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Bis 70 Prozent Umsatzverlust

Lokale Biermarken wie Hoepfner oder Ulmer trifft die Corona-Krise unterschiedlich

Deutsche lieben Bier und deutsches Bier ist auch im Ausland sehr beliebt. Da es jedoch aus den Zapfhähnen der Gastronomen momentan allerhöchstens tropft, leiden die Brauereien stark unter der Corona-Krise und müssen mitunter auf 70 Prozent ihres Umsatzes verzichten.

Nur noch via Video-Telefonat kann momentan angestoßen werden. Volksfeste wie das Stuttgarter Frühlingsfest wird es in näherer Zukunft nicht geben. Foto: Matthias Balk/dpa

Obwohl man auch im Ausland deutsches Bier schätzt, hatten es Brauereien hierzulande bereits vor der Corona-Krise schwer. Der Pro-Kopf-Verbrauch der Deutschen ging in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr zurück. Lag der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland laut Zahlen des Deutschen Brauerbundes in der 1970er- und 1980er-Jahren noch bei mehr als 140 Litern, ist er mittlerweile auf knapp 100 Liter geschrumpft. Die Folge: Immer mehr kleinere Brauereien werden von großen Holdings aufgekauft und später teilweise stillgelegt.

Durch die aktuelle Pandemie kommen nun weitere Probleme auf die Bierhersteller zu: Feierlichkeiten wie das Burgfest der Karlsruher Hoepfner-Brauerei, bei denen für gewöhnlich große Mengen an Gerstensaft abgesetzt werden können, müssen ausfallen. Trotz herrlichem Wetter zu Beginn dieses Monats bleiben die Biergärten geschlossen. Und auch die Fußball-Europameisterschaft, die zu Public Viewings und privaten Grillfeiern einlädt, wird in diesem Jahr nicht stattfinden.

Brauereien können Biersteuer stunden

Als erste Reaktion auf diese Entwicklungen haben sich das Bundesfinanzministerium und die Finanzministerien der Länder darauf geeinigt, dass die Biersteuer gestundet werden kann und somit erst später fällig ist. Ein handelsüblicher Bierkasten ist mit etwa 90 Cent Biersteuer belastet.

„Diese Maßnahme ist grundsätzlich nicht schlecht“, sagt Matthias Schürer, Präsident des Baden-Württembergischen Brauerbundes. „Die Biersteuer kann allerdings nur gestundet werden, wenn Absätze erzielt wurden, auf die diese entrichtet wird. Davon profitieren vor allem Brauereien, die ausschließlich oder hauptsächlich Flaschenbier verkaufen, beispielsweise Oettinger“, so der Linkenheimer. Er war unter anderem auch schon als Geschäftsführer für die Karlsruher Hoepfner-Brauerei tätig.

Wenn Gaststätten geschlossen sind, verlieren Brauereien bis zu 70 Prozent ihres Umsatzes.
Matthias Schürer, Präsident des Baden-Württembergischen Brauerbundes

„In Baden-Württemberg haben wir viele kleine und mittelgroße Brauereien, die innerhalb der Produktion einen Fassbier-Anteil von bis zu 60 Prozent haben. Wenn nun, wie jetzt, die Gaststätten geschlossen sind, verlieren diese Brauereien bis zu 70 Prozent ihres Umsatzes“, meint Schürer. Hinzu kämen Pachtausfälle und Kredite, die Brauereien an Gastronomen geben und die sie nun nicht zurückzahlen können.

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Kleine Brauereien hoffen auf einen Boom nach der Corona-Krise

Die Familienbrauerei Bauhöfer in Renchen-Ulm, die seit Beginn des Jahres von der erst 26-jährigen Katharina Scheer als Geschäftsführerin vertreten wird und hauptsächlich Bier der Marke „Ulmer“ produziert, spürt die Krise deutlich.

Habe die Hoffnung, dass die Leute nach dieser Phase umso mehr in die Gastronomie gehen.
Katharina Scheer, Geschäftsführerin der Familienbrauerei Bauhöfer (Renchen-Ulm)

„Es ist zu früh, um Zahlen zu nennen, die einen möglichen Absatz- und damit Umsatzrückgang beziffern könnten. Der Flaschenbierverkauf läuft zum Glück weiter, der komplette Fassbier-Bereich fällt jedoch momentan weg“, so Scheer. „Ich habe die Hoffnung, dass die Leute nach dieser Phase umso mehr in die Gastronomie gehen, um sich etwas zu gönnen. Ein möglicher Boom könnte die momentanen Einbußen ein bisschen ausgleichen.“

Immerhin gebe es aufgrund der Abstandsregelungen keine Probleme bei der Produktion, da die Mitarbeiter in den verschiedenen Produktionsstufen laut Scheer weitestgehend autonom arbeiten und es kaum Berührungspunkte gibt.

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Hoepfner nimmt Biersteuer-Stundung gerne an

Willy Schmidt, Geschäftsführer der Hoepfner-Brauerei in Karlsruhe, sagt über sich selbst, dass er von Natur aus ein optimistischer Mensch sei. Diesen Gemütszustand versucht er derzeit auf die mit Hoepfner verbundenen Gastronomen zu übertragen: „Die Gastronomie ist sicherlich das größte Sorgenkind. Diejenigen, die gut aufgestellt sind, berichten uns, dass sie diese Phase noch bis Juni überbrücken können, danach werde es kritisch.“

Bei uns herrscht keine Weltuntergangsstimmung.
Willy Schmidt, Geschäftsführer der Hoepfner-Brauerei (Karlsruhe)

Bei Hoepfner mache „der Fassbier-Anteil ein Drittel des Geschäfts aus“, so Schmidt. Die Stundung der Biersteuer nimmt Hoepfner gerne in Anspruch. „Bei uns herrscht keine Weltuntergangsstimmung. Da der Lebensmittelhandel und die Getränkehändler weiterhin geöffnet sind, sind die Abläufe überraschend normal“, sagt Schmidt.

Auch Matthias Schürer will trotz der wirtschaftlichen Nachteile, die die Corona-Krise für die Brauereien mit sich bringt, nicht den Blick für die schönen Dinge verlieren. „Ich habe kürzlich zuhause ein Bier getrunken und mich darauf gefreut, dies bald wieder in einer Gaststätte und in guter Gesellschaft zu tun und hoffe, dass es bis zu diesem Moment nicht mehr allzu lange dauert.“

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