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Passagierzahlen steigen

Modellstadt Mannheim liefert neue Erkenntnisse zum ÖPNV der Zukunft

Mehr Busse, günstigere Tickets, kürzere Taktungen – mit den Fördergeldern vom Bund wollen die Südwest-Modellstädte Mannheim, Herrenberg und Reutlingen die Menschen zum Umsteigen auf Bus und Bahn bewegen. Gleichzeitig sollen so auch die Stickstoffdioxid-Werte in den Innenstädten sinken.

Mit mehr als 28 Millionen Euro erhält Mannheim das meiste Geld im Südwesten. Auch hier fließen die Fördermittel vor allem in den ÖPNV und ermöglichen unter anderem günstigere Ticketpreise. Die Ergebnisse aus den bundesweit fünf Modellstädten werden am Ende in Berlin besprochen. Foto: Töngi

Nun haben die Verantwortlichen in Mannheim eine erste Zwischenbilanz gezogen. Und die fällt größtenteils positiv aus. Auch wenn es am Ende doch einen Wermutstropfen gibt. Die wichtigste Erkenntnis zuerst: Verbesserte Verbindungen animieren die Bürger am ehesten, auf Bus und Bahn umzusteigen.

26 Prozent mehr Fahrgäste auf verdichteten Linien

„Auf den Linien, auf denen wir die Takte verdichtet haben, haben wir 26 Prozent mehr Fahrgäste gezählt“, berichtet Christian Specht. Lediglich die Preise zu senken, sei also langfristig nicht der beste Weg. Im Stadtgebiet seien die Fahrzeuge aufgrund der vergünstigten Tickets (1,80 statt 2,60 Euro) seit Jahresbeginn um 5,9 Prozent mehr belegt, ergänzt der Erste Bürgermeister und ÖPNV-Dezernent. Dies seien jedoch nur vorläufige Zahlen, betont der CDU-Politiker.

Gesicherte Erkenntnisse aus Kundenbefragungen und Evaluationen würden noch fehlen. Unklar sei daher auch, wer genau die Fahrgäste sind, die seit Jahresbeginn für die erhöhte Nutzung des ÖPNV in der Großwabe Mannheim/Ludwigshafen sorgen. Möglicherweise handele es sich um sogenannte Umsteiger, also Fahrgäste, die beispielsweise vom Auto auf Bus oder Bahn gewechselt sind und den ÖPNV vorher gar nicht oder nur selten genutzt haben.

Wer fährt mit?

Denkbar sei Specht zufolge aber auch, dass bisherige ÖPNV-Nutzer noch häufiger fahren. Oder Radfahrer plötzlich umsatteln. „Das ist natürlich nicht in unserem Interesse“, betont Specht. Zielgruppe Nummer eins seien nach wie vor die Autofahrer. Und denen müsste man es so einfach wie möglich machen, sich ein Ticket zu holen. Daher sei auch der „eTarif“ so wichtig, „Da muss man beim Ein- und Aussteigen nur aufs Smartphone drücken.“ Eine junge Mutter aus Eppelheim, die mit dem Kinderwagen durch die Innenstadt läuft, passt genau in diese Zielgruppe. Die 28-Jährige kommt zwar nur selten in die Quadratestadt. Wenn, dann aber immer mit dem Auto. „Das ist mit Kind einfach praktischer“, findet sie.

Weiteres Modell bereits in Planung

Für die 110. 000 Menschen, die täglich zur Arbeit nach Mannheim kommen, soll der ÖPNV schon jetzt die bessere Alternative sein. Die Ausweitung des Job-Ticket-Angebots sei auch ein „voller Erfolg“, meint Bürgermeister Specht.

Im nächsten Jahr sei zudem ein weiteres Job-Ticket-Modell geplant, ergänzt Volkhard Malik, Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar. Trotz der Fahrgastzuwächse hätten die Auswertungen ergeben, dass die Einnahmen nicht die Kosten decken, die durch das neue Angebot entstehen. „Wenn wir das also langfristig in dieser Form anbieten wollen, bedarf es finanzieller Unterstützung durch den Bund“, stellt Specht klar. Reguläre Tages- und Wochenkarten seien aktuell weniger stark nachgefragt.

Auch in Herrenberg zieht man eine positive Zwischenbilanz. „Der zusätzliche dritte Citybus, die Busse in den Abendstunden und die günstigeren Tagestickets kommen gut an“, sagt Karsten Kühn, Leiter der Stadtwerke. Das zeige sich nicht zuletzt an den gestiegenen Fahrgastzahlen.

Und in Karlsruhe?

Auch beim Karlsruher Verkehrsverbund dürften diese Erkenntnisse auf Interesse stoßen. Trotz Gratis-ÖPNV während des Karlsruher Stadtfestes am Wochenende – eine radikale Veränderung des Tarifs sei derzeit nicht geplant, sagt ein Sprecher. Er erklärt auch, warum Einzeltickets proportional teurer sind als etwa Jahreskarten: „Das hängt mit unseren laufenden Kosten zusammen.“ Einnahmen seien bei Mehrfachkarten besser kalkulierbar. Über die Masse der Einzeltickets würden diese Kosten dann mitgedeckt werden.

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