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In Zeiten des Coronavirus

Kritik an Hausbesuchen von Schornsteinfegern

Für manche ist es eine beunruhigende Vorstellung: In Zeiten der strikten Corona-Gegenmaßnahmen, wenn sich die Bürger in ihre eigenen vier Wände zurückziehen, sollen sie dennoch ihre Türen den Schornsteinfegern und den Mitarbeitern der Stadtwerke aufmachen, die den Strom- und Wasserverbrauch der Haushalte ablesen.

Die Schornsteinfeger müssen trotz der Corona-Epidemie ihrer Arbeit nachgehen. Foto: dpa

Die Frage ist: Sind solche Haus-zu-Haus-Besuche unter dem Aspekt der möglichen Weiterverbreitung von Sars-CoV-2 sinnvoll und welche Regeln gelten dabei?

In den vergangenen Tagen wurde unsere Redaktion mehrfach von Lesern kontaktiert, die sich Sorgen machen. Zum Beispiel weil die Schornsteinfeger in ihren Wohnvierteln ohne Handschuhe, Mundschutz und Desinfektionsmittel unterwegs seien und sich bei Hausbesuchen angeblich nicht die Hände waschen.

Ich habe den Schornsteinfeger angerufen und gesagt, dass ich nicht möchte, dass er derzeit in meine Wohnung kommt.
BNN-Leserin

„Ich habe den Schornsteinfeger angerufen und gesagt, dass ich nicht möchte, dass er derzeit in meine Wohnung kommt. Er geht ja davor und danach in Dutzende andere Wohnungen“, schrieb eine Leserin aus Karlsruhe. Sie zitiert den Fachmann mit der Aussage: „Brandschutz geht vor Gesundheit“. Nach den Worten der Leserin seien manche Nachbarn von dieser Vorgehensweise „überrumpelt“ und hätten Angst.

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Auf Anfrage erklärte der zuständige Schornsteinfeger, dass er den empfohlenen Sicherheitsabstand zu den Hausbewohnern einhalte und ansonsten die Brandschutzverordnung befolge. Allerdings ist offenbar nicht jeder aus dieser Berufsgruppe gerade glücklich mit der extremen Situation.

Schornsteinfeger kritisiert Bestimmungen wegen des Coronavirus

„Es ist ein Unding, dass das Wirtschaftsministerium in Stuttgart uns zu den sogenannten ,systemrelevanten Berufen‘ zählt und in Corona-Zeiten zum Arbeiten zwingt“, kritisierte im Gespräch mit unserer Redaktion ein Schornsteinfeger, der zurzeit krankgeschrieben ist und nicht namentlich genannt werden möchte. „Mir wäre es viel lieber, wenn wir alle Arbeiten zurückstellen und nur die Notversorgung machen könnten“, sagte er.

Doch so einfach ist es nicht: Das auf Bundesebene zuständige Ministerium für Wirtschaft und Energie hat kürzlich in einer Stellungnahme an die Länder gefordert, dass Schornsteinfegertätigkeiten nicht dauerhaft aufgeschoben werden können, da sie wesentlich zur Gefahrenabwehr beitragen.

Handlungsempfehlungen für Schornsteinfeger in Zeiten von Covid-19

Es solle eine Abwägung im Einzelfall geben, so die Klarstellung aus Berlin: „Alle Arbeiten, die ohne Risiko durchgeführt werden können, sollten unter Berücksichtigung der bekannten Verhaltens- und Hygienemaßnahmen durchgeführt werden."

Das Landesministerium für Wirtschaft verneint, dass die Schornsteinfeger gezwungen würden, ihre Arbeiten wie vor der Corona-Krise durchzuführen. Vielmehr gebe es „Handlungsempfehlungen“.

Zusammengefasst lauten sie so: Was zeitlich nicht kritisch sei und verschoben werden könne, solle nach Absprache mit Kunden verschoben und später nachgeholt werden – insbesondere bei Personen unter Quarantäne. Wo dies „wegen der besonderen Gefährdungslage“ nicht möglich sei, müssten die Arbeiten vor der Verwaltungsbehörde begründet werden.

Nehmen Sie die Bedenken Ihrer Kunden ernst und respektieren Sie den Wunsch, Termine zu verschieben.
Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks

Dabei sollten persönliche Kontakte zu Bewohnern vermieden werden. Der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks (ZIV) empfiehlt in seinem aktuellen Newsletter: „Halten Sie sich an die allgemeinen Hygieneregeln wie Abstand halten. Nehmen Sie die Bedenken Ihrer Kunden ernst und respektieren Sie den Wunsch, Termine zu verschieben.“

Das Gesundheitsamt in Karlsruhe hat nach eigenen Angaben seit dem Corona-Ausbruch keine Extra-Anweisungen an Schornsteinfeger herausgegeben, nachdem Bund und Land deckungsgleiche Regelungen getroffen hätten. Das Amt müsse „davon ausgehen, dass sich die Schornsteinfeger auch an diese Regeln halten, ebenso wie die Strom- und Wasserableser“, hieß es dort auf Anfrage der BNN.

Und weiter: „Ohne das jetzt aus Zeitgründen nachprüfen zu können, gehen wir davon aus, dass die betreffenden Energie- und Wasserversorger ihren Mitarbeitern entsprechende Verhaltensregelungen an die Hand gegeben haben“.

Alles vernünftig geregelt?

Der Vizepräsident des Landesinnungsverbandes Baden-Württemberg kann indes die Aufregung nicht verstehen. „Es ist alles vernünftig geregelt. Es mag vielleicht nicht jedem Schornsteinfeger passen, dass er jetzt arbeiten muss, aber das müssen schließlich auch die Kassierer in Supermärkten“, sagte Karl-Rainer Kopf.

Er könne sich schwer vorstellen, dass sich viele seiner Kollegen nicht an die Corona-Regeln halten würden, so Kopf: „Nur die Dümmsten rennen jetzt völlig planlos und ohne Schutz in der Gegend herum.“

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