbruchs nach außen ein positives Signal des Vertrauens und der Zuversicht in eigene Stärken setzen kann.“

Die aus Österreich stammende Opernchefin begann ihre Laufbahn als Sopranistin am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin, wo sie von 2006 bis 2010 engagiert war. Danach arbeitete sie als Künstleragentin, zuletzt bei einer Agentur in Wien, wo sie renommierte Regisseure wie Harry Kupfer oder Keith Warner vertrat. 2018 trat sie als erste Frau in dieser Position das Amt der Karlsruher Operndirektorin an.

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